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Antikörpertests in Nördlingen nach Verdacht auf Impfbetrug in Wemding

Nördlingen/Wemding

Verdacht auf Impfbetrug in Wemding: "Schock" unter den Patienten

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    Vor Ort sind am Montag insgesamt 25 Patientinnen und Patienten, mehr als zwei Dutzend Polizisten des Polizeipräsidiums Schwaben Nord sowie Ermittler der Kriminalpolizei Dillingen.
    Vor Ort sind am Montag insgesamt 25 Patientinnen und Patienten, mehr als zwei Dutzend Polizisten des Polizeipräsidiums Schwaben Nord sowie Ermittler der Kriminalpolizei Dillingen. Foto: Verena Mörzl

    Nach der Razzia in einer Wemdinger Hausarztpraxis und dem Verdacht des Impfbetrugs haben am Montag im früheren Nördlinger Impfzentrum die Antikörperbestimmungen begonnen. Schon lange vor 9 Uhr bildet sich vor dem Eingangsgebäude in der Nürnberger Straße eine lange Schlange. Dort warten mindestens 20 Patienten, die feststellen wollen, ob sie eine wirksame Impfung verabreicht bekommen haben oder nicht. Sie berichten von „verlorenem Vertrauen“, „Schock“ und „Unsicherheit“. Eine Rieserin erzählt von ihrer Impfung bei dem Wemdinger Hausarzt: „Das erste, was mich stutzig gemacht hat, war, dass er nicht in den Muskel im Oberarm geimpft hat, sondern in das Fett über dem Hintern.“

    Was ist bislang bezüglich des Betrugs-Verdachts bei Corona-Impfungen bekannt?

    Was ist bislang bekannt? Die Kriminalpolizei Dillingen hat unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft Augsburg am Mittwoch die Arztpraxis und Privaträume des Mediziners in Wemding durchsucht. Das Landratsamt Donau-Ries teilt schließlich am Freitag mit: „Es besteht der Verdacht, dass es zu Unregelmäßigkeiten im Rahmen von Impfungen gegen das Covid-19-Virus“ durch den Mediziner gekommen ist. Und: „Aufgrund der laufenden Ermittlungen besteht die Gefahr, dass bei dort geimpften Patienten kein ausreichender Impfschutz besteht.“ Die Staatsanwaltschaft in Augsburg könne wegen der Ermittlungen noch keine konkreten Angaben machen, Sprecher Oberstaatsanwalt Andreas Dobler sagt: „Wir stehen ganz am Anfang.“ Es habe auch keine Festnahme gegeben.

    Impfzentrum Nördlingen:  Schlangestehen für den Antikörpertest von Patienten des Wemdinger Hausarzts Holst.
    Impfzentrum Nördlingen: Schlangestehen für den Antikörpertest von Patienten des Wemdinger Hausarzts Holst. Foto: Verena Mörzl

    Das Landratsamt Donau-Ries nannte am Freitag den Namen des Mediziners Dr. Gerhard Holst, um die Patienten vor einer möglichen unwirksamen Impfung zu warnen. Am Sonntag rief die Behörde die Patienten zu einer Antikörperbestimmung auf. Die erste von drei Reihentestungen mit Unterstützung des BRK Nordschwaben findet dazu am Montagvormittag statt. Drei weitere sind am Mittwoch, 6. Oktober (9 bis 17 Uhr), und am Freitag, 8. Oktober (9 bis 12.30 Uhr), im ehemaligen Impfzentrum in der Nürnberger Straße geplant.

    Polizisten sichern am Montag die Antikörperreihenbestimmungen in Nördlingen

    Vor Ort sind am Montag insgesamt 25 Patientinnen und Patienten, mehr als zwei Dutzend Polizisten des Polizeipräsidiums Schwaben Nord sowie Ermittler der Kriminalpolizei Dillingen. Sie tragen das Testmaterial in die beleuchteten Räume, während mehr und mehr Patienten aus ihren Autos stiegen. Irgendwann mussten sie sogar auf dem Parkplatz des benachbarten Baumarkts parken. Die Patienten wurden von den Polizisten auch befragt.

    Ein älteres Ehepaar ist auf dem Weg zur Warteschlange. Die Ehefrau hält ihren Impfpass bereits in der Hand. Sie seien verunsichert, schildern die beiden und hoffen auf „das Beste“. Ein älterer Herr wartet auf seine Ehefrau. Der Wemdinger hat sich im Impfzentrum in Donauwörth impfen lassen, seine Frau habe dort auch einen Termin bekommen. Weil sie aber nicht so weit fahren wollte, habe sie sich in der Hausarztpraxis impfen lassen, erzählt ihr Mann. „Das Vertrauen ist weg“, sagt er und spricht von einem Schock. Dass die Antikörperreihentestung nun in Nördlingen stattfinde, hält er für gut. Das Paar sei seit Mittwoch wie auf Kohlen gesessen.

    Biontec sollte geimpft werden, aber der AstraZeneca-Sticker kam ins Impfheft

    Die Rieserin, die sich bereits darüber wunderte, dass sie nicht in den Oberarm geimpft wurde, berichtet noch weitere Dinge, die ihr merkwürdig vorgekommen sind. So habe sie sich eigentlich mit Biontech impfen lassen wollen, in ihr Impfheft aber wurde ein Aufkleber von Astrazeneca geklebt. Sie habe in der Wemdinger Praxis angerufen und den richtigen Nachweis verlangt, schildert sie weiter. Bei der zweiten Impfung habe sie dann den Biontech-Aufkleber erhalten. Sie berichtet außerdem, dass sie nach der Impfung nicht habe warten müssen. Vergangene Woche schließlich habe sie über einen Kunden ihres Mannes erfahren, was dem Wemdinger Hausarzt vorgeworfen werde. „Das ist die Härte. Ich habe keine Worte dafür. Ich fühle mich betrogen“, sagt sie und hofft nun, dass sie trotz des Verdachts über einen vollständigen Impfschutz verfügt. Sie sei lange Zeit Patientin in Wemding gewesen, aber nicht oft dort gewesen. „Was mich bei ihm gestört hat: Er hat immer wieder vom Dritten Weltkrieg gesprochen und dass die Russen kommen würden“, sagt sie, und geht langsam weiter am Gebäude entlang in Richtung Warteschlange.

    Der BRberichtet von einer Frau, zu der der Arzt gesagt haben soll: "Wenn ich Sie damit impfe, dann könnten Sie morgen tot sein." Außerdem soll er die Frau gefragt haben, welche Art von Sarg sie wolle, schreibt der BRam Montag. Einige würden aber auch von einem vertrauensvollen Arzt sprechen.

    Das Landratsamt Donau-Ries will am Dienstag in einer Pressekonferenz weitere Informationen bekanntgeben. Patienten werden weiterhin darauf hingewiesen, „dass bis zur Abklärung des tatsächlich vorhandenen Impfschutzes davon auszugehen ist, dass der Nachweis einer vollständigen Covid-19-Impfung nicht gültig ist und daher nicht verwendet werden darf.“ Sollte der Impfnachweis dennoch verwendet werden, können strafrechtliche Konsequenzen drohen. Das Landratsamt hat für betroffene Bürger eine Hotline freigeschaltet (0906/74443).

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