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Doppelter Kater: Was sollen Fasching und Fasten noch?

Kommentar

Was bringen Fasching und Fasten in diesen verrückten Zeiten eigentlich noch?

Christian Imminger
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    Doppelter Kater: Was bringen Fasching und Fasten in diesen verrückten Zeiten eigentlich noch?
    Doppelter Kater: Was bringen Fasching und Fasten in diesen verrückten Zeiten eigentlich noch? Foto: stock.adobe.com

    Na, brummt der Schädel? Dann haben Sie womöglich alles richtig gemacht, sofern das Klopfen im Kopf von den drei Klaren zum Kehraus und nicht etwa der allgemeinen Weltenlage herrührt. Aber jetzt ist ja ohnehin alles wieder vorbei: Aschermittwoch. Doch während manch einer nun an seinem Hering zuzelt und bang an die 40 bevorstehenden Tage Kräutertee denkt, ist es das ja gerade nicht, nichts ist vorbei, weder im Fasching noch in der Fastenzeit. Und das ist wahrlich ein Elend.

    Denn wenn Verzicht ebenso wie Narretei mittlerweile 365 Tage allgegenwärtig sind in Film, Funk und diesem Internet, ja selbst in Regierungszentralen – was soll das Ganze also noch? Vielleicht bedarf es ergänzend dazu eines kleinen historischen Exkurses, aber in früheren Zeiten regelten, strukturierten Phasen des Feierns, der Ausschweifung abwechselnd mit denen der arbeitsamen Askese einen Jahreslauf. Gerade der Fasching hatte jahrhundertelang eine gesellschaftliche Funktion, nämlich in anarchischer Ausgelassenheit das Oberste nach unten zu kehren und umgekehrt. Nur: Was bringt eine solche Unordnung als Kontrast zu einer Welt, in der es ebenfalls keine Ordnung mehr zu geben scheint?

    Stellenabbau? Sollen sie doch Krapfen essen

    Freilich war das damals auch ein Herrschaftsinstrument, aber schauen wir uns die Herrschaften heute doch mal an. Denn wenn etwa der mächtigste Mann der Welt wie ein karnevalesker Kakadu mit orangenem Kamm auf den Bühnen seiner Kundgebungen tänzelt, im nächsten Moment Grönland einfordert und daneben in Davos eine Büttenrede hält, auf der sich leider gar nichts reimt – ist das nicht alles Irrsinn? Wie auf einem Narrenschiff? Den schwankenden Boden spüren jedenfalls alle, und verzichten täte man gerne darauf, notfalls mit einem Scharfen Hüpfer. Aber auch damit ist es ja so eine Sache, wo doch hierzulande die Saftkur für das ganze Jahr ausgerufen wird, also für Arbeitnehmer: Nix mehr „Work-Life-Balance“, Teilzeit-Gedöns, stattdessen Gürtel enger schnallen – dann klappt’s aus Sicht des Berliner Kanzleramts auch wieder mit dem Bruttosozialprodukt.

    Davon abgesehen, dass diese Annahme für viele schaffende, ab und an aber eben auch feiernde Menschen beleidigend, mindestens aber laut zig Studien nicht einmal so gedeckt ist wie die Kasse des Karnevalsvereins in Köln-Porz morgens um halb vier: Vielleicht kann man auch einmal in eine andere Richtung schauen, wenn es gilt, die Produktivität zu erhöhen. Im Management, auch dazu gibt es Untersuchungen, war der Stellenzuwachs in den letzten fünfzehn Jahren jedenfalls kein geringer, und klar: Warum nicht zwischen selbstgeschaffenen Hierarchien und den eigenen Bürokratien mittels Powerpoint-Präsentationen der Mittagspause entgegenklicken, während man etwa die Autoindustrie versenkt? Stellenabbau? Verzicht? Mei, sollen sie doch Krapfen essen!

    Selbstoptimiert der Grube entgegenhüpfen

    Wobei: Verzichtet wird ja andernorts längst auch schon ganz freiwillig, Stichwort Selbstoptimierung. Der heißeste Shit ist momentan „Longevity“, Langlebigkeit, und das klingt nicht von ungefähr wie ein Leichtlauföl für den dicken Karren, den man sich damit alsbald leisten wollen kann, beziehungsweise wie aus der Werbung für einen Batteriehersteller. Denn darum geht es: Wie ein Duracell-Häschen möglichst ausdauernd produzierend und konsumierend der Grube entgegenzuhüpfen.

    Entschuldigen Sie, aber das musste mal raus. So. Und nun Aschermittwoch, Smartphone weg, nicht irre machen lassen, Kräutertee (wer mag mit einem kleinen Schuss).

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