Es ist ein Vorzeige-Hof in ganz Nordschwaben geworden – da sind sich die Redner am Sonntag auf dem neuen Recyclinghof an der Aumühle in Nördlingen sehr einig gewesen (hinter dem E-Center, An den Langenwiesen). Der Abfallwirtschaftsverband Nordschwaben (AWV) hatte zum Tag der offenen Tür und zur Schlüsselübergabe mit Landrat Stefan Rößle und Oberbürgermeister David Wittner geladen. Der neue Wertstoffhof ist offiziell zwar bereits seit Juli 2025 in Betrieb und provisorisch seit Februar 2023 – doch die Abnahme der Außenanlagen und Grünflächen fand erst vor Kurzem statt. „Jetzt ist er wirklich fertig“, stellte AWV-Werkleiterin Emma Christa mit Nachdruck fest.
Unter den Gästen fanden sich AWV-Verbandsräte, Mitarbeiter, Containerpaten, die ehrenamtlich wilde Müllablagerungen an den Containerstationen beseitigen, und die Partner-Entsorgungsfirmen Böhm, Fisel, Hörger und Jilka. Emma Christa stellte den neuen Hof vor: Das Grundstück umfasst 5,7 Hektar (früheres Möbel-Höhn-Gelände). Die Investitionssumme lag bei acht Millionen Euro. Beim Bau, dessen größte Gewerke die Firmen Eigner und Eireiner ausführten, wurde auf Nachhaltigkeit geachtet. Beispielsweise befinden sich 1198 Photovoltaikmodule auf den Dächern: für die Direkteinspeisung (500 kWp) und für den Eigenverbrauch (20 kWp).
Neuer Recyclinghof in Nördlingen: Lehrpfad bringt Fakten zum Mülle nahe
Neben den Containern für Wertstoffe gibt es auch eine Bauschutthalle, einen Kompostierbereich und eine Grünsammelstelle; aus Astmaterial werden Hackschnitzel hergestellt. Altkleider werden umgeschlagen und können auch abgegeben werden. Bei den Containern gibt es drei Fahrspuren, sodass sich der Verkehr nicht staut. Modern ist auch der Innenbereich für die Mitarbeiter: Büro- und Schulungsraum, Umkleiden und Sanitäranlagen, Küche und Sozialraum.
Eine Neuheit ist im Freien der Lehrpfad mit Tafeln und Objekten, wo künftig Grundschulklassen an Führungen teilnehmen können. Man erfährt dort, dass ein in den Wald geworfener Autoreifen 2000 Jahre benötigt, bis er sich zersetzt, Glasflaschen 5000 Jahre. Schülerinnen und Schüler des THG und der Realschule Maria Stern engagierten sich außerdem mit dem Bau zweier Bienenhotels. Ebenfalls neu ist der Raum „Zweite Chance“, mit Gegenständen zum Tauschen und Verschenken. Bürgerinnen und Bürger können dort gebrauchte Gegenstände wie Bücher, CDs oder Blumentöpfe abgeben und mitnehmen (keine Möbel oder Elektrogeräte).
Landrat Stefan Rößle betont die Bedeutung von Recycling
Landrat Stefan Rößle hob zum Thema nachhaltiges Bauen ergänzend die naturnahen Baustoffe (unbehandeltes Holz) hervor und dass im Falle eines Rückbaus die Stoffe sortenrein getrennt werden können. „Es ist der modernste Recyclinghof, den wir haben“, sagte er. Technologisch sei beim Recycling zudem „noch viel Zukunft und Potenzial“ da. Es sei derzeit nämlich nicht so, dass alles, was an Abfällen abgegeben werde, zu 100 Prozent recycelbar sei. Neuerungen gebe es etwa bei Elektroschrott und Batterien. Die Entwicklung gehe dahin, dass immer mehr unterschiedliche Müllsorten gesammelt würden, was auch spezielle Schulungen der Mitarbeiter erfordere. „Es wird sich mehr auf große Höfe verlagern“, meinte Rößle hinsichtlich der Entsorgung spezieller Abfallsorten.
Oberbürgermeister David Wittner zeigte sich stolz über den neuen Hof. „Abfallwirtschaft klingt nicht unbedingt sexy, aber sie ist ein zentraler Bestandteil moderner Daseinsvorsorge“, brachte er es auf den Punkt und erklärte, warum ein moderner Recyclinghof wichtig ist: als Infrastruktureinrichtung für einen funktionierenden kommunalen Alltag und auch als immer wichtiger werdender Baustein für Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Klimaschutz – sowie für die Kreislaufwirtschaft.
Neuer Recyclinghof wurde nötig, weil Varta mehr Platz braucht
Architekt Helmut Guckert vom Büro Moser und Guckert ging in seiner Rede auf die Schritte von der Planung bis zur Umsetzung ein. Er erklärte, dass man versucht habe, möglichst einfach zu bauen. Besonderheiten seien zudem die tiefergelegten Container und die komplette Überdachung. Der neue Recyclinghof wurde nötig, weil die Firma Varta mehr Platz benötigte und das frühere Wertstoffhof-Grundstück in der Fritz-Hopf-Straße haben wollte. Ein Quartett der Knabenkapelle verlieh den Ansprachen und der Schlüsselübergabe einen festlichen Charakter. Die Aktion Hoffnung veranstaltete außerdem einen Trachten-Second-Hand-Verkauf. Für die Besucher gab es noch Messwürste und Getränke und für die Kinder Spielstationen.
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