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Führerschein machen in Österreich: Mit dem Taferl und einer Begleitperson dürfen Jugendliche ans Steuer

Führerschein

Fahrstunden bei Mama und Papa: So funktioniert das „Taferl“-Modell in Österreich

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    In Österreich dürfen Jugendliche beim L17-Modell mit ihren Eltern als Begleitperson für die praktische Prüfung üben und Fahrerfahrung sammeln.
    In Österreich dürfen Jugendliche beim L17-Modell mit ihren Eltern als Begleitperson für die praktische Prüfung üben und Fahrerfahrung sammeln. Foto: Armin Weigel, dpa

    Gleich dreimal hintereinander hat Martina Holub den Job einer Fahrlehrerin übernommen – und bereut hat es die mehrfache Mutter nicht. Im Gegenteil: Zwei Söhne und zuletzt ihre Tochter hat Holub auf dem Weg zur Fahrprüfung begleitet, erst vergangenen Sommer hat die Jüngste die Fahrprüfung bestanden und ist nun stolze Führerschein-Besitzerin. „L17“ heißt in Österreich jene Variante des Fahrtrainings vor der Führerscheinprüfung, bei dem die Fahrschüler mit dem eigenen Auto und eben einer Begleitperson – meist sind es die Eltern – das Fahren lernen.

    Seit 27 Jahren gibt es das Modell – und es erfreut sich großer Beliebtheit. Fast ein Drittel der 17-Jährigen in Österreich macht den Schein mit dem „Taferl“, benannt nach dem weißen „L“ auf blauen Grund, das an der Heckscheibe angebracht wird und den Lenker als Fahrschüler ausweist. Von allen 2024 erworbenen Pkw-Lenkberechtigungen waren laut Statistik Austria rund 37 Prozent vorher „L17“-Fahrschüler – Tendenz seit Jahren steigend. In ländlichen Gegenden, wo der Weg zu Fahrschulen weit ist, trainiert der Großteil der Jugendlichen mit Mama oder Papa vor dem Antritt zur Führerscheinprüfung. Beim „begleiteten Fahren“ in Deutschland absolvieren die Jugendlichen erst ihre Prüfungen und dürfen dann bis zum 18. Geburtstag nur in Begleitung fahren.

    Die ersten Fahrstunden übernimmt ein Fahrlehrer

    Die Voraussetzungen sind seit Einführung des Modells im Wesentlichen dieselben: Mindesten fünfzehneinhalb Jahre müssen die Kandidatinnen und Kandidaten alt sein, zuvor müssen 32 Theorie-Einheiten und zwölf praktische Fahrstunden in der Fahrschule absolviert werden. Nachgewiesen werden muss auch die gesundheitliche Eignung. Bis zur praktischen Prüfung muss ein Erste-Hilfe-Kurs absolviert werden. Nach einer Einweisung für Prüfling und Begleiter kann es losgehen: Gefahren werden kann mit jedem zugelassenen Fahrzeug, die Begleitpersonen dürfen keine schweren Verkehrsdelikte im Gepäck haben und müssen selbst seit mindestens sieben Jahren den Führerschein haben. 

    Martina Holub hat die 9000 Kilometer genossen, die sie insgesamt mit allen drei Kindern absolviert hat, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion – wirklich Nerven hat das Üben nicht gekostet. Das liege vor allem daran, dass ihre Kinder das nötige „Grundgerüst“ mitgebracht hätten: „Alle drei sind keine Draufgänger und wollten schon mit 15 einfach mobil sein“, sagt die Wienerin. Theoretisch seien ihre Kinder von der Schule bestens vorbereitet gewesen und auch für sie als Begleitperson habe es Vorteile gegeben: „Man selbst bekommt auch vieles wieder in Erinnerung gerufen. Es ist so auch eine Art ‚Auffrischungskurs‘ für die Begleitfahrer.“ Zudem sei die Zeit „sehr beziehungsfördernd“ gewesen, sagt Holub: „Ich habe noch nie so viel Zeit mit meinen pubertierenden Jungs verbracht, als während dem L17-Fahren.“ Alle 1000 Kilometer kommt ein Fahrlehrer zu einer Überprüfungsfahrt hinzu. Die finale praktische Fahrprüfung kann nach Vollendung des 17. Lebensjahres und im eigenen Auto oder in einem Fahrschul-Auto abgelegt werden. Für die Führerscheinneulinge gilt dann vorerst eine Probezeit von drei Jahren. 

    Im L17-Modell kostet der Führerschein 1900 Euro

    Christian Vereby hat jahrzehntelange Erfahrung als Fahrtrainer, er ist Inhaber der Fahrschule „Am Campus“ im 9. Wiener Gemeindebezirk. Das L17-Ausbildungs- und Prüfungspaket in seiner Fahrschule kostet rund 1900 Euro. Auch er betont das anhaltende Interesse an „L17“ an seinem Institut – auch wenn in Wien selbst, im Vergleich zu den Bundesländern, der Anteil der „Taferl“-Fahrer weit geringer ausfällt. „Das Modell ist dann gut, wenn der Begleiter gut ist – und wenn der Kandidat die Grundreife hat“, bilanziert Vereby: „Durch das viele Kilometer-Sammeln ist die Praxiserfahrung eine viel höhere, im Vergleich zum Normalkurs im Fahrschulauto.“ Mit dem „Taferl“ könne man ein Vielfaches mehr an Verkehrssituationen erleben. „Klar würde ein Fahrlehrer es besser rüberbringen, als der Begleiter – aber die vielen Kilometer wiegen das sicher auf. Der größte Vorteil von „L17“ sei klar, dass die künftigen Fahreinsteiger beträchtlich mehr Routine aufbauen können. Auch das Handling des Fahrzeugs beherrschen die „L17-er“ besser, sagt der Fahrlehrer. 

    Das Modell habe natürlich auch Nachteile, etwa wenn der Begleitfahrer nicht die nötige Routine und der Bewerber noch nicht die Grundreife mitbringe – „und da sind die Mädels deutlich weiter als die Burschen“, sagt der Fahrlehrer. Nicht jeder sei in diesem Alter schon so weit, die Gefahren im Straßenverkehr richtig einschätzen zu können. „Mit den Mädels habe ich wesentlich weniger Troubles.“ Junge Männer seien etwas risikobereiter. „Was wichtig ist bei den Begleitern: Sie müssen sich mit der Materie Verkehr wieder auseinandersetzen, sich selbst einlesen“, weiß Vereby. „Die meisten haben seit über 20 Jahren den Führerschein, in dem Zeitraum gab es natürlich zahlreiche Änderungen.“ Das sei „ein kleines Minus“ beim österreichischen Modell: Begleiter bekämen nur 50 Minuten Einschulung in der Fahrschule: „Da kann ich wirklich nur die Basics vermitteln.“

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