Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden hier die ersten Skiclubs und damit ganz neue Techniken des Skilaufs. Bergbahnen wurden früh erschlossen, Wettkämpfe zogen internationale Aufmerksamkeit auf sich, und das Gebiet entwickelte sich schnell zu einem Zentrum für Wintersportlerinnen und Wintersportler aus aller Welt. Heute umfasst es unzählige Pistenkilometer, Liftanlagen und gesicherte Tiefschneerouten. Und auch Sommergäste kommen gerne zum Wandern und Klettern her.
Anfang des 20. Jahrhunderts gab es an diesem Tiroler Ort den ersten Ski-Club
Die Rede ist von St. Anton am Arlberg, eine Gemeinde im Bezirk Landeck in Tirol, die als Wiege des alpinen Skisports gilt. Hier wurde 1901 der Ski-Club Arlberg gegründet, Skipionier und Schauspieler Hannes Schneider entwickelte die weltbekannte Arlbergtechnik, und 1922 entstand die Skischule St. Anton.
Unter Bauingenieur und Tourismusleiter Rudolf Gomperz verwandelte sich der Ort mit den Jahren zu einem führenden Wintersportzentrum, das schon in den 1930er-Jahren durch Spielfilme wie „Der weiße Rausch“ internationale Aufmerksamkeit erlangte. Darin liefern sich Hannes Schneider und Leni Riefenstahl jährlich einen den Wettstreit auf den Pisten und verlieben sich schließlich ineinander.
Ski Arlberg: Mehr als 300 Pistenkilometer, 88 Lifte und unzählige Tiefschneerouten
Mit der Eröffnung der Galzigbahn 1937 begann die gezielte Erschließung des Skigebiets, das heute Teil des Ski Arlberg ist – eines der größten zusammenhängenden Skigebiete der Welt mit über 300 Kilometern präparierter Pisten, 88 Liften und unzähligen Tiefschneerouten. Während der Wintertourismus die Haupteinnahmequelle bildet, sind in der Sommersaison auch Wandern, Mountainbiking und Klettern von zentraler Bedeutung.
Lesen Sie auch: Tirol auf Erfolgskurs – dieses österreichische Skigebiet zählt zu den besten Europas
Eine Gemeinde auf 1284 Metern Höhe: St. Anton am Arlberg
St. Anton liegt im oberen Stanzertal, etwa 100 Kilometer westlich von Innsbruck, an der Grenze zu Vorarlberg zwischen den Lechtaler Alpen im Norden und der Verwallgruppe im Süden. Der Hauptort befindet sich auf 1284 Metern, das Gemeindegebiet reicht bis auf 3148 Meter an der Kuchenspitze, der höchste mit Aufstiegshilfen erreichbare Punkt ist die Valluga mit 2811 Metern.
Zu den Ortsteilen gehören neben dem Hauptort auch St. Jakob, Nasserein und St. Christoph. Das Ortsbild wird geprägt von den Pfarrkirchen, dem Ski- und Heimatmuseum und einem Wappen, das drei grüne Berge über blauen Wellen zeigt, darüber den Tiroler Adler – Symbole für die Lage am „Tor zu Tirol“ und die historische Arlbergstraße.
St. Anton am Arlberg trug nicht immer diesen Namen - die Geschichte des Ortes
Die Geschichte St. Antons reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Erste Erwähnungen stammen aus dem Jahr 1275, und über die Jahrhunderte wechselte der Ort mehrfach seinen Namen: von Vallis taberna über Stanzertal, St. Jakob und Nasserein bis zum heutigen St. Anton am Arlberg, eingeführt 1927. Die Entwicklung war stark vom Arlbergpass geprägt, der seit dem Mittelalter für Salz- und Warenhandel sowie militärische Transporte bedeutend war. Der Bau der Arlbergbahn 1880–1884 brachte Arbeit sowie erste Touristinnen und Touristen.
St. Anton erlebte auch schwere Zeiten: Wirtschaftliche Engpässe führten im 19. Jahrhundert zur Praxis der Schwabenkinder. Das sind acht- bis 14-jährige Kinder aus armen Bergbauernfamilien in Tirol, Vorarlberg, der Schweiz und Liechtenstein, die vom 17. bis ins frühe 20. Jahrhundert alljährlich als Arbeitskräfte nach Oberschwaben zogen.
Die Gemeinde St. Anton hat auch traurige Zeiten hinter sich
Während der Zeit des Nationalsozialismus kam es dann zu zahlreichen Verhaftungen, Vertreibungen und antisemitischen Maßnahmen, darunter die Deportation und Ermordung Rudolf Gomperz. Zudem fielen psychisch Kranke und Menschen mit Behinderung der Aktion T4 zum Opfer.
Naturereignisse wie die Wolfsgrubenlawine 1988, das Hochwasser 2005 und ein Murenabgang 2024 führten wiederholt zu Schäden, die umfangreiche Schutzmaßnahmen notwendig machten. Die Verkehrsinfrastruktur wurde über die Jahre modernisiert. Der Arlberg-Straßentunnel entlastete 1978 den Durchgangsverkehr, und im Zuge der Alpinen Skiweltmeisterschaften 2001 wurde die Bahntrasse verlegt und ein neuer Bahnhof gebau.
Immer weitere Skilehrer und -sportler werden in St. Anton ausgebildet
Wirtschaftlich dominiert heute weiterhin der Fremdenverkehr, während die Landwirtschaft nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Bildungseinrichtungen wie Volksschulen, Mittelschule, Kindergärten und die Bundesskiakademie in St. Christoph sichern die Ausbildung von Skilehrerinnen und -lehrern sowie Leistungssportlerinnen und -sportlern.
Lesen Sie auch: Erhöhte Lawinengefahr in Tirol: Wie können sich Wintersportler schützen?
St. Anton am Arlberg im Überblick
- Land: Österreich
- Bundesland: Tirol
- Bezirk: Landeck
- Fläche: 165,81 Quadratkilometer
- Einwohnerinnen und Einwohner: 2319 (Januar 2025)
- Touristische Infrastruktur im Sommer: circa 96 Kilometer markierte Wanderwege, mehrere Schutzhäuser, zwei Klettersteige, einen Winterklettersteig, Mountainbike Routen, Angelmöglichkeiten
- Touristische Infrastruktur im Winter: 88 Lifte und Seilbahnen, 305 Kilometer präparierte Pisten (Schwierigkeitsgrade: 131 Kilometer leicht, 123 Kilometer mittel, 51 Kilometer schwer), 200 Kilometer gesicherte Tiefschneerouten, zehn Skiwanderrouten, 4,3 Kilometer Rodelbahn (Höhenunterschied von über 500 Metern)
Lesen Sie auch: Schlägereien an der Tagesordnung: Skiorte fürchten um Touristen
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren