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China leiht Söder zwei Pandas für Hellabrunn, nimmt Japan aber zwei Bären wieder weg

China

Politik mit Pandas: München bekommt zwei Bären und Tokio muss seine wieder zurückgeben

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    März 2024: Ministerpräsident Markus Söder küsst beim Besuch einer Panda-Aufzuchtstation im chinesischen Chengdu einen Plüschbären.
    März 2024: Ministerpräsident Markus Söder küsst beim Besuch einer Panda-Aufzuchtstation im chinesischen Chengdu einen Plüschbären. Foto: Peter Kneffel, dpa

    „So was ist ja leider typisch für China“, sagt Mayumi Sato am Eingang des Ueno-Zoos und zuckt mit den Schultern. Ein bisschen traurig sei sie, sagt die 42-Jährige, aber kein bisschen überrascht. „Was ich mit typisch meine, ist, dass die Regierung in Peking einfach alles für ihre Vorhaben instrumentalisiert.“ Mal sei es Militärgerät, mal Verleumdung – und mal seien es Tiere. „Mir kann niemand erzählen, dass es hier nicht um Politik geht!“ Denn dann, so ist sich die Japanerin sicher, wären die Pandas noch in Tokio.

    Mayumi Sato, die eigentlich anders heißt, ihren Namen aber nicht in politischen Zusammenhängen in der Zeitung lesen will, ist eine von unzähligen Personen in Japan, die dieser Tage ziemlich wehmütig sind. Denn gerade erst mussten die zwei im ganzen Land bekannten Pandas Xiao Xiao und Lei Lei Tokio verlassen und nach China umziehen. So will es die dortige Regierung, die mit dem Erzfeind seit Monaten im Streit ist. Ergebnis: Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert ist Japan nun pandalos.

    In Tokio winkten Kinder den Pandas weinend hinterher, als die Tiere in einem Transporter davonfuhren

    Was man für eine belanglose Posse halten könnte, hat in Japan die Menschen bewegt. Am 25. Januar, dem letztmöglichen Besichtigungstag der Pandas im Zoo und zwei Tage vor deren Abtransport, durften sich 4400 Menschen, die in einer Verlosung gewonnen hatten, persönlich von den schwarz-weißen Bären verabschieden. Kinder winkten ihnen weinend hinterher, als die Tiere in einem Transporter davonfuhren. Gegenüber TV-Sendern betonen Eltern nun, wie sehr ihre Söhne und Töchter die Pandas vermissen.

    Tokio ist damit, wenn man so will, das Gegenstück zu München. Dort tränenreicher Abschied, hier große Vorfreude – jedenfalls bei der bayerischen Staatsregierung. Spätestens 2028 sollen zwei Exemplare den Tierpark Hellabrunn noch attraktiver machen, für vorerst zehn Jahre. So lange läuft der Leihvertrag. Dazu muss man wissen: Pandas kommen natürlicherweise nur in China vor. Ins Ausland werden sie ausschließlich verliehen, weltweit sind es derzeit 51. Und der chinesische Staat hat über jedes einzelne Tier die Kontrolle.

    Pandas seien in China ein nationaler Schatz, ein Zeichen der Freundschaft und ein Symbol des Friedens, sagt Botschafter Deng Hongbo.
    Pandas seien in China ein nationaler Schatz, ein Zeichen der Freundschaft und ein Symbol des Friedens, sagt Botschafter Deng Hongbo. Foto: Daniela Duckhorn, AZ-Infografik

    „Wir werden sehr viele Kinder sehr glücklich machen“, sagte Ministerpräsident Markus Söder bei der Vertragsunterzeichnung zwischen dem Tierpark und China Ende Januar. „Das wird einen Zulauf geben über sehr lange Zeit, Pandas sind eine der höchsten Attraktionen“, ist sich Söder sicher. Das weiß auch die Staatsführung in Peking, die schon seit Jahrzehnten mit tierischer Unterstützung Politik macht. „Panda-Diplomatie“ nennt sich das. Was zugleich bedeuten kann: Kriselt das Verhältnis zu einem Staat, lautet eine Strafe: Panda-Entzug – siehe Japan.

