Neuburg: Zwei Jahre nach Zulassung: Warum sich E-Scooter in Neuburg nicht durchsetzen
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Zwei Jahre nach Zulassung: Warum sich E-Scooter in Neuburg nicht durchsetzen
Vor zwei Jahren wurden E-Scooter für den Verkehr zugelassen. In Ingolstadt gehören sie mittlerweile zum Stadtbild. Warum sich die Elektro-Roller in Neuburg dagegen nicht durchsetzen.
Vor zwei Jahren wurden E-Scooter für den Straßenverkehr zugelassen. In Neuburg sind die Elektro-Roller nur vereinzelt zu sehen.Foto: Andreas Schopf
Für die einen ist er eine ökologische und platzsparende Alternative zum Auto, mit der man schnell und einfach von A nach B kommt. Die anderen assoziieren mit ihm Unfälle und ein verschandeltes Stadtbild. Fakt ist: Aus deutschen Großstädten ist der Roller mit Elektroantrieb, auch E-Scooter genannt, nicht mehr wegzudenken. Im Juni 2019 wurde er für den deutschen Straßenverkehr zugelassen. Welche Rolle spielt er zwei Jahre später in Neuburg und was lehrt die Erfahrung von Ingolstadt, wo die Roller schon seit September 2019 im Einsatz sind?
E-Scooter haben sich in Neuburg nicht durchgesetzt
Neuburgs Verkehrsreferent Bernhard Pfahler hat seine Meinung zu den E-Scootern inzwischen geändert. Vor zwei Jahren noch sah er in ihnen eine mögliche „sinnvolle Ergänzung im Nahverkehr“. Heute sagt er: „Das würde ich nicht mehr unterschreiben. Es ist einfach viel zu gefährlich, vor allem wenn Leute damit auf den Gehsteigen fahren.“ Das ist eigentlich nicht erlaubt, zugelassen sind sie nur für Straße oder Fahrradweg.
Ein Blick nach Ingolstadt bestätigt seine Einschätzung. Christian Petz und seine Kollegen von der dortigen Polizeiinspektion haben im vergangenen Jahr 20 Unfälle mit E-Scootern aufgenommen, davon dreizehn mit leichten und vier mit schweren Verletzungen. Die Dunkelziffer sei wahrscheinlich deutlich höher, vermutet der Polizeihauptkommissar.
Woran liegt das? Petz nennt drei Hauptgründe: Erstens sind die Fahrer ungeschützt, es besteht keine Helmpflicht. Zweitens sei die zulässige Höchstgeschwindigkeit mit 20 Stundenkilometern ungewohnt hoch für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer. Drittens spielt auch Alkohol eine Rolle: Sieben der 20 Unfälle fanden unter Alkoholeinfluss statt. Anders als beim Fahrrad, liegt die zulässige Grenze hier wie beim Auto bei 0,5 Promille.
In Ingolstadt stellt die Polizei etliche Verstöße mit E-Scootern fest
Für Petz kann der E-Scooter zwar eine gute Alternative zum Auto sein, die die Umwelt entlastet. Missbrauch und Unwissenheit machen ihn aber skeptisch. „Da sind wir ganz klar gefordert und müssen mehr überwachen.“ Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er deshalb den gesamten Mai über bei Schwerpunktkontrollen jeden Mittwoch besonders auf die E-Scooter geachtet und „etliche“ Verstöße festgestellt, aber auch Aufklärung geleistet.
Seit zwei Jahren sind Stehroller mit Elektromotor, sogenannte E-Scooter, für den deutschen Straßenverkehr zugelassen und vor allem in Großstädten aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Nach der anfänglichen Euphorie fällt ein Zwischenfazit jedoch relativ nüchtern aus.Foto: Silvio Wyszengrad (Symbol)
Vor zwei Jahren noch wurden E-Scooter als wichtiger Baustein einer notwendigen Verkehrswende angekündigt. Mittlerweile fällt ein Zwischenfazit jedoch deutlich nüchterner aus. So sind die Roller laut Umweltbundesamt aktuell kein Gewinn für die Umwelt, da sie derzeit deutlich häufiger das umweltfreundlichere Fahrradfahren oder Zufußgehen ersetzen, statt das umweltschädlichere Autofahren. Davon abgesehen wird oft kritisiert, dass die Roller mit umweltschädlichen Lithium-Akkus betrieben werden und eine enorm kurze Lebensdauer zwischen wenigen Monaten und einem Jahr haben.
