Große Brände, Überschwemmungen, Cyberangriffe und lange Stromausfälle bis hin zu Pandemien: All das sind Risiken und Herausforderungen, denen die Menschen zunehmend ausgesetzt sind. Nicht nur Großstädte müssen sich dafür rüsten, sondern auch ländliche Kommunen wie Karlshuld. Schon seit Längerem beschäftigt sich die Donaumoosgemeinde mit dem Thema Katastrophenschutz und Risikomanagement und stellt sich dabei Fragen wie: Welche Risiken sind vor Ort am wahrscheinlichsten? Mit welchen Maßnahmen kann langfristig vorgesorgt werden? Und vor allem: Wie bezieht man als Kommune seine Bürgerinnen und Bürger mit ein und bereitet sie vor? Karlshuld will Antworten geben und damit Vorreiter im Landkreis sein.
Noch in diesem Jahr will Karlshuld mit einem Pilotprojekt an den Start gehen und Vorsorgekurse anbieten, „denn wir müssen die Bevölkerung ins Boot holen, ohne geht es einfach nicht“, sagte Bürgermeister Michael Lederer (FW) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Seit Oktober vergangenen Jahres tagt regelmäßig eine kleine Gruppe, die sich mit der Notwendigkeit und Umsetzung eines Risikomanagements in Karlshuld auseinandersetzt. „Wir haben eine Analyse gemacht, was am wahrscheinlichsten auf uns in Karlshuld zukommen könnte – ein Blackout, also ein großflächiger Stromausfall.“
Der nächste Schritt war die Festlegung sogenannter Katastrophen-Schutz-Leuchttürme: Feuerwehrhäuser in Karlshuld und Grasheim wären wichtige Stützpunkte und das Rathaus die zentrale Stelle für Krisenstab, Verwaltung und Kommunikation. Ferner soll in allen Ortsteilen auch ein Leuchtturm für die Bürger integriert werden, „wo es etwa eine Wärmeinsel gibt, Notstrom, eine Wundversorgung und Medikamentenausgabe sowie eine Kinderbetreuung“, so Lederer. Eine solch zentrale Anlaufstelle könnte man in der Schule oder der Turnhalle einrichten.
MKD bringt Vorsorgekurse für Szenarien wie Stromausfall nach Karlshuld
Was aber über all dem stehe, sei eines: „Die Aufrechterhaltung der Kommunikation, vor allem dann, wenn das Handynetz zusammenbricht“, sagte der Bürgermeister. So sei man hier bereits verstärkt im Austausch mit den Amateurfunkern. „Und wenn wir resilient sein wollen mit Blick auf Risiken, dann brauchen wir nicht nur unsere Einsatzkräfte wie Feuerwehr und BRK, sondern auch die Bevölkerung, die ist ein elementarer Krisenbaustein.“
Und um diesen zu festigen, sei über Gemeinderat und Landtagsabgeordneten Roland Weigert (FW) ein hilfreicher Kontakt zum Medizinischen Katastrophen-Hilfswerk Deutschland (MKD) entstanden. Der wiederum bietet Vorsorgekurse für Bürger, insbesondere auch für ehrenamtliche Einsatzkräfte, Gemeinderäte, Verwaltungsmitarbeiter und Lehrer an. „Nur wer ein sicheres Zuhause hat, ist bereit, anderen zu helfen“, sagte Lederer. Und genau ein solcher Kurs soll noch heuer in Karlshuld angeboten werden, und zwar am 11. Juli.
Die Kurse, die jeweils von 9 bis 17 Uhr dauern, beinhalten nicht nur Impulsvorträge, Praxisübungen und Demonstrationen, sondern auch Erfahrungsaustausch und die Nutzung realer Beispiele aus dem Bevölkerungsschutz. All das wird in einzelnen Stationen vermittelt. Ziel ist am Ende, dass die Teilnehmer nicht nur typische Krisensituationen besser einordnen können, sondern etwa auch wissen, wie sie sich im Brandfall richtig verhalten. Sie lernen in Notzeiten Vorräte anzuschaffen, ohne Strom zu kochen und Trinkwasser zu gewinnen. Es geht um Erste Hilfe bei Notfällen, aber auch darum, wie vertrauenswürdige Informationen erkannt werden und wie man diese weiterkommuniziert.
Weigert spricht sich für zusätzliche Veranstaltungen zur Krisenvorsorge aus
Gemeinderat Reinhard Schläfer (FW) war bereits bei einem dieser Kurse in Rosenheim und berichtete ausführlich von seinen Erfahrungen in der Sitzung des Gemeinderats. Sein Fazit: „Es war wirklich alles sehr interessant und hilfreich – und diese Kurse waren binnen kürzester Zeit ausgebucht.“
Marina Eibl (CSU) habe sich in ihrem Bekanntenkreis umgehört und „mit Erschrecken festgestellt, dass einfach gar kein Bewusstsein dafür da ist“. Das müsse sich zwingend ändern. Dem schloss sich auch Weigert an, „und aus meiner Sicht braucht es mehr Veranstaltungen wie diese, dem sich am Ende auch der Landkreis annehmen sollte“. Man müsse eine Grundbefähigung der Bevölkerung herstellen, damit diese für entsprechende Szenarien gerüstet sei, „eine Art Daseinsvorsorge für die eigenen Bürger“, so Weigert.
Der einfachste Weg etwa einer Sabotage sei ein Blackout. „Dann geht nichts mehr, keine Tankstelle, kein Bankautomat, einfach nichts.“ Und Schläfer ergänzte, dass der Gemeinderat irgendwann nicht mehr helfen könne und jeder auf sich gestellt sei. „Umso besser ist es dann, wenn du in einer solchen Stresssituation weißt, was zu tun ist.“
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