„Make Heimat Great Again“ lautet der genauso provokante wie missverständliche Titel der unlängst „erfolgreich verteidigten“ Doktorarbeit der Nördlingerin Dr. Barbara Wunder. In der Stadtbibliothek referierte sie jetzt, zusammen mit der Kulturwissenschaftlerin und Unternehmerin und Theresa Ulbricht, über den mehr oder weniger inflationären Gebrauch des Begriffs Heimat. Zahlreiche Besucher, bunt gemischt, hatten sich auf Einladung von Bibliothekschefin Katrin Häffner eingefunden und diskutierten am Schluss munter mit.
Denn anders als der Arbeits-Titel vermutet, setzte sich Barbara Wunder eher kritisch mit dem Heimat-Begriff auseinander. Im Jahr 2020 hat sich die jetzt promovierte Geowissenschaftlerin (Dr. rer. nat.), Regionalmanagerin (MBA) und Sozialpädagogin (B.A.) erstmals mit dem Thema auseinandergesetzt und bis zu ihrer Dissertation fünf Jahre lang geforscht. „Heimat wird benutzt“ ist ihr Fazit. Dabei stellte sie natürlich auch die Frage, ob „Heimat“ ein typisch deutsches Wort ist, das zuvorderst Freiheit, Sicherheit und Zugehörigkeit suggeriert. Und gerade deshalb so attraktiv ist für „Verführer“ aller Couleur.
Vortrag in Nördlingen: Wie der Heimat-Begriff die Demokratie gefährden kann
Ob es nur die Politik ist, die nicht nur in Bierzeltreden den Begriff inflationär für sich besetzt: vom Heimatministerium bis hin sogar zum Parteinamen: Die als gesichert rechtsextrem geltende NPD hat sich 2023 in „Die Heimat“ umgenannt. Oder ob es Werbung und Marketing sind, die sich genauso „gewinnbringend“ an dem Thema bedienen. Genau das macht, so Wunder, den Begriff so gefährlich: bewusst „deutsch“, bewusst bayrisch und - mehr noch - bewusst ausgrenzend eingesetzt, gefährde der missbräuchliche Gebrauch unsere Demokratie.
Nach fünf Jahren Forschung ist sich Barbara Wunder sicher, dass der Begriff, gedankenlos übernommen, nur konservativ, ausschließend und „volkstümelnd“ wahrgenommen wird. Sie wünscht sich deshalb „den Begriff neu zu definieren, offen, inklusiv, vor allem auch anderen Religionen, Menschen und Lebensverhältnissen gegenüber“. Theresa Ulbrichts Referat über „Horst und Hetze“ begann zunächst mit dem Hinweis auf Pierre Bourdieus Habitus-Theorie. Sie zeigt, wie unsere Herkunft und unsere Lebensumstände unser Denken, Fühlen und Handeln prägen, meist unbewusst und meist lebenslang. Sie forderte auf, angelehnt an den Begriff Heimat, sogenannte kulturelle Codes, Normen, die wir alle unbewusst übernehmen, grundsätzlich zu überdenken. Dazu zählte sie auch „ungeschriebene Gesetze“ und übernommene Rollenbilder. „Kultur ist das, was wir tun, ohne darüber nachzudenken“, sagte sie abschließend.
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