Sie brauchen nur vier Minuten für ihren Coup, keine Gewalt, es müssen Profis sein. Ihr Ziel ist am Sonntag eines der bekanntesten und meistbesuchten Museen der Welt, der Louvre in Paris. Medien schalten Liveticker, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wird „in Echtzeit“ informiert, immer weitere Details dringen an die Öffentlichkeit.
Und bereits am frühen Nachmittag löst Verärgerung die Neugier und den anfänglichen Schock ab. Da steht zwar noch nicht fest, was genau gestohlen wurde – eines aber ist klar: Dieser spektakuläre Raubüberfall wird noch lange die Grande Nation beschäftigen. Von einer „unerträglichen Demütigung“ spricht Jordan Bardella, Vorsitzender der Rechtsaußenpartei Rassemblement National. Der Louvre sei ein „globales Symbol unserer Kultur“.
Sie erbeuten Schmuck von „unschätzbarem kulturellem und historischem Wert“
Das Museum hat am Morgen gerade erst für Besucher geöffnet, als die vollständig vermummten Täter gegen 9.30 Uhr zuschlagen. Sie machen sich Bauarbeiten zunutze und kommen mithilfe eines Lastenaufzugs durch ein Fenster, das sie aufbrechen, ins Gebäude. Den Aufzug haben Arbeiter dort übers Wochenende stehen lassen. Medien berichten, dass dann zwei Männer ins Innere eindringen, während ein dritter draußen Wache steht. Minuten später brausen sie auf PS-starken Motorrollern Richtung Autobahn davon.
Kulturministerin Rachida Dati erzählt dem Sender TF1 von den Aufnahmen der Videoüberwachung, die sie gesehen habe: „Sie greifen niemanden an, sie gehen ganz ruhig hinein. In vier Minuten zerstören sie natürlich Vitrinen, nehmen ihre Beute und verschwinden ohne jegliche Gewaltanwendung. Das ist sehr professionell.“
Die Täter hätten in der Galerie d‘Apollon Schmuckstücke erbeutet, die über ihren Marktwert hinaus „einen unschätzbaren kulturellen und historischen Wert“ haben, erklärt das Innen- und Kulturministerium. Nach Informationen der Zeitung Le Parisien, die auf Ermittler verweist, sollen die Diebe neun Stücke aus der Schmucksammlung Napoleons und der Kaiserin erbeutet haben, darunter eine Halskette, eine Brosche und ein Diadem. Eines der Schmuckstücke verlieren sie nach Angaben der Kulturministerin auf der Flucht. Es soll sich um die Krone der Kaiserin Eugénie handeln; sie soll beschädigt worden sein.
Medien berichten von kurzzeitiger Panik
Zwar greifen die Einbrecher kein Personal oder Sicherheitskräfte an. Allerdings verriegeln sich Türen im Inneren des Louvre automatisch – wohl weil Alarm ausgelöst wird –, und Besucher kommen zunächst nicht ins Freie. Medien berichten von kurzzeitiger Panik. Nach offiziellen Angaben werden die Besucher anschließend ohne weitere Zwischenfälle in Sicherheit gebracht. Aus Sicherheitsgründen und um Spuren und Hinweise für die Ermittlungen zu sichern, wird der Louvre geschlossen.
Die große Frage ist nun, ob der Schmuck Stunden nach dem Einbruch bereits zerlegt oder eingeschmolzen wurde, um das Gold weiterzuverkaufen. „Das Risiko besteht darin, dass einige Diamanten im Handel verkauft werden könnten, was die Rekonstruktion der Schmuckstücke sehr erschweren würde“, sagt eine mit den Ermittlungen vertraute Person dem Parisien.
Die Liste aufsehenerregender Museumsdiebstähle reicht bis nach Bayern
Der Raub lässt am Sonntag sofort an vergleichbare spektakuläre, teils jahrhundertealte Fälle denken. Die Pariser Tageszeitung Le Parisien etwa erinnert an den Diebstahl der französischen Kronjuwelen im Jahr 1792 aus der königlichen Schatzkammer, bei dem ebenfalls über die Fassade eingebrochen worden sei. Zur Beute gehörte damals auch der Sancy-Diamant, einer der bekanntesten Diamanten der Welt. Er tauchte mehr als 30 Jahre später bei einem Händler wieder auf. Später kam er – in die Galerie d‘Apollon im Louvre.
Ein „weiterer Zufall“ sei, so Le Parisien, dass in diesem Monat der hundertste Todestag des „Mona-Lisa“-Diebes Vincenzo Peruggia ist. Der Italiener, der in Frankreich als Glaser und Gauner seinen Lebensunterhalt bestritt, stahl eines der heute berühmtesten Gemälde der Welt am 21. August 1911 aus dem Louvre. Er hatte in dem Museum gearbeitet, nun betrat er es wieder, im weißen Kittel und durch den Angestellten-Eingang. Für Besucher war der Louvre an jenem Montag geschlossen. Der Raub flog erst nach 24 Stunden auf. Zwei Jahre danach wollte Peruggia die „Mona Lisa“ in Florenz zu Geld machen – und wurde verhaftet. (mit dpa)
Die Liste aufsehenerregender Museumsdiebstähle ist lang – und reicht bis nach Bayern. Eine Auswahl:
- Manchinger Goldschatz: Im Jahr 2022 wurden bei einem Einbruch in das Kelten- und Römermuseum 483 keltische Goldmünzen sowie ein Goldgusskuchen entwendet. Im Juli endete der Prozess am Landgericht Ingolstadt mit Freiheitsstrafen von bis zu elf Jahren. Einer der vier Angeklagten wurde freigesprochen, wegen anderer Taten der Bande aber verurteilt. Die meisten der Münzen aus der Zeit um 100 vor Christus blieben verschwunden, andere wurden eingeschmolzen. Der Handelswert wurde auf mindestens 1,5 Millionen Euro geschätzt.
- Dresdner Juwelendiebstahl: Es war der 25. November 2019, als das Historische Grüne Gewölbe des Residenzschlosses Dresden Ort eines filmreifen Einbruchs wurde. Verurteilt dafür wurden 2023 fünf Mitglieder des arabischstämmigen Remmo-Clans aus Berlin. Sie stahlen 21 Schmuckstücke aus Diamanten und Brillanten im Schätzwert von mindestens 116 Millionen Euro; der Schaden, den sie zusätzlich verursachten, ging in die Millionenhöhe. Das Tatgeschehen wurde vor Gericht so rekonstruiert: Kurz vor 5 Uhr drangen die Einbrecher über ein Fenster in den Pretiosensaal, dann schlugen sie mit einer Axt in weniger als einer Minute das Sicherheitsglas einer Vitrine im Juwelenzimmer ein und rissen den Schmuck heraus. Sekunden vor Eintreffen der Polizei gelang ihnen die Flucht. Später gaben die Täter selbst einen Großteil der Beute zurück – von drei bedeutenden Objekten fehlt weiter jede Spur.
- Bode-Museum: 2017, in der Nacht auf den 27. März, stahlen Täter aus dem Berliner Bode-Museum eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze im Wert von mehreren Millionen Euro, die „Big Maple Leaf“. Sie soll zerstückelt oder eingeschmolzen und verkauft worden sein. Die Spuren führten zum Remmo-Clan, von dem zwei Mitglieder verurteilt wurden.
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