Siegfried Geißler meldet sich in seiner Funktion als Geschäftsführer des Fördervereins Auenzentrum und erklärt in einer Mitteilung an die Medien, dass das nächtliche Event „WinterWunderWald“ an zwei März-Wochenenden im Auwald bei Schloss Grünau abgesagt wird. Als Grund gibt er die aktuell sich wieder verschärfende Corona-Lage und die Zunahme von mutierten Covid-Stämmen auch bei uns im Landkreis an. Die lassen den Veranstaltern keine andere Wahl, schreibt er in der E-Mail. Während hinter dieser stark kritisierten Veranstaltung also ein Haken gesetzt werden kann, ist die Diskussion um ein zweites Waldthema einige Kilometer westlich noch im Gange.
Wie Siegfried Geißler erklärt, seien die Veranstalter der Lichtshow trotz der unsicheren Situation in der Pandemie und der wahrnehmbaren Kritik von einer Vielzahl von Sponsoren mit ihren Zuwendungen bei den Vorbereitungen zur Realisierung unterstützt worden. Weit mehr als 1000 Tickets seien bereits im Vorfeld erworben worden. Der Zuspruch zum „WinterWunderWald“ sei gerade in dieser Zeit enorm gewesen. „Es ist daher für uns als Veranstalter und Organisatoren besonders betrüblich, hier jetzt einen Schlussstrich ziehen zu müssen“, endet das Schreiben.
Für die Tierwelt rund um Neuburgs Schloss Grünau wäre die Lichtershow im Auwald grundsätzlich kein Problem
Auf telefonische Nachfrage erklärt Geißler, beruflich Leiter der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt, dass die Absage tatsächlich schade sei. Die wegen der Corona-Pandemie nötig gewordene Verschiebung in den März sei zwar zugegebenermaßen nicht ideal gewesen. Er bleibe aber bei seiner Meinung, dass die nächtliche Lichtershow im Auwald grundsätzlich kein Problem für die Tierwelt rund um Schloss Grünau darstelle.
Was den nach dem gefundenen Kompromiss aus Naturschutzsicht nun doch weiter gesperrten Weg rund acht Kilometer westlich im Englischen Garten angeht, sieht Geißler nichts Verwerfliches an der Maßnahme. „Dass Wege gesperrt werden müssen, ist nichts Neues“, erklärt er. Auch bei einem Weg an der Donau im Brandl sei dies erforderlich gewesen. Es sei ganz einfach nicht verhältnismäßig, so viele für die Vögel und Fledermäuse bedeutende Biotopbäume wegzuhauen, nur damit Leute dort spazieren gehen oder joggen könnten. So aufsehenerregend sei die Sperrung wohl vor allem deswegen, weil sie mit der großen Forstaktion des Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF) zusammengefallen sei.
Förster und CSU-Stadtrat Alfred Hornung hält die Wegsperrung im englischen Garten für "völlig überzogen"
Das sieht Förster Alfred Hornung ganz anders. Dass es so weit komme, dass Leute in einem für sie so bedeutenden Naherholungsgebiet ausgesperrt werden, halte er für „völlig überzogen“. „In entsprechenden Jahreszeiten muss es erlaubt sein, Biotopbäume zu entfernen, von denen es viele Hunderte im Englischen Garten gebe“, sagt der CSU-Stadtrat. Aus Rücksicht auf die Vogelwelt sei es hinzunehmen, dass bis zum Ende der Brutgeschäfte im September der Weg gesperrt bleibe. „Danach muss man ihn aber wieder aufmachen.“ Der Naturschutz würde durch solche Entscheidungen Sympathien verspielen, er müsse sich bewegen und dürfe nicht seine Macht demonstrieren.
Auch für den Fraktionssprecher der Grünen im Stadtrat, Gerhard Schoder, sei es „schwer nachvollziehbar“, warum der Kompromiss, einen der zwei gesperrten Wege wieder zu öffnen, abgelehnt wurde. Natürlich müsse man die Gesetzeslage im Auge haben, aber es müsse doch eine Lösung gefunden werden können. „Wir wünschen uns als Grüne jedenfalls, dass die Wege wieder aufgemacht werden. Natur öffnet schließlich auch die Herzen.“
Für den Englischen Garten in Neuburg ist ein Gesamtkonzept notwendig
Eine gemeinsame Lösung finden, „einen Kompromiss erarbeiten zwischen den Bedürfnissen des Naturschutzes, des Eigentümers und der Bevölkerung“, wie es Günter Krell sagt, das wäre im Interesse aller Beteiligten. Wie Siegfried Geißler und Alfred Hornung sieht der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutzes ein Gesamtkonzept für den Englischen Garten als Basis dafür an, die Belange der Ökologie, der Forstwirtschaft und der Naherholung unter einen Hut zu bringen. Es könne doch nicht sein, dass jeden Tag eine andere Entscheidung gefällt werde, von heute auf morgen zum Beispiel einfach sieben Hektar Wald und Wege gesperrt würden.
Die Stadt, die im Grunde ja nichts zu entscheiden habe, müsste aus seiner Sicht stärker eingebunden werden. Am einfachsten wäre dies, so Krell, wenn sie den Englischen Garten vom WAF erwerben würde. Natürlich wäre dann eine Forstbetreuung nötig. Doch wenn man es ernst meinen würde, wäre das zu stemmen, zumal es ja Stellen gebe, die hierbei helfen würden. Aber Neuburg hätte dann halt auch vieles selbst in der Hand, um dieses so stadtnahe, historisch wertvolle Naherholungsgebiet unter den gegebenen ökologischen Vorgaben, die ein FFH- und europäisches Vogelschutzgebiet mit sich bringen, zu entwickeln. Es gebe viele Städte, die Neuburg um diese Anlage quasi vor der Haustüre beneiden würden, weiß Krell.
Eine Grundlage dafür könnte für Günter Krell die bereits vorliegende Arbeit von Landschaftsarchitektin Prof. Regine Keller sein. Die historischen Wege etwa, von denen es noch zahlreiche gebe, könnten aber durchaus auch jetzt schon wieder freigelegt und erhalten werden.
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