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Montmartre in Gefahr: Anwohner warnen vor dem Touristenansturm in Paris

Frankreich

Schönes, nerviges Montmartre: Die Bewohner des Pariser Viertels schlagen Alarm

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    Ein alltägliches Bild in Montmartre: Touristen schieben sich durch die Straßen des beliebten Pariser Viertels. Im Hintergrund die Basilika Sacré-Coeur.
    Ein alltägliches Bild in Montmartre: Touristen schieben sich durch die Straßen des beliebten Pariser Viertels. Im Hintergrund die Basilika Sacré-Coeur. Foto: Dimitar Dilkoff, afp

    Es wird eng in der Rue de Steinkerque, die von der Metrostation Anvers auf den Montmartre-Hügel führt. Also noch enger als eh schon. Kinderwagen rattern über die Pflastersteine, Menschen schieben sich an den Boutiquen vorbei, in denen Baskenmützen und Postkarten verkauft werden. Ein Mann mit einer Einkaufstüte versucht, sich einen Weg vorbei an den schlendernden Touristen zu bahnen. „Pardon, pardon“, wiederholt er monoton in genervtem Ton. Offenkundig handelt es sich um einen Anwohner, der im August in Paris geblieben ist und nicht ferienbedingt aus der Metropole geflohen ist.

    Mit seinen idyllischen Gassen, den mit Weinreben bewachsenen Häusern, den hübschen Cafés und Restaurants gehört Montmartre zu den Besuchermagneten der Stadt. Menschen aus aller Welt strömen ins lebhafte Pigalle-Viertel mit dem Variété-Theater Moulin Rouge, zu den Malern auf dem Place du Tertre und der Basilika Sacré-Coeur, von deren Vorplatz aus sich ein spektakulärer Blick auf Paris bietet. Mit elf Millionen Besuchern war die Basilika im vergangenen Jahr die meistbesichtigte Sehenswürdigkeit des Landes, weit vor dem Eiffelturm. Insgesamt zieht Paris eigenen Angaben zufolge mehr Touristen an als jede andere Stadt der Welt. Tendenz steigend: Zwischen 2014 und 2024 hat Paris einen Zuwachs an ausländischen Besuchern von 20 Prozent verzeichnet. Die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele im letzten Jahr kurbelte die Zahlen noch mehr an – wie erhofft.

    Die Anwohner von Montmartre haben eine Petition gestartet und neue Gespräche mit Vertretern der Stadt Paris erreicht

    In Montmartre wurde der Touristen-Andrang in den vergangenen Monaten zu einem politischen Thema, weil mehrere Zusammenschlüsse von Anwohnern wie der Verein „Vivre à Montmartre“ – „In Montmartre leben“ – mit ihren Beschwerden an die Öffentlichkeit gingen. Das Viertel ist seit jeher attraktiv für Besucher gewesen, sagt die Präsidentin des Vereins, Anne Renaudie, die seit 29 Jahren hier lebt. Aber inzwischen würden „ganz neue Dimensionen“ erreicht: „Mit dem Film ‚Die fabelhafte Welt der Amélie‘ vor fast 25 Jahren nahm das bereits zu, mit der Serie ‚Emily in Paris‘ erst recht, und seit März erleben wir den Olympia-Effekt mit Gruppen von bis zu 80 Personen – das gab es nie vorher.“ Menschenansammlungen verstopften die Straßen, manche Stadtführer sprächen in Megafone. „Vivre à Montmartre“ fordert deren Verbot, die Beschränkungen von Touristengruppen auf 25 Personen und die Erhöhung der Kurtaxe.

    Gegründet hat sich der Verein ursprünglich als Reaktion auf die Entscheidung des Rathauses, mehrere Straßen für den Verkehr zu sperren und hunderte Parkplätze zu streichen. Das entspricht der Politik von Bürgermeisterin Anne Hidalgo in der ganzen Stadt. Die Anwohner starteten eine Petition und erreichten neue Gespräche mit Vertretern der Stadt über das Projekt, die derzeit laufen.

    Die Sorgen beziehen sich auch auf andere Entwicklungen. Metzger, Obst- und Gemüseläden oder Friseure werden durch Eisdielen oder Coffeeshops ersetzt. Wie kaum ein anderes Stadtviertel hat sich Montmartre in den vergangenen 15 Jahren gentrifiziert. Lange gehörte das 18. Arrondissement, an das sich ärmere Vororte wie Saint-Denis und Aubervilliers anschließen, zu den relativ günstigen Pflastern in Paris. Für den sozial und ethnisch stark durchmischten Teil im Norden gilt das immer noch. Doch in Montmartre liegen die Quadratmeterpreise inzwischen bei 12.000 bis 15.000 Euro und damit leicht über dem Gesamtdurchschnitt in Paris. Viele Investoren kaufen kleine Wohnungen, um sie nicht langfristig zu vermieten, sondern als Touristenunterkünfte – das ist weitaus lukrativer. Dem Analyse-Unternehmen Cabinet AirDNA zufolge stieg die Zahl der Annoncen auf Ferienvermietungs-Plattformen wie Airbnb zwischen Mai 2019 und Mai 2025 um 36 Prozent.

    Erst im vergangenen Januar hat Paris strengere Regeln eingeführt

    Um dagegen vorzugehen und die große Wohnungsnot zu bekämpfen, hat Paris erst im Januar strengere Regeln eingeführt. Es gibt eine Registrierungspflicht, zeitliche Begrenzung bei der Vermietung von Hauptwohnungen und hohe Bußgelder bei Verstößen. Darüber hinaus verfolgt das Rathaus den Ansatz, Touristen besser auf verschiedene Viertel zu verteilen, bietet Touren auch in weniger bekannte Stadtteile und in die Vororte an.

    Doch Montmartre bleibt einer der großen Anziehungspunkte und wird damit mitunter auch Opfer seines eigenen Erfolges. Dieser wurde gerade erst durch die Tour de France untermauert, deren letzte Etappe auch durch das besonders hügelige Viertel führte. Das ziehe sicherlich noch mehr Menschen aus der ganzen Welt an, die die Veranstaltung im Fernsehen ansehen, befürchtet Anne Renaudie: „Aber Montmartre braucht keine Werbung, es braucht Regulierung.“

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