Im Neuburger Kongregationssaal waren Jubel und Applaus zu hören, als klar wurde, wer die beiden Stellvertretenden von Oberbürgermeister Gerhard Schoder (Grüne) werden. In einer Stichwahl bei der konstituierenden Sitzung am Dienstag hatte sich Helena Schlusnus (SPD) gegen ihren Mitstreiter Peter Segeth (CSU) durchgesetzt und ist nun dritte Bürgermeisterin. Als neuer und alter zweiter Bürgermeister war zuvor Johann Habermeyer (FW) bestätigt worden. Die Stimmung nach der Stichwahl war ausgelassen, fast wirkten Stadträte und Gäste erleichtert. Doch wie denken Menschen außerhalb der Rathausmauern über die Entscheidung, dass jetzt eine Frau zur Stadtspitze gehört?
Die Entscheidung bringt Hoffnung für die Stadt
„Da so viele Frauen in den Stadtrat gewählt worden sind, finde ich die Wahlentscheidung nur fair“, sagt Bogna Dreyer. 40 Stadträte hat Neuburg in der kommenden Amtsperiode. 19 Plätze des gewachsenen Gremiums werden von Frauen besetzt. Den Trubel um die Stellvertreterposten habe die 45-Jährige mitbekommen. Gut finde sie den Einsatz anderer Stadträtinnen, eine Frau in das Bürgermeisterteam bringen zu wollen. Von der Wahl erhofft sie sich, „dass es für die Stadt besser läuft.“ Frauen würden Themen wie Familie, Kultur und „Stadt-Erleben“ anders angehen, sagt Dreyer. „Mit mehr Weitblick.“
Unter den Zuschauenden, die am Dienstag die Entscheidung im Kongregationssaal mitverfolgt haben, war auch Sandy De Klerk. Sie freut sich über den Ausgang der Stichwahl. „Das ist so super für Neuburg“, sagt sie. „Wir sind so happy.“ Ähnlich positiv zeigte sich auch Katharina Diery. „Ich finde es gut, wenn Frauen auch in Führungspositionen sind“. Sie hofft, dass die Politik mit einer Frau an der Spitze „familienfreundlicher wird“.
In Neuburg weht ein „frischer Wind“
Eine Frau an der Spitze könne „andere Interessen und Belange der Bevölkerung aufgreifen“, sagt Arek Skierski. Dem 47-Jährigen gefällt, dass mit dem neu gewählten Stadtrat in der Neuburger Politik „ein frischer Wind herrscht“. Auch den größeren Anteil von Frauen im Stadtrat begrüßt er. Bei der Sitzung am Dienstag wurden neben der Wahl der OB-Stellvertretenden auch Gerhard Schoder selbst und die Mitglieder des Stadtrats vereidigt.
Negative Äußerungen über die Wahl einer Frau an die Neuburger Stadtspitze sind einen Tag nach der Entscheidung nicht zu finden. „Ich finde das gut und bin nicht dagegen“, sagt Aboud Loli. So sieht es auch Isabell. „Gleiches Recht für alle“, sagt die 58-Jährige. Schon seit vielen Jahren lebt sie in Neuburg. Sie glaubt, die Wahlentscheidung könne „mehr Veränderung für die Stadt“ bringen.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren