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Jahrhundert-Einbruch in Louvre: Wo sind die Kronjuwelen?

Raubüberfall

Jahrhundert-Einbruch in Louvre: Wo sind die Kronjuwelen?

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    Die Täter stahlen auch die Krone der französischen Kaiserin Eugénie. Später wurde sie beschädigt in der Nähe des Louvre gefunden.
    Die Täter stahlen auch die Krone der französischen Kaiserin Eugénie. Später wurde sie beschädigt in der Nähe des Louvre gefunden. Foto: Stephane De Sakutin, AFP/dpa

    Eigentlich hätte dieser Montag so verlaufen sollen wie immer. Das meistbesuchte Museum von Paris und der Welt sei mit Ausnahme einiger Bereiche geöffnet, hieß es am Morgen. Wenig später dann die Meldung: Der Louvre bleibe den ganzen Tag über geschlossen. An diesem Dienstag folgt der wöchentliche Ruhetag. Und das ist das Einzige, das seinen regulären Gang geht.

    Eine schnelle Rückkehr zur Normalität ist nach dem spektakulären Raubüberfall vom Sonntag, den Medien als „Jahrhundert-Einbruch“ bezeichnen, unmöglich. Nicht nur das dreiste Vorgehen der Täter entsetzt viele Menschen weit über Paris hinaus. Es ist vor allem die Tatsache, dass die Täter am helllichten Tag acht Schmuckstücke der französischen Kronjuwelen an sich reißen konnten. Diskutiert wird nun: Hätte dies verhindert werden können – oder vielmehr müssen?

    Erst im Juni streikten Angestellte für mehr Sicherheitspersonal

    Mehrere Gewerkschaften betonten, dass sie seit Langem mehr Sicherheitspersonal fordern. Ein Bericht des Rechnungshofs hatte auf Verzögerungen bei der technischen Überwachungsausstattung hingewiesen. In die Schusslinie der Kritiker ist neben Direktorin Laurence des Cars, die bei einer spontan einberufenen Mitarbeiterversammlung am Sonntagnachmittag ausgebuht wurde, vor allem Kulturministerin Rachida Dati geraten. Erst im Juni hätten Angestellte durch einen Streik auf den Mangel an Sicherheitsmitarbeitern aufmerksam gemacht, sagte der kommunistische Stadtrat Ian Brossat. „Warum hat die Ministerin ihre Warnungen nicht angehört?“ Dati erklärte dagegen, das Alarmsystem des Louvre habe funktioniert. Das Sicherheitspersonal habe das vorgesehene Protokoll angewendet. Der Einbruch sei „besonders schnell und brutal“ verlaufen.

    Auch Halskette und Ohrringe von Kaiserin Marie-Louise wurden geraubt.
    Auch Halskette und Ohrringe von Kaiserin Marie-Louise wurden geraubt. Foto: Stephane De Sakutin, AFP/dpa

    Tatsächlich dauerte der Raub insgesamt lediglich sieben Minuten. Fest steht inzwischen: Die Täter hatten ein Fahrzeug mit einem Umzugslift an einer Seitenmauer des Museums geparkt. Auf diese Weise gelangten zwei Vermummte in Warnwesten auf einen Balkon des Gebäudes und von dort aus, nachdem sie zwei Fenster mit einem Trennschleifer zerstört hatten, direkt in die Apollon-Galerie. In dieser befinden sich Schmuckstücke aus der Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV. sowie der napoleonischen Kaiserzeit.

    Während sich die Wachen mit rund zehn schockierten Besuchern in einer Ecke des Saals verschanzten, zerstörten die Männer Vitrinen, um den Schmuck zu entnehmen. Daraufhin flohen sie auf demselben Weg. Unterhalb der Fenster warteten zwei Komplizen auf jeweils einem Motorrad. Darauf, dass das Museumspersonal in den Coup involviert gewesen sein könnte, deutet derzeit nichts hin. Im Gegenteil: Mitarbeiter hätten die Täter in die Flucht geschlagen, so das Kulturministerium. „Die Einbrecher hatten den Ort vorher wohl genau erkundet und waren sehr versiert“, sagte Innenminister Laurent Nuñez. Die Fahndung läuft auf Hochtouren.

    Unter den acht erbeuteten Objekten befinden sich ein Diadem der Königinnen Marie-Amélie und Hortense und eine Smaragdkette von Kaiserin Marie-Louise. Eine mit rund 1400 Diamanten besetzte Krone der Kaiserin Eugénie, der Frau von Napoleon III., verloren sie. Sie wurde beschädigt am Boden gefunden.

    Experten sichern Spuren an einem Fenster, durch das die Diebe in den Louvre einbrachen.
    Experten sichern Spuren an einem Fenster, durch das die Diebe in den Louvre einbrachen. Foto: Thibault Camus, AP/dpa

    Man gehe vor allem der Spur des organisierten Verbrechens nach, sagte die Chefanklägerin von Paris, Laure Beccuau. „Die Täter handelten entweder für einen Auftraggeber oder mit dem Ziel, wertvolle Diamanten im Rahmen von Geldwäsche-Operationen zu verkaufen.“ Zur Aussage des Kulturministeriums, dass die Beute einen „unschätzbaren Wert“ habe, sagte ein Schmuckexperte: „Natürlich lässt er sich schätzen, er ist astronomisch hoch. Aber was diesen Diebstahl besonders unerträglich macht, ist der Verlust von Kulturerbe.“ In ihrem aktuellen Zustand seien die Schmuckstücke unverkäuflich. Daher bestehe ein großes Risiko, dass sie auseinandermontiert und einzeln weiterverkauft werden. So seien sie möglicherweise nie mehr ausfindig zu machen. Und das Gold lasse sich einschmelzen.

    Der Innenminister ordnete verstärkte Sicherheitsmaßnahmen in allen Museen an

    Präsident Emmanuel Macron versprach, die Täter „vor die Justiz“ zu stellen. Gelungen ist das in der Vergangenheit nicht in jedem Fall. So ist ein 1998 aus dem Louvre gestohlenes Gemälde von Camille Corot seitdem nicht mehr aufgetaucht. Dasselbe gilt für fünf Bilder, die Unbekannte 2010 bei einem Einbruch in das Museum für Moderne Kunst in Paris mitgenommen haben.

    Innenminister Nuñez ordnete am Montag verstärkte Sicherheitsmaßnahmen in allen Museen im Land an. Zuletzt hatten sich Diebstähle gehäuft: Im September wurden im Museum für Naturgeschichte in Paris sechs Kilogramm Goldklumpen gestohlen, und in einem Museum in Limoges Porzellan im Wert von 6,5 Millionen Euro.

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