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Tatort-Kolumne
02.05.2021

"Rhythm and Love": So wird der Münster-"Tatort" am Sonntag

Ronald Hinzpeter blickt in dieser "Tatort"-Kolumne auf die aktuelle Episode aus Münster.
Foto: AZ

Freie Liebe im katholischen Münster – das kann nicht gut gehen. Lohnt sich das Einschalten am Sonntag? Irritierte Boerne-Fans können Liefers nach dieser soliden Folge jedenfalls wieder ins Herz schließen.

Wenn Jan Josef Liefers auftritt, kann er sich stets hoher Aufmerksamkeit sicher sein, und so fand denn sein Video-Beitrag zum umstrittenen Schauspieler-Protest #allesdichtmachen mit die größte Beachtung. Dass ihm zu seiner mit ironisch-treuherzigem Augenaufschlag vorgetragenen Medienschelte an der Corona-Berichterstattung vor allem Rechtspopulisten und sogenannte Querdenker applaudierten, war ihm dann aber auch nicht recht. Mancher Fan dürfte geschluckt und gehofft haben, dass ihn Liefers mit seinem Auftritt im neuen Tatort heute „Rhythm and Love“ (Sonntag, 2. Mai, 20.15 Uhr, ARD) wieder versöhnt.

Münster-"Tatort": Thiel und Boerne ermitteln in einem erotischen Kuddelmuddel

Sagen wir so: Diese natürlich ebenfalls ironische Darstellung des eitel-genialen, erhaben-lächerlichen Leichenflüsterers namens Professor Boerne kann er wesentlich besser als den Medienschelter. Dafür bekommt er zu Recht Beifall von vielen Seiten, nicht nur von der falschen. Als sezierender und dozierender Dünkel-Doktor ist Liefers perfekt.

Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, links) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, rechts) im Münster-Tatort "Rhythm and Love".
Foto: WDR/Martin Valentin Menke

Diesmal fallen die üblichen flachen Witzelei-Duelle, die er und sein Widerpart Thiel (Axel Prahl) sich gemeinhin liefern, weitgehend unter den Seziertisch. Gut so. Die in Ulm geborene Regisseurin Brigitte Maria Bertele hat mit „Rhythm and Love“ eine Folge von einigermaßen haarsträubendem Inhalt inszeniert. Aufzudröseln haben Thiel und Boerne ein erotisches Kuddelmuddel. Da wird eine nackte Leiche im Unterholz von einem Zeugen gemeldet, der sich im späteren Verlauf der Ermittlungen als Mann des Kreuzes herausstellt, der allerdings nicht unbedingt kreuzbrav erscheint.

"Rhythm and Love" enthält alles, was ein Münster-"Tatort" braucht

Die Spur führt in eine Landkommune, die offenbar per Zeitmaschine aus den 80ern in die Jetztzeit gebeamt wurde. Da lernen gefiederte Aussteiger nicht nur, taktsicher auf straff gespannte Tierfelle zu hauen („Rhythm“), sondern auch den Partnerwechsel ohne Reue („Love“). Obwohl: Mit der Reuefreiheit in der freien Liebe, die heute „Polyamorie“ heißen muss, ist es so eine Sache. Mitunter geht das Wechselspiel – Pardon – in die Hose, und dann liegt da eben eine Leiche. Wenn eine zweite dazukommt, wird aus dem erotischen Reigen ein Totentänzchen.

Bei Tee, Keksen und Rum: Silke Haller (ChrisTine Urspruch) ist froh, dass Mirko Schrader (Björn Meyer) sie eingeladen hat und anhört, was sie bedrückt.
Foto: WDR/Martin Valentin Menke

„Rhythm and Love“ enthält alles, was ein Münster-Tatort braucht: Ironie, skurrile Gestalten, eine leicht abseitige Handlung, die im katholischen Münster gerne was mit Kirche zu tun hat, und vogelwilde Szenen wie das Besäufnis auf dem Seziertisch. Diesmal darf Assistentin Silke „Alberich“ Haller (Christine Urspruch) etwas mehr aus dem Schatten ihres Meisters heraustreten und der knuddelbärige Kriminalassistent Mirko Schrader (Björn Meyer) sorgt am Ende gar für den nötigen Kick. Irritierte Boerne-Fans können Liefers nach dieser soliden Folge wieder ins Herz schließen.

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