Die Lawinengefahr ist in den Alpen allgegenwärtig – und die herabrauschenden Eis- und Schneemassen sind regelmäßig tödlich für Wintersportlerinnen und Wintersportler. Jedes Jahr sterben in den Alpen rund 100 Menschen in Folge von Lawinen, klärt der Deutsche Alpenverein (DAV) auf. Wer hier zum Skifahren, Snowboarden oder Wandern geht, sollte das Risiko also keineswegs unterschätzen.
Aktuell besteht in Tirol weiterhin erhöhte Lawinengefahr, wie unter anderem die Tiroler Tageszeitung berichtet. Die Gefahr befindet sich überwiegend in Gefahrenstufe 3, in Osttirol nähert sie sich teilweise der Gefahrenstufe 4. Wie sich Wintersportlerinnen und Wintersportler in der Region jetzt verhalten sollten und welche vorbeugenden Schutzmaßnahmen es gibt, erfahren Sie im Folgenden.
Lawinenwarndienste als präventive Hilfestellung
Grundsätzlich gilt: Wer eine Tour oder einen Skiausflug plant, sollte zunächst einen Blick auf die Lawinenwarndienste werfen. Diese bieten einen Überblick über die aktuelle Gefahrenstufe für Lawinen in den Alpen – von Gefahrenstufe 1 (geringe Lawinengefahr) bis Gefahrenstufe 5 (sehr große Lawinengefahr). Gebiete, die von den Warndiensten mit einer der drei oberen Stufen angegeben werden, sollten Sie im besten Fall meiden. In den Alpenregionen von Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es unterschiedliche Anlaufstellen.
- Deutschland: Lawinenwarndienst Bayern
- Österreich: Lawinen.Report
- Schweiz: WSL-Institut für Schnee-und Lawinenforschung SLF
Erhöhte Lawinengefahr in Tirol: So sollten sich Wintersportler verhalten
Bereits Anfang des Jahres 2026 sorgte eine Kombination aus Neuschnee, starkem Wind und schwacher bestehender Schneedecke ab dem 9. Januar 2026 für eine erhebliche Lawinengefahr der Warnstufe 3 im Westen Tirols. Wie Christoph Mitterer vom Lawinenwarndienst des Landes Tirol erklärte, seien die Gefahrenstellen in den betroffenen Gebieten weitverbreitet. „Umso mehr gilt es, defensiv unterwegs zu sein und zum Beispiel steile Schattenhänge zu meiden“, warnte Mitterer.
Die Tiroler Landesregierung rät insbesondere unerfahreneren Wintersportlerinnen und -sportlern, stets auf den abgesteckten Pisten und markierten Routen zu bleiben und sich nicht in ungesicherte Gebiete zu begeben. „Informieren Sie sich vorab über die genauen Gefahrenstellen und planen Sie Ihre Touren sorgfältig“, empfiehlt Sicherheitslandesrätin Astrid Mair. Aktuelle Informationen und Warnungen finden sich im täglichen Lawinenreport sowie auf den Social-Media-Kanälen des Landes Tirol und des Lawinenwarndienstes des Landes Tirol.
Das Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS) kann Leben retten
Im Ernstfall kann ein Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS) überlebenswichtig sein. Laut planet-wissen.de handelt es sich dabei um ein elektronisches Gerät, das auf der Frequenz 457 Kilohertz Signale senden und empfangen kann. Wer sich mit einer Partnerin, einem Partner, oder in einer Gruppe aufmacht, der sollte das LVS zu Beginn auf „senden“ stellen. Falls eine Person von einer Lawine verschüttet wird, können die anderen ihre Geräte auf „empfangen“ stellen und in der Folge die Position der oder des Verschütteten orten.
Das Orten mit Geräten, die über eine Antenne verfügen, funktioniert ausschließlich über ein akustisches Signal, welches lauter wird, je näher man dem sendenden Gerät kommt. Geräte mit zwei Antennen sind zusätzlich mit einem Display versehen, auf dem durch einen Pfeil die Richtung angezeigt wird, in der sich die verschüttete Person befindet.
Lawinensonde für die Feinortung, Lawinenschaufel zum Graben
Wer sich in der Nähe einer verschütteten Person befindet, kann eine Lawinensonde gebrauchen. Dabei handelt es sich laut planet-wissen.de um einen zwei bis vier Meter langen Stab, der einer Zeltstange ähnelt. Die Stäbe wiegen rund 200 Gramm und werden zur Feinortung einer verschütteten Person verwendet. In Kombination mit dem LVS, das den Weg weist, handelt es sich um ein nützliches Hilfsmittel.
Wenn die Sonde die Gesuchte oder den Gesuchten aufgespürt hat, kann sie im Schnee stecken gelassen werden, um eine Richtungsvorgabe beim Graben zu haben. Mit bloßen Händen kommt man mit Letzterem nicht weit. Es braucht eine Lawinenschaufel, um die verschüttete Person schnell genug freizulegen. Bergretter Christian Donner erklärte dem Focus, dass Lawinensonde und Lawinenschaufel genau wie das LVS-Gerät zur Basis-Notfallausrüstung gehören.
Lawinenairbag oder Lawinenrucksack
Durch einen Lawinenairbag soll das Risiko minimiert werden, durch einen Lawinenunfall ums Leben zu kommen. Wie der Airbag für die Piste, der auch Lawinenrucksack genannt wird, funktioniert, erklärt der Deutsche Alpenverein. Zunächst ähnelt er einem Fallschirm, denn er kann durch das Ziehen eines Griffes aktiviert werden, sobald sich eine Lawine nähert. Durch die Aktivierung wird ein Druckluftsystem ausgelöst, das innerhalb weniger Sekunden ein Ballonsystem aufbläst.
Die Folge: Die Verschüttungstiefe nimmt durch den Lawinenairbag in der Regel deutlich ab. Im Idealfall kann sich die von der Lawine erfasste Person in der Folge selbst befreien. Wenn das nicht möglich ist, wird zumindest die Wahrscheinlichkeit erhöht, schnell gefunden zu werden.
Kleidungsreflektoren
In einem Beitrag von Planet Wissen wurde noch ein weiteres System vorgestellt, das Menschen helfen kann, die von einer Lawine verschüttet wurden. Es handelt sich um Kleidungsreflektoren, die auf dem Prinzip der Frequenzverdopplung basieren. Die Funktionsweise: Metallreflektoren, die in Kleidungsstücke eingebaut werden, reflektieren Mikrowellen, die von Einsatzkräften der Bergrettung ausgesendet werden. Die Signale werden verdoppelt und können vom Rettungsdienst als Ton empfangen werden, der die Richtung vorgibt.
Übrigens: Wenn Sie sich auf einen Skiausflug begeben, spielt auch die Versicherung eine Rolle. Denn Skiunfälle kommen häufig vor und können nicht nur schmerzhaft, sondern auch teuer sein.
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