Sein Büro hat der Sendener Stadtjugendpfleger Benjamin Miller mitten auf dem Marktplatz: Seit dem vergangen Herbst dient ihm der ehemalige Kiosk als Wirkungsstätte. Das habe Vorteile, findet der Sozialarbeiter – für Jugendliche sei er dort sehr gut erreichbar. „Das hier ist super gelegen, um einfach mal vorbeizukommen, für Jugendliche und auch für Eltern“, berichtet Miller. Während die Mitarbeiter der „Jugendhilfe Seitz“ im Auftrag der Stadt die Führung des Jugendcafés im Sendener Rathaus übernommen haben, ist Miller für die mobile Jugendarbeit zuständig. Er plant an seiner neuen Wirkungsstätte für die Zeit nach Corona einige Projekte.
Gerade weil aber spezifische Angebote wie das Jugendcafé derzeit geschlossen sind, kommt der aufsuchenden Jugendarbeit und den Sprechstunden im Kiosk derzeit große Bedeutung zu, erklärt Walter Gentner, als Geschäftsbereichsleiter im Rathaus auch für die Stadtjugendpflege verantwortlich.
Die Regelungen aufgrund der Pandemie seien für die jungen Leute eine große Veränderung, so Miller, bedeuten sie doch den Verzicht auf die gewohnte Freizeitgestaltung und das Treffen von Freunden. „Die Jugendlichen halten sich gut an die Maßnahmen“, so der Pädagoge, „aber vielen fällt es nicht leicht, und natürlich fragen sie oft, wann zum Beispiel das Jugendcafé wieder aufmacht und wann das alles rum ist“. Auch das Fehlen von Strukturen wie dem gewohnten Schulalltag mache sich bemerkbar, so Miller, „das macht es schwerer, sie zu motivieren“.
Derzeit finden in Senden nur kleine Aktionen mit Jugendlichen statt
Im Kiosk hilft Miller Kindern und Jugendlichen mit Rat und Tat bei individuellen Problemen weiter, bei Schwierigkeiten mit Schule, Elternhaus oder bei der Jobsuche. In der offenen Sprechstunde, jeden Donnerstag von 14 bis 16 Uhr oder nach Vereinbarung, können Jugendliche ihn aufsuchen. Oder er besucht sie an ihren Treffpunkten – in der Umgebung des Bahnhofs etwa, am Iller-Center oder bei der Skateranlage im Stadtpark. Außerdem arbeite er eng mit dem Team des Jugendcafés zusammen, berichtet Miller, und sei auch gut mit den Sendener Schulen vernetzt.
Vor kurzem hat Miller nun eine kleine Aufräumaktion gestartet – jugendliche Freiwillige in Zweierteams haben in diesem Rahmen schon Müll und Zigarettenkippen rund ums Bürgerhaus entfernt. Das nötige Werkzeug zum Aufsammeln samt Müllsäcken hält Miller im Kiosk bereit. „Wenn Corona es erlaubt, wäre so eine Aktion auch mit mehr Leuten im Stadtgebiet denkbar“, sagt Miller.
Er hat noch Ideen für weitere Aktionen für dieses Jahr - zum Beispiel ein Skate-Wettbewerb im Sommer. Doch alle Planungen laufen derzeit unter Vorbehalt. Das gilt auch für die kommenden Osterferien, wo eigentlich eine Ferienbetreuung geplant war, was sich pandemiebedingt wohl nicht realisieren lässt. „Im Moment lassen wir die Finger davon“, so Gentner, „aber sobald sich ein Türchen öffnet, versuchen wir das.“
Villa Aufheim könnte in die ehemalige Feuerwehr ziehen
Auch ein „Jugendpflegemobil“ in Form eines Fahrrads mit Materialanhänger hält in Senden möglicherweise Einzug. Damit könnte er die verschiedenen Ortsteile aufsuchen und dem Nachwuchs Spiel- oder Aktionsangebote unterbreiten und gleichzeitig die städtische Jugendpflege ein wenig bekannter machen, so Miller.
Weitergehen soll es nun für den Jugendtreff Witzighausen, der jetzt im neu eingerichteten Jugendraum im renovierten Kindergarten Platz findet. Und für die von den Teenies selbst verwaltete „Villa Aufheim“ sucht die Stadt derzeit einen neuen Standort, berichtet Gentner. Denn der Containerbau am Aufheimer Ortsrand muss dem Neubau des örtlichen Kindergartens weichen. Derzeit gebe es zwar keinen Jugendlichen, der alle Schulungen absolviert hat, um in der Villa als Jugendleiter tätig zu sein, doch so bald wie möglich solle der Treff an anderer Stelle eingerichtet sein. Eventuell sei der ehemalige Standort der Freiwilligen Feuerwehr eine Chance, dort könnte auch ein Teil des Schul-Pausenhofs mitgenutzt werden. Doch das alles sei noch zu prüfen, so Gentner, etwa in Bezug auf die vorgeschriebenen Fluchtwege.
Ein alle Ortsteile verbindendes Projekt wiederum wurde vor Kurzem im Jugendcafé angestoßen: Es nennt sich „Senden*Ich*Du*Wir“ und lädt zum Mitmachen ein: Dabei soll das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt werden, indem viele Sendener von jung bis alt eine Menschenkette bilden, und zwar mithilfe von gezeichneten Selbstporträts. Dazu haben die Ideengeber eigens kleine Flyer entworfen, die eine freie Seite enthalten. Dort finden die Bilder Platz, die am Ende der Aktion als Kette aufgereiht und ausgestellt werden sollen. Die Flyer und die Einwurfboxen finden sich in vielen örtlichen Geschäften, im Rathaus und auch im Jugend-Kiosk vor dem Bürgerhaus.
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