Die meisten Straßen der Mindelheimer Innenstadt wurden in den vergangenen Jahren bereits schick gemacht. Umso mehr stach die Geberstraße heraus, die Stadträtin Christel Lidel (Bürgergemeinschaft) bei Stadtführungen schon mal als „etwas vergessene Straße“ bezeichnete. Doch das soll sich bald ändern: Nach dem Frundsbergfest 2026 soll die Gerberstraße auf einer Länge von rund 200 Metern umgestaltet werden – und dann laut Diplom-Ingenieur Christian Standl vom Büro Steinbacher Consult mehr sein als nur eine Straße.
Ziel sei es demnach, die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Zu verdanken ist das nicht zuletzt der Regierung von Schwaben, die eine reine Straßensanierung nicht finanziell gefördert hätte. Das jetzige Konzept aber hat die Behörde überzeugt – und auch die Mindelheimer Stadträtinnen und -räte, die der Sanierung auf Grundlage der Entwurfsplanung in ihrer jüngsten Sitzung geschlossen zugestimmt haben.
In der Gerberstraße soll ein Platz für Außengastronomie entstehen
Im Zuge der Umgestaltung der Maximilianstraße wurde die Gerberstraße bereits bis zur Hausnummer 5 saniert. Nun soll die Pflasterung fortgeführt und dabei die Fahrbahn zugunsten der Gehwege auf ein Mindestmaß reduziert werden, erklärte Standls Kollege Ulrich Hoffmann. Wie in der Maximilianstraße sollen die Bordsteine auf zwei bis drei Zentimeter abgesenkt werden. Geplant ist auch, die Straße so anzuheben, dass die Hauseingänge über weniger Stufen zu erreichen sind als jetzt. „Wir werden die Situation verbessern“, sagte Hoffmann, dämpfte gleichzeitig aber zu große Erwartungen: „Wir werden es nicht schaffen, dass jeder einen barrierefreien Eingang bekommt.“
Vor dem Restaurant Sushi Chi soll zudem ein Platz für Außengastronomie entstehen. Dafür fallen Parkplätze vor dem Restaurant weg und auch entlang der Straße werden sie reduziert: Statt der aktuell 16 Parkplätze wird es nach der Umgestaltung noch zwölf geben, dafür aber 24 Stellplätze für Fahrräder, die bislang nicht berücksichtigt waren.
Als Clou der Umgestaltung präsentierte Hoffmann Elemente einer Schwammstadt: Drei große Bäume sollen der Straße im Sommer lichten Schatten spenden und Regenwasser zurückhalten. Damit sie in lockerem Substrat kräftig wachsen können, werden sie in große, befahrbare Baumgruben gepflanzt, in denen Regenwasser gespeichert werden kann. Auch eine Bewässerung mit dem Oberflächenwasser des Platzes ist über ein Leitungssystem möglich. Im Winter kann die Zuleitung in die Kanalisation umgeleitet werden, damit das Salzwasser die Bäume nicht schädigt.
Der Eigenanteil der Stadt Mindelheim an der Umgestaltung könnte sich auf rund 1,2 Millionen Euro belaufen
Aktuell laufen bereits Gespräche mit den Anwohnern, weil manche vermeintlich öffentliche Flächen auf privatem Grund liegen. Hier gehe es in erster Linie darum, Nutzungsverträge zu schließen, so Hoffmann. Flächen verkaufen müsse niemand. Die jetzige Entwurfsplanung ist der Auftakt zum Beginn des Förderverfahrens. Die Regierung von Schwaben hat der Stadt bereits in Aussicht gestellt, sich zu 60 Prozent an den förderfähigen Kosten zu beteiligen. Das entspräche einer Förderung in Höhe von 1,18 Millionen Euro. Der Eigenanteil der Stadt würde sich in diesem Fall auf rund 1,17 Millionen belaufen.
Bei den Stadträtinnen und -räten kam vor allem das Schwammstadt-Konzept sehr gut an – auch wenn es laut Ursula Kiefersauer (Bürgergemeinschaft) die Dramatik des Klimawandels verdeutlicht. Christoph Walter (CSU) hofft, dass die Hauseigentümer die Umgestaltung zum Anlass nehmen, ebenfalls tätig zu werden, „damit das eine wirklich schöne Straße wird“.
Sie soll weiterhin als Einbahnstraße mit maximal 20 Stundenkilometern befahrbar sein und wie bisher als Ausweichstrecke dienen, wenn die Maximilianstraße etwa für Veranstaltungen gesperrt ist. Die Vorschläge von Fritz Birkle (CSU) und Thomas Burtscher (Grüne), sie zur Fahrrad- oder Spielstraße zu machen, lehnte Bürgermeister Winter ab. „Ich warne da vor zu viel Kreativität“, sagte er. Für die Straßen in der Innnenstadt sollten möglichst einheitliche Regeln gelten, um die Verkehrsteilnehmer nicht zu verwirren. Im Falle einer Fahrradstraße würde man zudem die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 30 Stundenkilometern erhöhen, eine Spielstraße wiederum wäre – wie Winter mit einem Augenzwinkern anmerkte – „eine gute Einnahmequelle für die Stadt“, weil erfahrungsgemäßg deutlich schneller gefahren werde als die dann noch erlaubten sieben Stundenkilometer.
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