Ulm/Landkreis Neu-Ulm: Barrel House und Uuulmer's: Gastronomen stehen mit neuen Lokalen in den Startlöchern
Ulm/Landkreis Neu-Ulm
Barrel House und Uuulmer's: Gastronomen stehen mit neuen Lokalen in den Startlöchern
Das Lokal Barrel House in Neu-Ulm könnte loslegen – ebenso wie das Uuulmer’s. Wegen Corona geht das nicht. Wie die Wirte in der Region trotz Millionenverlusten durch die Krise kommen.
Das neue Barrel House am Wiley Club. Links unten: Betriebsleiter Michael Frech (links) und Küchenchef Tim Reisenauer. Rechts unten: Oliver Budzinski, Chef im Uuulmer's.Foto: Oliver Helmstädter, Alexander Kaya
Alles ist bereit im Holzbau beim Wiley Club, den die gleiche Firma wie die Käfer-Schänke in München gezimmert hat: Eine 70 Jahre alte Harley hängt an der Decke, die original Wurlitzer-Juke-Box leuchtet und das Sofa von Willy steht am Willy's Place. "Das ist die echte Couch von unserem früheren Küchenchef", sagt Thomas Eifert. Mit über 90 starb Willy, dem der Großgastronom nun ein Denkmal gesetzt hat. Über eine Million Euro steckte Eifert in das neue Lokal Barrel House. Geöffnet hatte die außergewöhnliche Lokalität wegen Corona noch nie. Genauso geht es dem Uuulmer`s am Trainingszentrum der Basketballer.
Im Barrel House in Neu-Ulm hängt eine Harley an der Decke
Das Barrel House spielt gekonnt mit verschiedenen US-Stilmitteln, die hier auf dem Gelände, dem ehemalige US-Stützpunkt Wiley Barracks, ohnehin ein Zuhause haben. Während der Wiley Club, der ebenfalls zum Eifert-Imperium gehört, in Zukunft vor allem für Veranstaltungen genutzt werden soll, wird das Barrel House ein normales Lokal sein, das durchgehend geöffnet haben wird. Obwohl von normal hier kaum die Rede sein kann. Und das nicht nur wegen des Motorrads an der Decke.
Ganz in der US-Wiley-Tradition: Das Hinweisschild zum neuen Barrel House am Wiley Club.Foto: Oliver Helmstädter
Ein Hingucker ist etwa auch die Schnapsbrennerei in der Mitte. Das erste Fass Whiskey wurde am 12. Dezember 2020 abgefüllt. "Das gibt es erst zu meinem Leichenschmaus", sagt Eifert. Whiskey-Fans muss aber nicht bange sein, bis dahin auf dem Trockenen sitzen zu müssen: Es gibt fünf weitere Fässer, die in drei Jahren erstmals verkostet werden. Und bis dann gibt es Gin aus eigener Fertigung sowie White Dog, den jungen, noch klaren Whiskey, der aber so nicht heißen darf. Was noch fehlt, aber bestellt sei: eine Bullriding-Anlage, auf der Rodeo-Wettbewerbe ausgetragen werden können. Das Western-Kuh-Thema soll sich auch am geplanten Kinderspielplatz wiederfinden.
Schlimm. So bezeichnet Eifert die Corona-Krise für sein Unternehmen. Drei Millionen Euro habe er bislang verloren. Und immer noch warte er auf die Dezember-Hilfe vom Staat. "Da kann es schon knapp werden mit der Liquidität." Eifert ist Herr über weit mehr als das neue Barrel House und den Wiley Club. Sein Unternehmen Gastromenü zählt 500 Mitarbeiter und deckt eigentlich alles ab, was in der Gastronomie möglich ist: Von der Sterne-Küche des Gourmet-Restaurants seines Hotels "Lago" über die "Impfbar" am Impfzentrum Ulm bis hin zur Belieferung von Seniorenheimen, Schulen und Kindergärten aus der Manufaktur im Donautal. Dort wird mit 25 Prozent der Auslastung bei 100 Prozent der Kosten gearbeitet. "Vor der Krise waren wir als Unternehmen sehr gesund", sagt Eifert. Deswegen werde er auch die Pandemie überstehen.
Neben Steaks gibt's im Wiley Club auch Spare-Ribs und Käse-Fondue
Wann es gastronomisch im Wiley Club, Barrel House, Bella Vista, Lago, Treibgut und Seestern weitergeht, stehe in den Sternen. Eifert hofft auf nach Pfingsten. Die Ungewissheit mache eine Planung aber fast unmöglich. Die erste Ladung "Dry aged"-Steaks aus dem Reifeschrank hätten die Mitarbeiter selbst essen müssen. Wie Co-Geschäftsführer Marian Schneider sagt, wären derzeit die Einkaufspreise in der Gastronomie 40 Prozent höher als üblich. Viele Produkte wie Kalbfleisch wären äußerst knapp, weil auch die Zulieferer nicht planen könnten. Und Fisch, aus Frankreich etwa, gebe es praktisch gar nicht, weil dort die Großmärkte geschlossen sind. Im Barrel House setzen Eifert und Schneider allerdings auf Regionalität, das sei besser planbar. Neben Steaks gibt's auch Spare-Ribs und Käse-Fondue. "Wie bei Muttern der Sonntagsbraten" soll es am "Community-Table" schmecken: Dann kommen die Speisen in großen Schüsseln auf den Tisch und jeder nimmt sich, so viel er mag.
