Ach, früher. Die Nostalgie ist verbunden mit Piz-Buin-Geruch im Freibad, kriminellem Kratzen auf der Haut, wenn der Schlafanzug aus der Wäsche kam, und wollen wir uns heute das Damals fotografisch vor Augen führen, geht das nur in Schwarz-Weiß. Oh ja, so manches Geräusch hat sich auch verdünnisiert: das Drrrrrrrr der Wählscheibe auf dem Festnetztelefon, das Hämmern einer Schreibmaschine, das Würgen des Bandsalats im Kassettenrekorder, das Klingeln von Registrierkassen.
Und das Düdüdü, Brrr, Piiiep, Krrr. So hörte es sich an, es muss 300 Jahre her sein, wählte man sich mit Hilfe eines Telefonmodems ins Internet ein. Werbetechnisch erhielt der Vierklang einen menschlichen Unterton, indem Tennisstar Boris Becker im Fernsehen für den Internet-Pionier AOL stolz verkündete: „Ich bin drin.“
2023 nutzten in den USA immerhin noch gut 160.000 Haushalte den Weg übers Modem ins Internet
Eben jenes AOL gibt es noch immer. Und – hört, hört! – den Internetzugang per Modem auch. Zumindest bis Ende September. 2023 nutzten in den USA immerhin noch gut 160.000 Haushalte diesen, nun ja, fossilen Weg, um die digitale Welt zu durchstöbern (wie schreibt sich eigentlich Düdüdü, Brrr, Piiiep, Krrr auf Englisch?).
Jetzt ist aber Schluss damit, hat das Unternehmen entschieden. Ins moderne WWW geht man heute schließlich per Glasfaser und vor allem still und leise. Vorteil: Man fliegt nicht mehr aus dem Netz, sobald Sohnemann oder Töchterlein das Festnetztelefon benutzen (wobei die das wahrscheinlich gar nicht mehr kennen).
Noch was für Feinschmecker: Das Modem-Geräusch ist nicht zu verwechseln mit dem des Faxgeräts. Das wissen alle, denen noch heute in Amtsstuben dieser Bürosound bekannt vorkommen sollte.
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