Diese Position im Mindelheimer Haushaltsplan ließ aufhorchen: 700.000 Euro sind darin unter der Überschrift „Schadstoffentfrachtung Heimatmuseum“ vorgesehen. In dem Museum lagern offenkundig nicht nur Ausstellungsstücke, sondern auch gefährliche Stoffe. Wir haben bei der Stadt nachgefragt, was es damit auf sich hat.
Das Heimatmuseum im Heilig-Kreuz-Kloster ist bereits seit 2021 geschlossen. Hintergrund ist, dass das Depot des Museums im Dachboden des Gebäudes wegen anstehender Sanierungsarbeiten in die Ausstellungsräume verlagert werden musste, die seither nicht mehr zugänglich sind. Im Vorfeld solcher Arbeiten findet immer auch eine Schadstofferkundung statt – und dabei wurden die Schadstoffe entdeckt, deren Entsorgung sich nun im Haushalt der Stadt niederschlägt.
Im Heimatmuseum wurden hochgiftige Weichmacher und ein Nervengift entdeckt
In den Spachtelmassen der Gipskartonplatten, die im Dachboden verbaut wurden, befinden sich demnach Asbestfasern. Weitere lungengängige Asbestfasern wurden in den Dämmplatten entdeckt. Außerdem wurden Holzschutzmittel verwendet, die polychlorierte Biphenile (PCB) und das Nervengift Lindan enthalten. Beide werden als hochgiftig und krebserregend eingestuft.
Die Schadstoffe sind nach Auskunft der Stadt in den 1960er-Jahren ins Heimatmuseum gelangt, als der städtische Bauhof dort verschiedene Einbauten vorgenommen hat. „Zur damaligen Zeit war Asbest ein gängiger Baustoff, über dessen Gesundheitsgefahren man allgemeinhin keine Kenntnis hatte“, so die Stadt. Das gilt auch für den Weichmacher PCB, der 2001 weltweit verboten wurde, und Lindan, das inzwischen ebenfalls nicht mehr hergestellt und verwendet werden darf.
Besucherinnen und Besucher waren durch die Schadstoffe nicht gefährdet
Die Sorge, mit dem Besuch des Heimatmuseums in den vergangenen Jahren die eigene Gesundheit gefährdet zu haben, ist aber glücklicherweise unbegründet: Die Einbauten beschränken sich auf das Dachgeschoss, zu dem die Besucherinnen und Besucher keinen Zugang hatten. Für sie sei von den Schadstoffen deshalb zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr ausgegangen, betont die Stadt.
Und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den vergangenen Jahren regelmäßig im Depot zugange waren, haben wohl nichts zu befürchten: Weil die Asbestfasern in der Spachtelmasse und den Dämmplatten gebunden waren, stellten sie im eingebauten Zustand keine Gefahr dar, so die Stadt. Als das Depot wegen der anstehenden Sanierungsarbeiten in die Ausstellungsräume verlagert wurde, seien trotzdem alle Objekte vorsorglich gereinigt worden.
Weil sich die Stadt im Mietvertrag für die Räume dazu verpflichtet hat, die Einbauten beim Auszug wieder zurückzubauen, ist sie nun auch dafür zuständig, die Schadstoffe zu entfernen und fachgerecht zu entsorgen.
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