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Ulm: 140 Kilogramm Humor, verteilt auf 1,90 Meter: Faisal Kawusis Auftritt im Roxy

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140 Kilogramm Humor, verteilt auf 1,90 Meter: Faisal Kawusis Auftritt im Roxy

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    Faisal Kawusi zeigte sich von seiner schlagfertigen Seite im Ulmer Roxy.
    Faisal Kawusi zeigte sich von seiner schlagfertigen Seite im Ulmer Roxy. Foto: Christoph Kölle

    Wäre Comedy Tennis, müsste man Faisal Kawusi für seinen harten, blitzschnellen Return fürchten. Einen Zuschauer nach dem anderen pickt er sich aus der Menge im Ulmer Roxy heraus, stellt ihm harmlose Fragen – und auf jede Antwort folgt postwendend ein verbaler Hammerschlag von Kawusi. Pointe, Treffer, versenkt. Ein junges Paar aus Ulm befragt er nach dessen erstem Date, sie waren spazieren an der Donau. „Sehr schwäbisch, weil richtig günstig“ – in einer Millisekunde kommt der Return zurückgeschossen. Dazu rollt der massige, große Kerl lustig mit den Augen. Ein kleines Mädchen lädt er auf die Bühne ein und fragt, wen es lieber habe – Mama oder Papa? Das Kind schweigt. Schnell handelt Kawusi für das Mädchen ein nagelneues Fahrrad bei ihrem Vater heraus. Noch einmal fragt er: „Auf einer Skala von 1 bis 100, wie gern hast du Papa?“ – „100“ – „Und Mama?“ – „99“. Die Menge johlt.

    Der ZDF-Fernsehgarten lud Faisal Kawusi ein - und gleich wieder aus

    Seine Witze fliegen schnell und oft flach – aber es erfordert Mut, darauf zu bauen, immer eine spontane Punchline parat zu haben. Kawusi stammt aus Groß-Gerau, hat afghanische Wurzeln und ist derzeit eine heiße Nummer auf dem Comedy-Markt. Er begann als „Sidekick“ von Luke Mockridge, dann tanzte der Koloss bei „Let’s Dance“, jetzt hat er seine eigene TV-Show. Er betreibt Comedy mit Migrationsvordergrund – derber als Kaya Yanar, weniger angepasst und „mannheimisiert“ als Bülent Ceylan, nicht nett aufgehübscht wie Enissa Amani. Für seinen Humor hat Kawusi schon mal einen Platzverweis kassiert – zuerst lud ihn der ZDF-Fernsehgarten ein, dann sicherheitshalber wieder aus.

    Manchmal schießt Faisal Kawusis Humor in Ulm daneben

    Kawusis Stil ist grob. Er scherzt mit seiner Masse, lüftet das Shirt und analysiert seine Bauchfalten. Andere entwickeln aus ihrem Body-Maß-Index Skrupel und Komplexe – Kawusi Selbstbewusstsein. Eine ausverkaufte Werkhalle bespaßt er damit.

    Was Kawusi mitbringt: 140 Kilogramm Talent, verteilt auf 1,90 Meter – die gelegentlich auf humortechnische Abwege geraten. Die Pappkulisse im Roxy ist eine Ansage: eine Backsteinmauer, mit Graffiti besprüht, darauf der diabolisch grinsende Kawusi. Und dann heißt sein Programm auch noch „Anarchie“. Gut gezielte Witze lanciert er gegen deutsche Mettigel-Seligkeit genauso wie gegen Terroristen. Doch er schießt auch daneben: Wenn er mit „Zigeuner“-Klischees spielt, kopfwackelnd Inder imitiert, sind das dröge Momente der kalkulierten Beleidigung. Migranten seien potenziell aggressiv und Deutsche wehren sich nicht? Diskussionswürdige Thesen. Außer Frage steht aber am Ende sein Plädoyer für die Freiheit des Humors auch in aufgeregten Zeiten – und sein Gespür für den harten Return.

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