    Die in Bayern für Tourismus zuständige Ministerin Michaela Kaniber teilt Söders Euphorie. Auf die Frage unserer Redaktion, ob sie in den Pandas einen künftigen neuen Magneten für den Freistaat sieht, antwortet sie am Montag: „Ich gehe ganz klar davon aus.“ In Berlin hätten allein die zwei Tiere, die seit 2017 im dortigen Zoo gehalten werden, um die 350.000 Menschen in die Hauptstadt gezogen, ebenso in Edinburgh. Deshalb erwartet Kaniber auch für Münchens Fremdenverkehr einen Panda-Faktor.

    Markus Söder liebt Pandas, seit er sie bei seiner China-Reise 2024 live erleben durfte

    Ihr Chef Markus Söder ist dem Charme der putzigen Bären verfallen, seit er sie bei seiner China-Reise 2024 live erleben durfte. In Erinnerung sind auch noch die Fotos, wie Söder beim Besuch einer Aufzuchtstation in Chengdu ein Stofftier küsste. Damals begann er, den jetzigen Panda-Deal einzufädeln. Das sei ein „Höhepunkt der bayerisch-chinesischen Diplomatie“, sagte er. Der chinesische Botschafter Deng Hongbo nannte den Vertrag einen Ausdruck des Wunsches, die Beziehungen zu Bayern zu vertiefen. Pandas seien in China ein nationaler Schatz, ein Zeichen der Freundschaft und ein Symbol des Friedens.

    „Pandas sind einfach knuffig“, schwärmte Söder auch jetzt wieder und drückte jenen Plüschbären, den er damals aus China mitgebracht hatte und der sonst in seinem Büro steht, „weil er so schön ist“. In spätestens zwei Jahren sollen also die lebenden Bären kommen. Wer dann zu ihnen nach Hellabrunn pilgert, muss allerdings damit rechnen, dass sich nicht viel rührt im Gehege. Die Pandas, die bis zu 40 Kilo Bambus am Tag verdrücken, pflegen einen sehr zurückgezogenen Lebenswandel, zu dem jede Menge Schlaf gehört. Darauf weist der Tierpark hin. Der Münchner Zoo hat vorsorglich bereits jetzt eine Internetseite eingerichtet, die die wichtigsten Fragen rund um die Neuankömmlinge beantworten soll.

    Ein Panda legt über den Tag hinweg enorm viele Schlafpausen ein.
    Ein Panda legt über den Tag hinweg enorm viele Schlafpausen ein. Foto: Daniela Duckhorn, AZ-Infografik

    Alphabetisch wird sich das Bärenpaar aus China in München zwischen den Großen Pampahasen und den Großen Vasapapageien ansiedeln, räumlich müssen Lamas, Alpakas und Paviane Platz machen. Während die Lamas und Alpakas innerhalb des Zoos umziehen, müssen die Affen raus. Sie sollen an andere Zoos abgegeben werden. Das sei schon seit zehn Jahren so geplant, versichert der Münchner Tierpark und habe nichts mit den Pandas zu tun.

    Diese erhalten im östlichen Bereich von Hellabrunn eine rund 5000 Quadratmeter große Anlage mit Bambusflächen, Wasserzonen und Rückzugsbereichen. Spatenstich soll bereits in diesem Jahr sein, und auch die Übernahme der Baukosten ist geklärt. Bezahlt wird die Zeche vom Freistaat Bayern. 14 Millionen Euro finden sich dafür im Etat von Tourismus-Ministerin Kaniber, insgesamt ist von 18 Millionen die Rede. Rechnet man noch die kolportierte Leihgebühr von einer Million Euro pro Jahr hinzu, kosten die zwei Bären den Steuerzahler für die Dauer ihres zehnjährigen Aufenthalts knapp 30 Millionen Euro. Offen ist laut der Grünen-Finanzexpertin Claudia Köhler noch, wie es mit den Kosten für die Pflege aussieht. „Pandas sind ja lieb und nett, aber Bayern hätte Dringenderes zu tun, das sollte eigentlich Priorität genießen.“ Köhler fragt sich, ob sich Bayern da nicht zwei teure chinesische Bären hat aufbinden lassen.

    Die Beziehungen zwischen Japan und China sind so schlecht wie lange nicht

    Japan ist die jetzt erst mal los. Was daran liegt, dass die bilateralen Beziehungen mit China so schlecht sind wie lange nicht. Ein schwieriges Verhältnis haben die zwei größten Volkswirtschaften Ostasiens schon immer zueinander gehabt. Anfang November aber sorgten Worte der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi für derart viel Irritation in China, dass in Peking nun die gesamten Beziehungen zu Tokio infrage gestellt werden.

