Tirol lockt mit seiner Alpenlandschaft und weiteren Sehenswürdigkeiten jedes Jahr zahlreiche Touristen an. In den Bergen bieten einige Skigebiete besonders gute Schnee-Bedingungen – zum Skifahren, aber auch für Winterwanderungen. Auf einigen Campingplätzen in Tirol kann man sogar direkt an der Piste schlafen.
Auch wenn das winterliche Tirol in einigen Regionen sicherlich an Norwegen, Schweden oder Island erinnern kann, würde man ein Naturspektakel der nördlichen Länder in Österreich eher nicht erwarten: Polarlichter. Trotzdem kommt das manchmal vor – zuletzt in der Nacht auf den 20. Januar 2026. Laut dem Space Weather Office der GeoSphere Austria ist ein starker Sonnensturm auf das Magnetfeld der Erde getroffen und hat so weltweit in vielen Regionen Polarlichter am Himmel verursacht, auch in Österreich. Waren die Lichter auch in Tirol zu sehen?
Übrigens: Wer einen Urlaub in Tirol plant oder auf der Durchreise – zum Beispiel in Richtung Gardasee – ist, sollte eine wichtige Verkehrsregel kennen. Das österreichische Bundesland hat nämlich für bestimmte Zeiten Abfahrverbote für einige Straßen eingeführt. Auch eine sogenannte Dosierampel sorgt in Tirol für Staugefahr. In Österreich müssen Autofahrer sich für die Autobahn außerdem eine Vignette besorgen. Das klassische „Pickerl“ gibt es bald aber nicht mehr.
Kann man in Tirol Polarlichter sehen?
Bei Polarlichtern denkt man typischerweise eher an nördlichere Regionen. Bilder aus der Nacht vom 19. auf den 20. Januar 2026 zeigen aber eindrücklich, dass man die Aurora Borealis auch in Tirol sehen konnte. Wie der ORF Tirol berichtet, waren die Lichter in der Nacht bis über die Alpen zu sehen. In den Sozialen Medien seien Aufnahmen aus ganz Tirol aufgetaucht. Einige davon hat der Sender auf seinem Instagram-Kanal veröffentlicht:
Wie kam es aber eigentlich zu dem Phänomen? Laut dem Space Weather Office der GeoSphere Austria ist die Zahl an Polarlichtern seit 2024 relativ groß, was mit den natürlichen Schwankungen der Sonne zusammenhängt. „Wir befinden uns derzeit im Maximum des sogenannten elfjährigen Sonnenzyklus. In dieser Phase bildet die Sonne vermehrt Magnetfelder, die als Sonnenflecken sichtbar sind. Diese Phase hält auch 2026 noch an. Ab 2027 wird sie wieder schwächer, bis der nächste Zyklus Anfang der 2030er Jahre einsetzt“, erklärt Christian Möstl vom Space Weather Office.
Und: Der aktuelle Sonnensturm war dem Experten zufolge zudem ungewöhnlich stark und schnell. Vergleichbare Messwerte habe es seit den Aufzeichnungen des Dienstes ab 1995 noch nie gegeben. „Bemerkenswert ist, dass dieser außergewöhnlich starke Sonnensturm nicht den stärksten geomagnetischen Sturm des aktuellen Sonnenzyklus ausgelöst hat, aber immerhin eine der vier stärksten Polarlichtnächte“, erklärt Möstl – mit ein Grund, warum die Lichter auch über Österreich und speziell Tirol zu sehen waren. Insgesamt sind Polarlichter in dieser Region trotzdem eher selten.
Dass die Polarlichter jetzt so gut zu sehen waren, sei auf die Ausrichtung des Magnetfeldes im Inneren des Sonnensturms zurückzuführen, erläutert der Wissenschaftler. Dieses war nämlich „ungünstig orientiert, um effizient mit dem Erdmagnetfeld zu koppeln“. So sind also nur die Lichter am Himmel entstanden. Mit einer anderen Ausrichtung hätte der geomagnetische Sturm im Januar 2026 allerdings der stärkste seit 1921 sein können. Statt Polarlichtern wären dann großflächige Stromausfälle möglich gewesen, sagt Möstl.
Polarlichter: Was ist das eigentlich und wie entstehen die Lichter am Himmel?
Polarlichter zeigen sich als rote und grüne Lichtbänder am Nachthimmel. Berichte über das Naturschauspiel gibt es laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bereits seit 2000 Jahren. So glaubten die Wikinger etwa, dass es sich bei dem Leuchten um eine Reflexion des Mondlichts auf den Rüstungen der Walküren – das sind mächtige Kriegerinnen aus der nordischen Mythologie – handelte. Die naturwissenschaftliche Erklärung kommt aus der Astronomie. Zum Verständnis müssen dafür zunächst einige Begriffe geklärt werden:
- Sonnenwind: Als Sonnenwind wird laut dem DLR der stetige Strom elektrisch geladener Teilchen bezeichnet, den die Sonne ins All strahlt.
- Sonnensturm: Ist der Sonnenwind besonders stark, wird von einem Sonnensturm gesprochen. Die elektrisch geladenen Teilchen können dann bis in die Erdatmosphäre vordringen.
- Erdmagnetfeld: Das Magnetfeld der Erde schirmt die Erdoberfläche vom größten Teil der hochenergetischen Teilchen der Sonne ab.
Polarlichter entstehen dem DLR zufolge, wenn der Sonnenwind auf die Atmosphäre der Erde trifft. Im Normalfall werden die elektrisch aufgeladenen Teilchen durch das Erdmagnetfeld abgeblockt. Handelt es sich allerdings um einen Sonnensturm, können die Elektronen und Protonen der Sonne bis in die Erdatmosphäre vordringen. Das passiert vor allem in den Polarregionen, weil das Magnetfeld der Erde hier senkrecht auf die Erdoberfläche trifft.
Treffen Sonnenteilchen auf die Erdatmosphäre, regt der Teilchenschauer dort die Luftmoleküle zum Leuchten an. Laut dem DLR strahlen energetisch angeregte Sauerstoffatome in etwa 100 Kilometer Höhe grünes Licht ab; rotes Licht stammt von Sauerstoffatomen in etwa 200 Kilometern Höhe. Polarlichter können außerdem violett bis blau leuchten. Dafür müssen allerdings Stickstoffatome angeregt und zum Leuchten gebracht werden, was sehr große Energien erfordert.
Im Gegensatz zu den Polarregionen handelt es sich bei Polarlichtern in mittleren Breiten, also auch in Europa, um außergewöhnliche Ereignisse. Dort erscheint das Leuchten dem DLR zufolge zudem meist in roten Farbtönen, weil Sonnenstürme hier nur selten tiefer in die Erdatmosphäre eindringen können.
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