In Sóller, einem der bekanntesten Urlaubs- und Badeorte auf der Mittelmeerinsel Mallorca, reicht das Trinkwasser nur noch für wenige Tage. Aus Sorge vor einem abrupten Versorgungsstopp hat Bürgermeister Miquel Nadal Vaquer deswegen strikte Sparregeln verhängt. Sollte auch dies nicht helfen, müssen Tausende Einwohner und Urlauber mit empfindlichen Konsequenzen rechnen – und nicht nur dort.
Der Gemeinde zufolge werden die Wasserreserven ohne konsequentes Sparen bald „einen kritischen Punkt erreichen”. Die Aussichten sind düster: Größere Regenfälle seien derzeit nicht in Sicht. In der Stadt sind rund 14.000 Einwohner gemeldet. Hinzu kommen unzählige Zweitwohnungen von Ausländern und jetzt im Sommer zigtausende Feriengäste.
Auch das Bewässern von Gärten, Gemüsegärten und Grünflächen ist nun verboten
Konkret ist laut Bürgermeister nun verboten: das Befüllen privater Pools mit Trinkwasser aus dem städtischen Netz; das Bewässern von Gärten, Gemüsegärten und Grünflächen; das Waschen von Fahrzeugen und Booten sowie die Reinigung von Terrassen, Fassaden und Straßen. Hotels werden zudem angehalten, Spartechnik einzubauen und die Gäste darüber zu informieren, dass kein Wasser verschwendet werden darf. Konkret heißt das zum Beispiel: „Kurz duschen!” Unter der Dusche sollte beim Einseifen der Hahn zugedreht werden. Genauso sollte das Zähneputzen nicht bei laufendem Wasser geschehen.
Auch die städtischen Einrichtungen in Sóller müssen sparen. So wurden zum Beispiel die öffentlichen Schwimmbäder geschlossen. Die Touristen müssen an den Stränden auf die beliebten Duschen verzichten, die ebenfalls stillgelegt wurden. Der Sand an Füßen und Körper muss nun im Meer oder im Hotel abgespült werden. Die Straßenreinigung mit Wasser wurde gleichfalls gestrichen.
Dass Sóller sparen muss, ist ein Signal dafür, wie es um die Versorgung in weiten Teilen der Insel steht. Der Ort mit seinen umliegenden Orangenplantagen, der Trambahn zum Hafen und dem markanten Marktplatz ist eine der am stärksten besuchten Inselgemeinden. Im Sommer ist der Wasserverbrauch am höchsten, während die Quellen im nahen Tramuntana-Gebirge nach einer langen Trockenperiode immer spärlicher fließen. Wenn also die nächsten Tage nicht noch ein Wunder geschieht und sich die Himmelsschleusen weit öffnen, drohen „strengere Einschränkungen“ bei der Wasserversorgung – und sogar zeitweise Abstellungen.
Nahezu ganz Mallorca befindet sich wegen der sinkenden Trinkwasserreserven im Voralarm
Im bekannten mallorquinischen Künstlerdorf Deià, das ebenfalls am Tramuntana-Gebirgszug liegt, ist diese Eskalationsstufe bereits Alltag. Die Gemeinde dreht in mehreren Ortsteilen den Hahn ab. Die betroffenen Kunden, darunter auch mehrere Hotels, bekommen drei Tage die Woche kein Wasser. Konkret: montags, mittwochs und freitags. Wassertankwagen sorgen dafür, dass zeitweise überhaupt noch etwas aus den Leitungen kommt. Die Befüllung von Pools sowie die Gartenbewässerung sind schon länger untersagt.
Nahezu ganz Mallorca befindet sich wegen der sinkenden Trinkwasserreserven im Voralarm. Das bedeutet, die Gemeinden müssen Vorsorge treffen, Notpläne ausarbeiten und die Bevölkerung zum Sparen anhalten. In insgesamt sieben Städten und Dörfern gibt es bereits Beschränkungen. Dass in den meisten touristischen Zentren noch etwas aus den Leitungen kommt, ist vor allem den Meerwasserentsalzungsanlagen zu verdanken. Die drei existierenden Trinkwasserfabriken laufen auf Hochtouren, eine vierte ist geplant. Doch nicht alle Gemeinden sind angeschlossen, das gilt zum Beispiel für Sóller und Deià.
Die Urlauberzahlen wuchsen in den letzten zwei Jahrzehnten um annähernd 50 Prozent
In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Inselbewohner um nahezu 30 Prozent auf fast eine Million gestiegen – auch durch eine immer größere Zahl ausländischer Zweitwohnungsbesitzer. Zudem boomt der Tourismus: Die Urlauberzahlen wuchsen in den letzten zwei Jahrzehnten um annähernd 50 Prozent auf 13,4 Millionen im vergangenen Jahr. Bis Ende 2025 werden knapp 14 Millionen Feriengäste erwartet – ein neuer Rekord. Zugleich nimmt die Zahl wasserschluckender Pools zu. Inzwischen gibt es schon fast 60.000 private Schwimmbäder. Das gleiche gilt für private Brunnen, mit denen Tausende von Landfinca-Besitzern die Grundwasserspeicher anzapfen.
Immer noch wird viel Wasser verschwendet und fließt ungenutzt ins Meer. Das gilt unter anderem für die Abwässer. Nur etwa 40 Prozent des geklärten Schmutzwassers wird wiederverwendet – vor allem für Golfplätze, Landwirtschaft und Grünanlagen. Skandalös sind auch die Leitungsverluste: Durch undichte Rohre versickern vielerorts 40 bis 50 Prozent des aufbereiteten Trinkwassers, bevor es beim Verbraucher ankommt.
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