    Im Parlament in Tokio hatte die nationalistisch-geschichtsrevisionistisch eingestellte Takaichi indirekt erklärt, Japan könne Taiwan beistehen, falls dies vom chinesischen Festland angegriffen würde. In Peking sorgt dies für Aufregung, da man dort Taiwan als Teil des eigenen Territoriums sieht. Da sich Taiwan aber seit Ende des Chinesischen Bürgerkriegs 1949 selbstständig regiert, bewertet man die Lage in Japan – und dessen Partner USA – anders: Taiwan verdiene Schutz. Zumal Peking oft mit Angriff droht.

    Die bevorzugte Speise von Pandas ist der Bambus.
    Die bevorzugte Speise von Pandas ist der Bambus. Foto: Daniela Duckhorn, AZ-Infografik

    In Peking wiederum ist die Wut über Takaichis Äußerungen riesig, weil man diese als Einmischung in Chinas innenpolitische Angelegenheiten versteht. Sodass Pekings Regierung seit November kaum einen Hebel ungenutzt lässt, um Japan, das bis 1945 über Teile Chinas als Kolonialmacht herrschte, zu schaden. Chinas Regierung behauptet nun, Reisen nach Japan seien nicht mehr sicher. Mehrere Handelsbeschränkungen und Boykotte japanischer Produkte sind im Gange.

    Und nun sind eben auch die Pandas betroffen. Zynikerinnen wie Mayumi Sato sagen: „Das ist nunmal die Grundlage von Chinas ‚Panda-Diplomatie‘ – man leiht etwas Schönes und setzt dieses Schöne dann ständig als Drohung ein!“ Tatsächlich ist in anderen Ländern schon Ähnliches zu beobachten gewesen. Als sich 2023 die Beziehungen Chinas zu den USA verschlechterten, war viel vom Abzug der Pandas die Rede. Ähnliche Erfahrungen hat man in Australien gemacht.

    China betreibt seine „Panda-Diplomatie“ seit den 1940er Jahren

    Die „Panda-Diplomatie“ ist eine einzigartige, zweischneidige Methode der Politik, die seit den 1940er Jahren von Chinas Regierungen betrieben wird. „Kein anderes Tier vereint die universelle Anziehungskraft und nationale Eigenart so wie der Riesenpanda“, schrieben Minglu Chen und David Smith, zwei Forscher der University of Sydney, 2025 in einem Aufsatz. „Die weltweite Popularität der Pandas ist eine seltene Quelle von Softpower für China und weckt positive Gefühle und kulturelle Akzeptanz.“

    Und weil nicht zuletzt Kinder es lieben, im Zoo einen Panda beim Fressen eines Bambusstrauchs zu beobachten, kann der Pekinger Ein-Parteienstaat die Handhabe dieser Tiere seit Jahrzehnten auch für seine politischen Zwecke einsetzen. Was Organisationen wie Pro Wildlife rundum ablehnen. „Die Haltung und Zucht von Pandas in westlichen Zoos ist kein Beitrag zum Artenschutz, sondern ein finanzielles und politisches Geschäft auf dem Rücken der Tiere“, ist man dort überzeugt. Pandas würden in China seit Jahrzehnten in Zuchtstationen „wie am Fließband produziert“. Diese Massenzucht trage nicht zum Erhalt der wild lebenden Population bei, zumal kaum Tiere ausgewildert würden.

    Pandas schlafen gerne dort, wo sie gerade müde werden.
    Pandas schlafen gerne dort, wo sie gerade müde werden. Foto: Daniela Duckhorn, AZ-Infografik

    In Japan macht der Abzug der geliebten Xiao Xiao und Lei Lei das Ansehen Chinas jedenfalls nicht besser. In den vergangenen Jahren, als das expandierende China häufiger mit einem Angriff auf Taiwan drohte, ergaben Umfragen, dass mehr als 90 Prozent der Menschen in Japan ein negatives Bild von China haben. Und die kantige Haltung von Sanae Takaichi gegenüber China ist der wichtigste Grund dafür, dass die Premierministerin – die auf vielen anderen Politikebenen bisher eher wenig erreicht hat – bei den Menschen zuletzt überraschend beliebt gewesen ist.

    Japan mag nun ohne Pandas sein. Aber eine nationalistische Regierungschefin, gerade erst durch Parlamentswahlen gestärkt, könnte sich darüber insgeheim freuen. (mit anf, dpa)

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