In Neuburg gibt es aktuell keine Möglichkeiten, Elektroroller zu leihen. Für Tourismus-Chefin Christiane Dusse mache das auch wenig Sinn: „Wir sind einfach wegen der kurzen Wege und dem Kopfsteinpflaster in der Altstadt nicht prädestiniert dafür.“ Trotzdem hält sie die elektrobetriebenen Roller „für eine schöne Idee“, aber eher für den Tourismus in größeren Städten geeignet. „Zum Beispiel für die weiten Strecken bei der Landesgartenschau.“ Wer in Neuburg mit ihnen unterwegs sein will, muss sie in der Regel für mehrere Hundert Euro selbst kaufen, zum Beispiel im Bikemarkt von Thomas Dostal. Er hatte mit Straßenverkehrszulassung drei Modelle auf Lager – mittlerweile ist es nur noch eines. Anders als bei E-Bikes sei hier die Nachfrage recht gering, sagt Dostal.
Kein E-Scooter-Verleih in Neuburg
Wer die Roller selbst kauft, muss sie in der Regel auch selbst versichern. Genau das ist aber laut Franz Sailer von der Neuburger Polizei ein Problem. Bei einer Höchstgeschwindigkeit bis 20 Stundenkilometer müssen sie versichert werden – inklusive Kennzeichen – darüber gelten sie nicht mehr als E-Scooter. „Wir stellen in Kontrollen immer wieder fest, dass das vielen nicht klar ist“, sagt der Verkehrsreferent. Demnach begeht jeder, der ohne Versicherungsschutz fährt, eine Straftat.
In Ingolstadt betreibt die Firma Tier Mobility GmbH nach Angaben der Stadt seit September 2019 circa 300 Roller, die an verschiedenen Stellen ausgeliehen und gegen eine Grundgebühr von einem Euro plus einem Minutenpreis von 19 Cent geliehen werden können. Bezahlt wird üblicherweise per Kreditkarte oder Paypal. Aktuell laufen laut dem Pressesprecher der Stadt, Michael Klarner, Gespräche mit zwei weiteren Anbietern. „Das ist ein dynamischer Markt, aber natürlich stellt sich auch die Frage, wo die Grenze ist“, sagt er. Jeden Tag sehe er vor allem junge Leute und Studenten, die mit den Rollern durch Ingolstadt fahren.
Neuburg: Verkehrsreferent ist kein Freund der Elektro-Roller
Ein bekanntes Problem ist, dass die Roller vielerorts das Stadtbild verschandeln und Anwohner verärgern, da sie nicht ordnungsgemäß abgestellt, sondern als Stolperfallen kreuz und quer auf Gehwegen abgelegt oder in Gebüschen entsorgt werden. In Augsburg hat die Feuerwehr vor Kurzem zwölf E-Scooter aus dem Senkelbach gefischt. In Ingolstadt ist das dagegen aktuell kein Problem. „Man kann es nicht leugnen, dass sich Bürger beschweren, aber es hält sich schon in Grenzen“, sagt Pressesprecherin Ingrid Schmutzlar. Ihr Kollege Klarner verweist dabei auf die Möglichkeiten, bestimmte Sperrzonen zu programmieren, in denen die Roller weder gefahren noch geparkt werden können. Dadurch könne Unfällen und Missbrauch vorgebeugt werden.
In Neuburg werden dagegen wohl in absehbarer Zeit keine Roller mit Elektromotor zum Verleih stehen. Weder seitens der Stadt, noch seitens Tier Mobility gibt es entsprechende Pläne. „Es wäre wünschenswert, wenn das auch so bleibt“, sagt Verkehrsreferent Pfahler.