Das sagt Johann Britsch der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands
In Bayern sind die Hilfen vom Staat inzwischen offenbar ankommen. Johann Britsch, dem Bezirksvorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), seien bislang keine Pleiten bekannt, die alleine durch Corona verursacht wurden. Zu Anfang der Pandemie hätten sich viele Gastronomen in einem Schockzustand befunden. Langsam mache sich wieder Zuversicht breit. Auch in seinem Betrieb: "Ich freue mich, wenn wir wieder aufmachen."
Dieser inzwischen überwundene Schockzustand wurde auch durch die eigene Investition verursacht: 4,5 Millionen Euro investierte der Familienbetrieb in die "Apartments by Hirsch". Ein neues Gästehaus mit 30 Selbstversorger-Apartments und Fitnessraum. Kaum war die Hotel-Erweiterung eröffnet, kam gefühlt schon der Lockdown. "Kein Einkommen mehr. Von heute auf morgen." Das sei beängstigend gewesen.
Jetzt im Mai des Jahres 2021 sei "Apartments by Hirsch" sogar ausgebucht. Denn Geschäftsreisende gebe es auch in Zeiten der Pandemie. "Das Bruttosozialprodukt läuft ja." Das Geschäft in seinem eigenem Betrieb, dem Hirsch in Finningen, liege auch deswegen nicht völlig brach. Trotz Lockdown haben die Britschs weiter Geld in ihr Hotel-Restaurant gesteckt: Eine neue Theke und ein neu gestaltetes Restaurant steht für die Aufbruchstimmung im Hirsch. "Wir haben die Zeit positiv genutzt."
Neu-Ulm - Oliver Budzinski, Chef Uuulmers am Orange CampusFoto: Alexander Kaya
Britsch ist überzeugt, dass sich die Gastronomie nachhaltig verändern wird. "Viel Raum ist der neue Luxus", sagt Britsch. Denn wegen Corona werde auf Dauer ein Bedarf nach mehr Raum pro Mensch entstehen. Völlig eingebrochen ist landauf, landab das Geschäft mit Veranstaltungen und Hochzeiten. "Zu 100 Prozent wird das zurückkommen", sagt Britsch. Doch es werde noch viel Zeit vergehen. Er spüre ein großes Verlangen der Menschen nach echten Begegnungen. "Die Leute sind heiß darauf", sagt Britsch. Das Bedürfnis nach Geselligkeit ist da. Wenn es - womöglich bei Kaiserwetter - wieder losgeht, sei ein riesengroßer Ansturm zu erwarten. "Das macht mir ein bisschen Angst." Auch Kollege Eifert befürchtet einen ruckeligen Re-Start. Denn viele Beschäftigte in der Gastronomie hätten sich neue Jobs gesucht. Ohne Aushilfen könne auch die Tochterfirma Gastro-Event nicht arbeiten. Eifert befürchtet, dass ein Großteil der 100 Stamm-Aushilfskräfte nicht mehr zurückkommt.
Uuulmer`s in Ulm ist die neue Basketball-Gastro am Orange Campus
Auf den ersten Ansturm überhaupt wartet auch das Uuulmer’s im Orange-Campus, dem Trainingszentrum der Basketballer. Wann der kommt, kann aber niemand sagen. Lediglich für eine kurze Testphase hatte der Biergarten auf, sagt der Küchenchef und Betriebsleiter Oliver Budzinski, der stetig die Corona-Zahlen im Blick habe und mit den Lieferanten bereits eine Eröffnung durchgesprochen habe. Zwei Tage nach dem Okay des Gesundheitsamts könne er das helle, moderne Restaurant eröffnen. Zumindest die Gartenterrasse an der Donau mit ihren 120 Plätzen. Uuulmer's ist ganz dem Thema Basketball in Ulm gewidmet. Also eine Verbindung der Farbe orange, der USA und Schwaben. So läuft der Espresso aus einer knallorangenen Siebträger-Maschine. Und neben Hotdogs und Burgern soll es auch schwäbische Spezialitäten geben.
Neu-Ulm - Oliver Budzinski, Chef Uuulmers am Orange CampusFoto: Alexander Kaya
Streetfood aus Vietnam gibt es in der Wengengasse in Ulm
Vietnamesische Spezialitäten sollte es eigentlich ab Juni im GoGo in der Wengengasse geben. Die Gründerin Thai Vu wollte in dem Ladengeschäft, das als asiatisches Möbelhaus bekannt war, eigentlich Streetfood aus ihrem früheren Heimatland wie Sommerrollen oder Suppen ("Pho") anbieten. Doch wegen der Pandemie will die aus Ho-Chi-Minh-Stadt stammende Frau erst mal nur Bubble-Tea anbieten. "Das ist der beste Drink zum Mitnehmen im Sommer."
Neues ist auch in Illertissen zu erwarten: Der Tiziano-Inhaber Paolo Mazzer will, wie berichtet, die Illertisser Mitte gastronomisch mit La Piazza im Haus am Markt bereichern. Wann es soweit ist, steht allerdings noch nicht fest.