Noch immer stehen zahlreiche Kerzen in der Nähe des Ingolstädter Westparks und erinnern an einen schrecklichen Unfall, bei dem am 15. März dieses Jahres, kurz vor Mitternacht, ein 18-Jähriger aus dem Kreis Eichstätt gestorben ist. Der junge Mann war Beifahrer in einem Auto, dessen gleichaltriger Fahrer kurz hinter dem Ortsschild nach links auf das Parkdeck des Ingolstädter Westparks abbiegen wollte, als er mit dem Fahrzeug einer entgegenkommenden Autofahrerin zusammenstieß. Die 23-jährige Frau, so heißt es später im Polizeibericht, war „laut Zeugenaussagen mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit“ stadtauswärts unterwegs. Noch ermittelt die Staatsanwaltschaft zur genauen Unfallursache. Näheres zum Stand der Ermittlungen gibt es aktuell seitens der Behörde nicht.
Nach einem tödlichen Unfall in Ingolstadt wird ein stationärer Blitzer gefordert
Dieser tragische Unfall ist der Grund, weshalb nur drei Tage später eine Online-Petition gestartet wurde. Das Ansinnen: Am Westpark soll ein stationärer Blitz installiert werden, um solche Unfälle zu verhindern. „Es gab schon vor Jahren öfters Beschwerden bei der Polizei, dass am Westpark gerast wird, doch es wurde nie was dagegen gemacht“, schreibt der Initiator aus Neuburg. „Das muss sich endlich mal ändern!“ Inzwischen haben über 1800 Menschen unterschrieben. Vor einigen Tagen ist die Petition erweitert worden: Als Alternative zu einer Blitzeranlage seien auch Fahrbahnschwellen denkbar, heißt es.
Das Areal um den Westpark hat die Polizei schon seit einiger Zeit im Fokus, berichtet Christian Petz, Verkehrssachbearbeiter bei der Ingolstädter Polizeiinspektion. Regelmäßig trifft sich dort die Tuningszene, die laut Petz in der Größenordnung allerdings keineswegs vergleichbar ist mit der Situation in manchen Orten im südlichen Bayern oder gar in München. Röhrende Auspuffe, quietschende Reifen, aufheulende Motoren und blank polierte Karosserien gehören dennoch insbesondere an Sommer-Wochenenden, oft in den Abendstunden, zum Straßenbild.
Polizisten kontrollieren in Ingolstadt regelmäßig die Tuning-Szene
Genauso wie der Lärm auf den Straßen rund um den Westpark, wenn die Fahrer ihre hochmotorisierten Boliden innerhalb kürzester Zeit beschleunigen und dann wieder abrupt abbremsen. „Fast täglich“, sagt Petz, seien Zivilbeamte der Polizei im Westen der Stadt im Einsatz, „gegen die Tuningszene wird regelmäßig massiv vorgegangen“. Immer wieder würden die Beamten Fahrzeuge aus dem Verkehr ziehen, wenn sie nicht den technischen Vorgaben entsprechen. Auffällige Autos und Personengruppen werden kontrolliert, sagt Petz. Doch die Polizei kann nicht generell einschreiten, denn die Treffen finden auf dem Privatgelände des Westpark statt.
Lärm, Verschmutzungen, illegal aufgemotzte Autos - mit all dem hat es die Polizei am Westpark rund um die Tuningszene zu tun. Womit es hingegen kaum Probleme gibt, sind schwere Unfälle aufgrund von Raserei, sagt Petz: „Mir ist kein einziger Unfall mit Tuning-Beteiligung bekannt.“ Ob der tödliche Unfall im März im Zusammenhang mit der Szene steht, wollte die ermittelnde Staatsanwaltschaft nicht bestätigen. Kurz nach dem Unfall hieß es jedenfalls, dass es zunächst keine Hinweise darauf gegeben habe. Bei den beteiligten Autos hat es sich offenbar um Serienfahrzeuge gehandelt.
Wenn es am Westpark - unabhängig von der Tageszeit - kracht, dann liegt es meistens daran, dass einer der Fahrer beim Abbiegen nicht aufgepasst hat. Zumeist bleibt es dann aber bei Blechschäden oder leichten Verletzungen. Ein tödlicher Unfall, der sich vor zwei Jahren dort ereignet hat, sei auf einen Vorfahrtsfehler zurückzuführen und nicht auf Raserei, erklärt Petz.
Aus der Sicht des Beamten ergibt sich deshalb kein Anlass, um an dieser Stelle einen stationären Blitzer einzurichten. Denn der Zweck eines solchen sei die Vermeidung von Verkehrsunfällen wegen zu hohen Tempos - und die treten an dieser Stelle eben nicht gehäuft auf. „Seitens der Polizei ist eine Messanlage nicht sinnvoll“, sagt Petz. Doch die Unfallkommission, in der Vertreter der Stadt und der Polizei sitzen, berät dennoch aktuell darüber, ob und welche Maßnahmen an dieser Stelle hilfreich sein könnten.
In Ingolstadt gibt es drei feste Blitzeranlagen
Bislang gibt es in Ingolstadt drei feste Blitzanlagen, und zwar jeweils an Kreuzungen viel befahrener Straßen, die sich als Unfallschwerpunkte herauskristallisiert haben. Es handelt sich um sogenannte Red-and-Speed-Anlagen, die sowohl blitzen, wenn jemand über eine rote Ampel fährt, als auch dann, wenn zu schnell gefahren wird. Die Anlagen stehen in der Nähe des Hauptbahnhofs, an der Kreuzung Manchinger Straße/ Eriagstraße sowie nicht weit vom Westpark, an der Kreuzung von Permoser Straße und Richard-Wagner-Straße. Seit sie aufgestellt sind, „gibt es dort kaum mehr Unfälle“, bilanziert Petz. Gerade die letzte Anlage habe durchaus auch Auswirkungen auf die Geschwindigkeiten rund um den gesamten Westpark.
„Wir geben unser Bestes da draußen“, sagt Petz. Dass das nicht immer leicht ist, weiß auch er. Denn die Polizei will genau die ein bis zwei Prozent aller Verkehrsteilnehmer herausfischen, die sich nicht an die Regeln halten: „Da muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.“ Ein stationärer Blitzer könne diese Aufgabe allein nicht ersetzen. Denn ein solcher Einsatz hat auch Folgen: Die Daten aus der Messanlage müssen ausgewertet und die Bußgeldeingänge überprüft werden.
Im Audi-Kreisel am Westpark gilt bereits seit Dezember vergangenen Jahres ein Tempolimit mit 30 km/h. Weil sich in diesem Bereich die Unfälle, bei denen Personen verletzt worden sind, innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt haben - von fünf im Jahr 2023 auf elf im Jahr darauf - wurde das Tempolimit eingeführt. Alle zwei Wochen gibt es dort inzwischen auch Geschwindigkeitskontrollen, berichtet Petz. Für eine Bilanz sei es nach gut vier Monaten aber noch zu früh.
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