Gut vorstellbar, dass es so war: „Wir brauchen einen Sonntagskrimi zum Weltfrauentag.“ – „Worüber genau?“ – „Gewalt gegen Frauen? Was mit 'nem Frauenhaus?“ – „Haben die Dortmunder ,Tatort‘-Kollegen erst abgedreht.“ – „Dann was mit christlichen Abtreibungsgegnern? Was ,my body, my choice‘-Mäßiges? Selbstbestimmung?“ – „Super Idee! Und Brasch ist persönlich betroffen.“
Vielleicht war's auch ganz anders. Das Ergebnis allerdings, die Magdeburger „Polizeiruf 110“-Folge „Your Body My Choice“ (Dein Körper, meine Wahl) ist geworden, wie ihre rein fiktive Entstehung klingt: unoriginell. Noch dazu ist Annika Tepelmanns (Drehbuch) und Franziska Schlotterers (Regie) Krimidrama (Sonntag, ARD, 20.20 Uhr) kriminell undramatisch. Alles zu naheliegend, alles zu langsam, alle Figuren zu blass. Und das bei großartigen Schauspielern wie Claudia Michelsen als Kommissarin Doreen Brasch und Felix Vörtler als Kriminalrat Uwe Lemp.
Neuer Polizeiruf 110 aus Magdeburg: Zu pathetisch dräuenden, flächigen Synthesizer-Sounds wird ein Klischee ans andere gereiht
Dabei wäre der Stoff ja dramatisch: Eine junge Polin, die nach Deutschland kommt, um einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen; eine Ermittlerin Brasch, die erzählt, dass auch sie ungewollt schwanger geworden sei. Sie habe sich gegen eine Abtreibung entschieden – und heute zu ihrem erwachsenen Sohn keinen Kontakt.
Doch statt tief ins Denken und Fühlen der Figuren vorzudringen, wie das in der aus unverständlichen Gründen abgesetzten „Polizeiruf“-Halle-Trilogie gelang, dürfen die Schauspieler bloß bedeutungsschwer schauen und seufzen. Müssen Sätze sagen wie Dr. Doro Schöller-Hahnfeld (Jenny Schily), deren Mitarbeiterin getötet wurde: „Ich will einfach nur meine Arbeit machen und Frauen helfen. Aber das gesellschaftliche Klima wird immer feindseliger.“ Und zu pathetisch dräuenden, flächigen Synthesizer-Sounds wird ein Klischee ans andere gereiht, als ob es dafür Bonuspunkte gäbe, einzulösen beim nächsten „Polizeiruf“.
Ein schnell verdächtig Verdächtiger etwa, der sich vor der Frauenarztpraxis zu den frömmelnd-entrückten „Lebensschützern“ hinzugesellt, blickt nicht nur böse. Er trägt eine biedere Jacke, schlüpft in Hausschuhe und puzzelt! Die linke Aktivistin, die als „Abortion Buddy“ (wörtlich: Abtreibungskumpel) ehrenamtlich Frauen begleitet, wurde einst von ihrem Vater geschlagen und kämpft nun in einer Gruppe von Feministinnen, die „Femen“ nachempfunden wurde. Oben ohne mischt sie eine Lebensschützerversammlung auf, die zuvor ein der AfD nachempfundener Politiker aufmischte.
Dass hier so wenige Worte über den Inhalt von „Your Body My Choice“ zu lesen sind? Liegt schlicht daran, dass dieser derart dünn und durchsichtig ist, dass man damit das letzte Fitzelchen Spannung zunichtemachen würde.
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