Das Schreiben hatte im Herbst vergangenen Jahres für eine Mischung aus Entsetzen und Ungläubigkeit bei aktuellen und ehemaligen Mieterinnen und Mietern des Ingolstädter Einkaufszentrums Westpark gesorgt: Sie sollten innerhalb weniger Wochen Heizkosten für die vergangenen 20 Jahre nachzahlen. Die Forderungen gingen dabei teils in die Millionen.
Ein Friseur im Westpark sollte 1,5 Millionen an Heizkosten nachzahlen
So sollte der Betreiber eines Fitnessstudios mehr als 1,5 Millionen Euro zahlen, die Rechnung eines Friseurs belief sich auf 100.000 Euro. Mehrere Betroffene hatten daraufhin einen Anwalt eingeschaltet, selbst Oberbürgermeister Christian Scharpf hatte den Händlerinnen und Händlern seine Unterstützung zugesagt. Folgen hatte das Ganze auch für den Chef des Einkaufszentrums, das einer Tochter der Edeka Südbayern gehört: Centermanager Frank Hausschmid wurde kurz nach Bekanntwerden der horrenden Heizkostenforderungen freigestellt.
Nach mehr als einem halben Jahr hat sich die Aufregung inzwischen gelegt. Die Verantwortlichen des Westparks hatten bereits Anfang Oktober 2022 angekündigt, Gespräche mit den Mieterinnen und Mietern führen zu wollen, "um gemeinsam Lösungen für die Heizkostenabrechnung zu erarbeiten". Diese Gespräche sind bislang nicht abgeschlossen, sodass eine Entscheidung, ob und welche Summe an Heizkosten gezahlt werden muss, immer noch aussteht.
Weder der Westpark noch die Mieter wollen sich zu den Inhalten der Gespräche äußern
Aktuell will sich niemand zum Stand der Verhandlungen äußern. "Wir können bestätigen, dass die Mietergespräche generell konstruktiv verlaufen", sagt Bettina Dormeier vom Centermanagement. Auf die Inhalte will sie nicht näher eingehen, genauso wenig wie die Betroffenen. Diese verweisen auf ihren Anwalt Tobias Kriegl. Der Ingolstädter Fachanwalt für Mietrecht vertritt fünf Mieter aus dem Westpark und ist davon überzeugt, bald eine Einigung zu erzielen: "Die Parteien sind zuversichtlich, in Kürze eine Lösung zu finden." Er bestätigt, dass es mit jedem einzelnen Betroffenen bislang mindestens ein Gespräch seitens des Westpark-Managements gegeben habe.
Während im Hintergrund die Gespräche laufen, gibt es innerhalb des Westparks mit seinen 146 Shops auch sichtbare Veränderungen. Einige Geschäfte haben in den vergangenen Monaten das Einkaufszentrum verlassen, neue haben ihre Eröffnung angekündigt. Und auch einige Leerstände gibt es aktuell. So ist der ehemalige Schuhladen Tamaris bereits komplett leer geräumt, im Schaufenster hängt noch ein großes Plakat mit "Sale" – Ausverkauf. Das "Räumungsfinale" ist auch beim Juwelier Elfinger-Zellner eingeläutet. Am 31. März schließt der Shop im Westpark, wie Aushänge im Laden sowie Ankündigungen in den sozialen Medien zeigen. Allerdings steht auch eine Neueröffnung an. Das Tattoo- und Piercingstudio Farbeffekt wird im April eine Ladenfläche im Westpark beziehen.