Rund eine halbe Million Menschen sind allein im vergangenen Jahr hinzugekommen. Nun, mit inzwischen knapp 50 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern, steuert Spanien auf eine symbolische Marke zu.
Während zum Beispiel Deutschland nur noch wenig wächst und andere EU-Staaten sogar Einwohner verlieren, erlebt das Land derzeit einen demografischen Boom. In einer Größenordnung, wie ihn kein anderes großes EU-Land verzeichnet. Bemerkenswert daran: Das Wachstum beruht nicht etwa auf hohen Geburtenzahlen, sondern vor allem auf Zuwanderung.
Noch nie sind so viele Menschen innerhalb so kurzer Zeit nach Spanien gekommen
Der Vergleich mit dem deutschsprachigen Raum zeigt, wie unterschiedlich sich Europas Bevölkerungsentwicklung gerade vollzieht. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wächst die Bevölkerung zwar auch durch Zuwanderung – allerdings in deutlich geringerem Umfang. Während Deutschland nahe der Stagnation bleibt, wächst Österreich moderat und die Schweiz prozentual etwas stärker.
In Spanien dagegen überschritt die Zahl der im Ausland geborenen Einwohner kürzlich erstmals die Marke von zehn Millionen – das sind etwa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Deren Zahl lag zu Jahresbeginn bei rund 49,5 Millionen Menschen. Auf den Balearischen Inseln, zu denen Mallorca gehört, sind inzwischen 30 Prozent der Bewohner Menschen ausländischer Herkunft. In der spanischen Hauptstadt Madrid beträgt die Quote 26 Prozent.
Noch nie in den vergangenen Jahrzehnten sind so viele Menschen innerhalb so kurzer Zeit nach Spanien gekommen. Viele von ihnen stammen aus Lateinamerika, was Integration durch Sprache erleichtert. Zugleich profitieren Arbeitsmarkt und Sozialkassen von der zusätzlichen Erwerbsbevölkerung. Schätzungen zufolge geht fast die Hälfte des überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstums des Landes seit 2022 auf den Beitrag ausländischer Arbeitskräfte zurück.
Spaniens sozialdemokratischer Ministerpräsident Pedro Sánchez verteidigt denn auch den migrationsfreundlichen Kurs seiner Regierung mit dem Hinweis auf einen drohenden „demografischen Winter“. Sollte Spanien nicht gegensteuern, drohe in den kommenden 25 Jahren ein Rückgang der Erwerbsbevölkerung um rund vier Millionen Menschen. Das würde laut Sánchez das derzeitige jährliche Wirtschaftswachstum von über zwei Prozent auf nur noch 0,1 Prozent drücken.
Wird in weiten Teilen Europas über Begrenzung diskutiert, setzt Spaniens Regierung daher auf eine Legalisierung irregulärer Zuwanderer: Hunderttausende „undokumentierte“ Migranten, die sich vor Ende 2025 bereits im Land befanden, sollen in den kommenden Monaten einen regulären Status erhalten.
Das zunehmend angespannte Klima bekommen auch Urlauber zu spüren
Für Debatten sorgt dabei unter anderem die Frage, wo das Bevölkerungswachstum stattfindet. Mit anderen Worten: wo die Menschen leben. Schließlich siedeln 90 Prozent der Einwohner auf lediglich 2,6 Prozent der Landesfläche – eine Konzentration, die im europäischen Vergleich außergewöhnlich ist. Die Ballungsgebiete Madrid, Barcelona, Valencia, Sevilla sowie die Urlaubsregionen Costa del Sol, Mallorca und die Kanaren ziehen den Großteil der Menschen an.
Beispiel Madrid: Die Hauptstadt zählte 2025 erstmals mehr als 3,5 Millionen gemeldete Einwohnerinnen und Einwohner. Hinzu kommen täglich über eine Million Pendler. Gleichzeitig verzeichnete die Hauptstadt mit 11,2 Millionen in- und ausländischen Touristen derart viele Besucher wie nie. Die Belastungen sind mittlerweile unübersehbar: verstopfte Straßen, überfüllte Bahnen und Busse, lange Wartezeiten im Gesundheitswesen. Hinzu kommt eine massive Wohnraumkrise samt steigenden Mieten – und in der Folge soziale Spannungen. Vor allem in Tourismushochburgen wie Barcelona, Valencia, Málaga oder auf Mallorca wachsen die Proteste.
Das zunehmend angespannte Klima bekommen auch die vielen Deutschen, Österreicher und Schweizer zu spüren, die in Spanien Urlaub machen oder dort sogar leben. Landesweit kamen im vergangenen Jahr 97 Millionen ausländische Besucher – ein Rekord, 2026 dürfte erstmals die Marke von 100 Millionen fallen. Schon jetzt sind Besuche touristischer Attraktionen wie Barcelonas Gaudí-Tempel „Sagrada Família” kaum noch spontan möglich und müssen Tage im Voraus gebucht werden. Gut 15 Prozent der internationalen Touristen kommen aus dem deutschsprachigen Raum.
„Das überfüllte Spanien”, titelte die wichtigste nationale Zeitung El País zuletzt, und Experten warnten, dass Spanien an seinen eigenen Erfolgen ersticken könnte. Es gebe keinen generellen Platzmangel, wohl aber ein Verteilungsproblem.
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