Deutschlands bekanntester Verleger wurde vor hundert Jahren geboren, am 28. September 1924. Siegfried Unseld verkörperte den Suhrkamp-Verlag von 1959 bis zu seinem Tod 2002. Was nur wenige über den großen Mann des Verlagswesens wissen: Unseld war gebürtiger Ulmer, Sohn des Verwaltungsangestellten Ludwig Unseld und dessen Frau Maria Magdalena. Die Aegis-Buchhandlung, wo Siegfried Unseld ab 1946 in die Lehre ging, veranstaltet einen Abend über die Ulmer Zeit des Verlegers.
Weihnachten 1944, das Fest wenige Tage nach der Bombardierung Ulms, verbrachte Siegfried Unseld in Ulm, das ist bekannt. Bei Kriegsende war er in Flensburg, Anfang 1946 kehrte Unseld nach Ulm zurück, machte nach seinem Not-Abitur in der NS-Zeit noch ein „richtiges Abitur“, wie er es später nannte. Im gleichen Herbst begann der Mann eine Lehre zum Buchhandelsgehilfen beim Aegis-Verlag, dessen Gründer Ernst Bauer erst wenige Monate zuvor, im April, von der amerikanischen Besatzungsmacht die Lizenz zur Verlagsgründung bekommen hatte.
Siegfried Unseld: Ulmer Wurzeln eines Verlagsriesen
Bauer wollte und sollte Bücher verlegen, die für die Demokratie wichtig waren, die Deutschland werden sollte. Ernst Bauer, geboren 1916 in Ulm, hatte Widerstand gegen das NS-System geleistet. Er stand dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands nahe, war gleichzeitig Mitglied im Christlichen Verein Junger Männer und versuchte beide Strömungen miteinander ins Gespräch zu bringen. Über Bauer lernte Unseld wohl jenes Umfeld der Ulmer Persönlichkeiten kennen, die dem NS-System entgegengestanden hatten.
Im Buch „Die hundert Briefe“, das zum 100. Geburtstag von Siegfried Unseld von Ulrike Anders und Jan Bürger herausgegeben wird, und das Briefe des leidenschaftlichen Briefeschreibers Siegfried Unseld aus den Jahren 1947 bis 2002 zusammenfasst, ist auch Korrespondenz mit Ernst Bauer enthalten. Am 5. Oktober um 19.30 Uhr kommt Thomas Sparr vom Suhrkamp-Verlag, der noch mit Siegfried Unseld zusammengearbeitet hat, ins Aegis-Café, stellt diesen Jubiläumsband vor und spricht mit Rasmus Schöll, dem heutigen Inhaber der Aegis-Buchhandlung, und mit Ernst-Joachim Bauer, dem Sohn des Aegis-Gründers Ernst Bauer, über Unselds Ulmer Zeit.
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