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Heilendes Gift: Könnte Deutschlands giftigste Spinne helfen, Menschenleben zu retten?

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Heilendes Gift: Könnte Deutschlands giftigste Spinne helfen, Menschenleben zu retten?

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    Der Ammen-Dornfinger gilt als eine der größten Spinnen in Mitteleuropa. In Deutschland ist sie zudem die giftigste.
    Der Ammen-Dornfinger gilt als eine der größten Spinnen in Mitteleuropa. In Deutschland ist sie zudem die giftigste. Foto: Tobias Hauke, stock.adobe.com

    Angst, Ekel oder Albträume: Auch wenn einige Spinnenarten als süß angesehen werden können, lösen die Achtbeiner bei den meisten Menschen doch eher negative Gefühle aus. Dabei können Spinnen im Haus und Garten durchaus nützlich sein. Eine Art – genau genommen die giftigste Spinne Deutschlands – könnte nun sogar die Medizin vorantreiben.

    Zu diesem Ergebnis sind Forschende der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und des Fraunhofer Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (IME) laut einer Mitteilung der JLU gekommen. Sie haben in einer Studie, die im Oktober 2025 im Fachmagazin Communications Biology veröffentlicht wurde, das Gift des Ammen-Dornfingers aufgrund seiner besonderen Zusammensetzung analysiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sich daraus neue Perspektiven für die Suche nach Wirkstoffen gegen zellbasierte Krankheiten – zum Beispiel Krebs – ergeben. Könnte der giftige Achtbeiner mit dem wissenschaftlichen Namen „Cheiracanthium punctorium“ also Menschenleben retten?

    Ammen-Dornfinger: Warum ist das Gift der Spinne besonders?

    Der Ammen-Dornfinger gehört mit einer Körperlänge von etwa 1,5 Zentimetern laut dem Nabu zu den größten Spinnen in Mitteleuropa. Der Vorderkörper der Spinne ist rötlich gefärbt, der Hinterleib gelblich bis olivgrün. Besonders durch die kräftig ausgeprägten Kieferklauen und die schwarzen Giftklauen sticht die nachtaktive Spinne hervor. Auch die behaarten, orangen Beine wirken mit ihren drei bis vier Zentimetern Länge im Vergleich zum restlichen Körper ungewöhnlich lang.

    Der Ammen-Dornfinger ist aufgrund seines besonderen Aussehens leicht zu erkennen.
    Der Ammen-Dornfinger ist aufgrund seines besonderen Aussehens leicht zu erkennen. Foto: Tobias Hauke, stock.adobe.com

    Besonders ist die Spinne außerdem wegen ihres Gifts. Den Studienautoren zufolge setzen die meisten Spinnen ihr Gift nämlich zur Beutejagd ein. Es hat dann oft eine lähmende Wirkung. Der Ammen-Dornfinger hingegen produziert ein überwiegend defensives Gift. Damit schützt die Spinne ihr sogenanntes Brutgespinst und vor allem ihren Nachwuchs.

    Nicht nur Fressfeinde, sondern auch größere Tiere und Menschen können so abgewehrt werden. Laut der JLU ist der Ammen-Dornfinger nämlich die giftigste Spinne in Deutschland. Dank ihrer Kieferklauen ist sie dem Nabu zufolge eine der „ganz wenigen“ Arten in Mitteleuropa, die die menschliche Haut durchdringen und ihr Gift injizieren können. Die Mischung aus gewebe- und blutschädigenden sowie Nervengiften bringt unangenehme Folgen mit sich, die denen eines Wespenstichs ähneln: Stechende Schmerzen an der Bissstelle und Schwellungen gelten als normal. Kommt es zu weiteren Symptomen wie Fieber, Kreislaufversagen, Schwindel, Schüttelfrost oder Erbrechen, muss der Biss medizinisch behandelt werden.

    Schön oder auch nur gesund klingt das eigentlich nicht. Wie kann das Gift des Ammen-Dornfingers also die Forschung für medizinische Wirkstoffe voranbringen?

    Heilendes Gift: Könnte Deutschlands giftigste Spinne helfen, Menschenleben zu retten?

    Spinnengift ist in der Medizinforschung nicht neu, wurde laut der JLU bisher allerdings fast ausschließlich für die Suche nach neuen Strukturen für die Behandlung neuronaler Krankheiten eingesetzt. Das Gift des Ammen-Dornfingers ähnelt in seinem Aufbau und der defensiven Wirkung aber eher dem Gift von Bienen als dem anderer Spinnenarten. „Wir haben einen ganzen Katalog an neuen, spannenden Toxinen identifiziert und konnten zeigen, wie der Ammen-Dornfinger so schmerzhafte Vergiftungen verursachen kann“, erklärt Studienautor, Biochemiker und Zoologe Dr. Tim Lüddecke in der JLU-Mitteilung.

    Das Gift des Ammen-Dornfingers könnte aufgrund seiner Zusammensetzung möglicherweise die Krebs- und Tumorforschung vorantreiben.
    Das Gift des Ammen-Dornfingers könnte aufgrund seiner Zusammensetzung möglicherweise die Krebs- und Tumorforschung vorantreiben. Foto: Krzysztof, stock.adobe.com

    Das Gift des Ammen-Dornfingers enthält den Forschenden zufolge viele Komponenten, die – ähnlich wie Bienengift – Zellstrukturen rund um den Biss angreifen und damit starke lokale Effekte verursachen können. „Dafür verantwortlich sind vor allem ein Toxintyp namens CPTX sowie das Enzym Phospholipase A2“, sagt Lüddecke. Letzteres ist bei Spinnen laut der JLU nur im Ammen-Dornfinger „in bedeutenden Mengen“ zu finden, kommt grundsätzlich aber bei vielen Tieren, primär bei Insekten, vor, die ihr Gift zur Verteidigung einsetzen.

    Die Evolution reagiere hier offenbar „mit ähnlichen biomolekularen Lösungen auf vergleichbare Problemstellungen, obwohl die jeweiligen Arten nicht nahe verwandt sind“, sagt Lüddecke. Für die Suche nach Wirkstoffen in der Medizin könnte diese Beobachtung zu neuen Ansätzen führen. So kann das Gift des Ammen-Dornfingers in seiner Zusammensetzung verschiedene Zelltypen attackieren. Daraus könnten sich mögliche Anwendungen bei zellbasierten Krankheiten – etwa bei Krebs oder in der Tumortherapie – ergeben, sagt Lüddecke. So könnte die giftigste Spinne Deutschlands also zumindest zur Rettung von Menschenleben beitragen.

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