Sobald die ersten warmen Frühlingstage kommen, sind sie wieder da: kleine, feuerrote Wanzen, die in großen Gruppen über Gehwege, Hauswände und Baumstämme krabbeln. Kaum zu übersehen – und für manche auch kaum zu ertragen. Wegen ihrer auffälligen rot-schwarzen Färbung wirken sie auf viele Menschen bedrohlich – fast so, als könnten sie giftig sein. Kein Wunder also, dass sie schnell als Ungeziefer abgestempelt werden. Doch der Eindruck täuscht: Tatsächlich können Feuerwanzen im Garten ziemlich nützlich sein. Warum sollte man die kleinen Krabbler also lieber nicht bekämpfen?
Insekten: Was sind Feuerwanzen?
Ein feuerroter Körper mit schwarzen Flecken – damit gehören Feuerwanzen zu den auffälligsten Insekten ihrer Art. Mit den ersten Sonnenstrahlen des Frühlings tauchen die kleinen Tiere laut dem Naturschutzbund Brandenburg (NABU) wieder auf, und das oft in großer Zahl. Den Winter über verstecken sich Feuerwanzen meist unter der Erde oder zwischen Laub und Steinen. Ab Mitte März kommen sie aus ihrem Winterquartier hervor.
Die leuchtend roten Wanzen werden zwischen neun und zwölf Millimeter lang. Sie besitzen zwar Flügel, doch diese sind überwiegend relativ kurz ausgebildet, weshalb sie in der Regel nicht fliegen können. Auch ihr Liebesleben ist spannend: Feuerwanzen können sich dem NABU zufolge mehrere Stunden lang paaren – manchmal sogar bis zu 30 Stunden. Dabei sind sie voneinander abgewandt und bewegen sich weiterhin fort. Nach der Paarung legen die Weibchen etwa 60 Eier.
Feuerwanzen: Sind diese Insekten für den Menschen gefährlich?
Einige Wanzenarten können für Menschen problematisch werden. So etwa Bettwanzen, die sich oft in Wohnungen breitmachen. Zwar übertragen sie laut dem ADAC keine Krankheiten, doch ihr Stich kann einen geröteten, juckenden Fleck hinterlassen. Wie bei vielen Insektenstichen sind auch hier allergische Reaktionen möglich – von schmerzhaften Hautausschlägen oder Schwellungen bis hin zu einem anaphylaktischen Schock.
Feuerwanzen hingegen sind für Menschen – und auch für Pflanzen – völlig ungefährlich. Weder übertragen sie Krankheiten noch richten sie Schäden an Pflanzen an, berichtet der NABU.
Auch spannend: Feuerwanzen sollte man nicht zerdrücken. Sobald sie sich bedroht fühlen, können sie, wie die Tierrechtsorganisation PETA erklärt, ein übel riechendes Sekret absondern. In der Wohnung kann sich der Geruch schnell festsetzen. Entdeckt man eine Feuerwanze oder andere Wanzenarten im Haus, ist es daher ratsam, das Insekt vorsichtig nach draußen zu tragen.
Nützliche Insekten: Warum sollte man Feuerwanzen nicht bekämpfen?
Für manche gelten Feuerwanzen als lästige Plagegeister. Dennoch sollte man sie nicht bekämpfen. Nicht nur, weil sie bei Bedrohung ein stinkendes Sekret absondern, sondern vor allem, weil sie äußerst nützlich sein können. Laut dem NABU gibt es gleich vier Gründe, warum man sich über Feuerwanzen im eigenen Garten freuen sollte:
- „Rot-schwarze Müllabfuhr“: Feuerwanzen werden vom NABU sogar als „rot-schwarze Müllabfuhr“ bezeichnet. Mit ihrem für Wanzen typischen Stechrüssel saugen sie heruntergefallene Samen, tote Insekten und andere Pflanzenreste auf und halten den Garten damit sauber und aufgeräumt.
- Natürliche Schädlingskontrolle: Zusätzlich tragen Feuerwanzen dazu bei, dass die Population von Gartenschädlingen nicht überhandnimmt. Zu ihrem Speiseplan gehören verschiedene Insekten- und Schneckeneier. Damit unterstützen sie auf natürliche Weise das Gleichgewicht im Garten.
- Mückenabwehr: Wer häufig von Mücken gestochen wird, kann sich besonders über Feuerwanzen freuen. Denn die Insekten sondern einen speziellen Geruch ab, der Fliegen und Mücken fernhält. Für Menschen ist dieser kaum wahrnehmbar.
- Bestäubung: Feuerwanzen tragen auch indirekt zur Bestäubung von Pflanzen bei. Zwar bestäuben sie nicht wie Hummeln oder Bienen aktiv Blüten, doch indem sie sich über Blätter und Blüten bewegen, können sie Pollen verbreiten und so zur Vermehrung von Pflanzen beitragen.
Außerdem hat die Feuerwanze der Wissenschaft zu einem echten Durchbruch verholfen. Wie der NABU erklärt, zeigten Beobachtungen der kleinen Tiere erstmals, dass das Geschlecht nicht durch äußere Einflüsse wie die Temperatur bestimmt wird, sondern genetisch festgelegt ist. 1891 entdeckte der Zoologe Hermann Henking bei Untersuchungen unter dem Mikroskop das X-Chromosom – ein Meilenstein, der das Verständnis von Vererbung revolutionierte.
Die leuchtend roten Wanzen im Garten sind also nicht nur nützlich, wenn es um die Schädlingsbekämpfung geht, sondern haben sogar der Wissenschaft entscheidende Hinweise geliefert – Grund genug, sie in Frieden zu lassen.
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