Keuchend zieht Marco mit der einen Hand einen großen grellpinken Flamingo aus der Donau. An der anderen hat er ein kleines Mädchen, seine Nichte Pia. Die Siebenjährige war zum ersten Mal dabei, beim Nabada. Und wie war’s? „Nass, sehr nass. Aber hat viel Spaß gemacht“, sagt Pia, wischt sich ihre blonden Haare aus dem Gesicht und lacht. „Für heute war das Aufregung genug“, ergänzt Marco. Der 31-Jährige bringt seine Nichte jetzt zur Oma, für die Kleine ist der Schwörmontag schon jetzt vorbei – und dann? „Dann geht es weiter auf die andere Seite der Donau in die Stadt“, sagt Marco, lächelt verschmitzt und flüstert nach einer Pause: „Meine Kumpels warten schon am Münsterplatz auf mich.“
Am Schwörmontag geht es in Ulm und Neu-Ulm rund
Rund geht es aber auch ein paar Meter weiter auf Neu-Ulmer Seite. Beim Schwörwochenfest auf dem Schwal wird schon seit den Mittagsstunden gegessen und getrunken. Einer, der schon seit 12 Uhr am Ufer der kleinen und großen Donau verharrt, ist Rainer. „Hier hat man nachmittags einen perfekten Blick auf das Spektakel auf der Donau. Und anschließend geht’s zünftig zu – da kommt direkt Bierzelt-Stimmung auf, nur ohne Zelt eben“, sagt der 53-Jährige. Für diese sorgen die Bätscher Buam auf der Bühne. „Das ist genau mein Ding“, sagt Rainer. Die große Party in der Stadt sei ihm mittlerweile dann doch zu viel, das überlasse er den Jüngeren.
Auf der anderen Seite der Donau, Richtung Ulmer Münsterplatz, ist es aber nicht nur die junge Generation, die für Stimmung sorgt. In der Kramgasse tanzen Jung und Alt zu lateinamerikanischer Musik gemeinsam Salsa. Ein paar Meter weiter haben vier ältere Herren etwas abseits des Gedränges auf dem Boden Platz genommen und spielen Karten. „Das machen wir schon seit fast zehn Jahren so“, erzählt Franz. Von den wummernden Bässen, die vom Münsterplatz herüberschallen, lassen sich er und seine drei Freunde nicht aus der Ruhe bringen. Dort, auf der großen Bühne vor dem Münster, beschallt gerade Tom Gregory kostenlos ganz Ulm mit Gesang und elektronischen Klängen. Ganz zur Freude von Andrea. „Die Musik ist klasse“, sagt die 19-Jährige und tippelt unruhig auf ihren Fußspitzen hin und her. Dann entdeckt sie ihre Freundinnen, Nadja und Christin. „Tja, so ist das am Schwörmontag“, sagt Andrea, „da trifft man seine Freunde in der Stadt und geht gemeinsam feiern.“ Die drei freuen sich auf DJ Antoine, sagen sie – der wird am späten Abend, lange nach Redaktionsschluss, vor dem Münster auflegen.
Gefeiert wird dann wohl auch noch am Marktplatz und im Fischerviertel. Bis man vom Münster aus dort angelangt ist, verstreicht allerdings eine Menge Zeit. Wie die Sardinen tummeln sich die Menschen schon in den frühen Abendstunden in den Gassen und an den vielen Essens- und Getränkeständen. Die Sonne sorgt auch gegen Abend noch für angenehme Temperaturen, viele haben sich nach dem Nabada überhaupt noch nicht umgezogen. So auch Anke. Im Bikini dreht sich die 29-Jährige auf engstem Raum flink im Kreis. Mehr Platz bleibt ihr nicht zum Tanzen, denn vor der Bühne nahe dem Rathaus geht es eng zu. Als die Albfetza eine kurze musikalische Pause machen, nimmt sich Anke kurz Zeit für ein kleines Fazit: „Schwörmontag ist der schönste Tag im Jahr.“
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