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Großbritannien

08.01.2020

Harry und Meghan wollen keine Royals mehr sein

Wollen in Zukunft einen Großteil ihrer royalen Verpflichtungen aufgeben: Prinz Harry und Herzogin Meghan.
Bild: Daniel Leal-Olivas/AFP POOL/dpa

Prinz Harry und seine Frau Meghan treten von ihren royalen Pflichten zurück. Für das britische Königshaus ist es ein Paukenschlag, überraschend ist die Entscheidung jedoch nicht.

Vielleicht hätte man den Schritt schon vorausahnen können, damals im Oktober, als der britische Sender ITV eine 50-minütige Dokumentation über den britischen Prinz Harry und seine Frau Meghan zeigte. „Harry and Meghan: An African Journey“ hieß der Film, in dem der Journalist Tom Bradby die beiden Royals begleitete. Es ging um ihre Reise durch Afrika, aber vor allem auch um das Leben, das Harry und Meghan führen, seitdem sie sich im Jahr 2016 kennengelernt haben. Leicht, so viel wird sehr schnell klar, ist dieses Leben nicht. In einer Offenheit, die die Briten seit dem berühmt gewordenen TV-Interview von Prinzessin Diana wohl nicht mehr erlebt haben, erzählt das Paar von den Lasten und Pflichten des königlichen Alltags.

Eine Szene sticht besonders heraus. Meghan steht auf einer Wiese, sie ist den Tränen nahe. Als sie ihren Mann kennenlernte, erzählt die US-Amerikanerin, hätten ihre britischen Freunde sie gewarnt: "Die Boulevardpresse wird dein Leben zerstören.“ Damals sei sie naiv gewesen, sagt Meghan. Sie habe gewusst, dass es nicht leicht werden würde. Aber wie groß der Druck am Ende sein sollte, habe sie "nicht kapiert“.

Harry und Meghan geben ihre royalen Pflichten ab

Nun ist der Druck offenbar zu groß geworden. Am Mittwochabend haben Harry und Meghan in einer offiziellen Stellungnahme verkündet, dass sie sich von ihren royalen Pflichten zurückziehen wollen. Das Paar will finanziell unabhängig vom Königshaus sein und künftig seine Zeit zwischen Großbritannien und Nordamerika aufteilen. Ihr Sohn Archie, erklären die Noch-Royals in ihrem Statement, solle mit einem Gefühl für die Traditionen der Königsfamilie aufwachsen. Und auch die britische Königin Elizabeth II. habe weiterhin ihre volle Unterstützung, versichern die beiden.

Die Queen selbst ließ am Mittwochabend noch ein dürres Statement verbreiten. 34 Worte, der Ton: ziemlich angestrengt. Man verstehe die Entscheidung der beiden, heißt es darin. Aber es handle sich um „komplizierte Vorgänge“, die Zeit brauchen würden.

Für Harry, Meghan und Sohn Archie bedeutet die Entscheidung vor allem: Mehr Freiheit und ein Leben, das zumindest ein Stück weit abseits der Öffentlichkeit stattfinden kann.

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“After many months of reflection and internal discussions, we have chosen to make a transition this year in starting to carve out a progressive new role within this institution. We intend to step back as ‘senior’ members of the Royal Family and work to become financially independent, while continuing to fully support Her Majesty The Queen. It is with your encouragement, particularly over the last few years, that we feel prepared to make this adjustment. We now plan to balance our time between the United Kingdom and North America, continuing to honour our duty to The Queen, the Commonwealth, and our patronages. This geographic balance will enable us to raise our son with an appreciation for the royal tradition into which he was born, while also providing our family with the space to focus on the next chapter, including the launch of our new charitable entity. We look forward to sharing the full details of this exciting next step in due course, as we continue to collaborate with Her Majesty The Queen, The Prince of Wales, The Duke of Cambridge and all relevant parties. Until then, please accept our deepest thanks for your continued support.” - The Duke and Duchess of Sussex For more information, please visit sussexroyal.com (link in bio) Image © PA

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Einen ähnlichen Schritt war zuletzt auch die schwedische Königsfamilie gegangen. Schwedens König Carl Gustaf hatte im Oktober entschieden, dass der Nachwuchs seiner Kinder Prinz Carl Philip und Prinzessin Madeleine seinen offiziellen Hoheitsstatus verlieren soll. Damit sind sie nicht mehr Mitglieder des Königshauses, gehören aber weiterhin zur Königsfamilie.

Die Boulevardpresse hat sich auf Meghan eingeschossen

Harry und Meghan waren zuletzt immer wieder kritisiert worden. Besonders die britische Boulevardpresse hatte sich auf die ehemalige Schauspielerin eingeschossen, die seit eineinhalb Jahren mit dem Prinzen verheiratet ist. Erst im Oktober hatte Prinz Harry zwei britischen Verlage verklagt, weil sie private Telefonnachrichten der Royals abgehört haben sollen.

Meghan ging ebenfalls im Herbst gegen die Mail on Sunday vor, weil die Zeitung einen privaten Brief ihres Vaters veröffentlicht hatte. Harry hatte sich parallel in einem emotionalen Schreiben an die Öffentlichkeit gewandt. Darin beklagte er "skrupellose" Berichterstattung und Manipulation von Lesern. Seine Frau sei "eines der jüngsten Opfer der britischen Boulevardpresse" geworden, die ohne "ohne Rücksicht auf die Folgen rücksichtslose Kampagnen" geführt habe.

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Harrys Mutter Diana war ebenfalls Opfer der Boulevardpresse

Harry und auch sein Bruder William haben ein angespanntes Verhältnis zur Boulevardpresse. Seit ihrer Kindheit stehen die beiden britischen Prinzen in der Öffentlichkeit, wurden im Urlaub verfolgt und auf der Straße belauert. Harry verwies in seinem Brief auch auf seine Mutter Diana, die im Jahr 1997 bei einem Autounfall in Paris ums Leben gekommen war, nachdem Paparazzi den Wagen verfolgt hatten. Seine größte Angst sei, schrieb Harry damals, dass sich die Geschichte wiederholt.

Lesen Sie dazu auch: Harry und Meghan: Generation Freiheit - oder frei von jeder Verantwortung?

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