Startseite
Icon Pfeil nach unten
Panorama
Icon Pfeil nach unten

Papst Leo XIV. im Urlaub: gut beschäftigt in Castel Gandolfo

Kirche

Papst macht frei: So belebt Leo XIV. eine alte Tradition wieder

  • |
  • |
  • |
  • |
    Papst Leo XIV. winkt an diesem Sonntag Gläubigen zu, als er zur Feier einer Messe in der Kirche St. Thomas von Villanova in Castel Gandolfo ankommt.
    Papst Leo XIV. winkt an diesem Sonntag Gläubigen zu, als er zur Feier einer Messe in der Kirche St. Thomas von Villanova in Castel Gandolfo ankommt. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

    Zwölf Jahre ist es her, dass sie hier zuletzt einen Papst als Sommergast gesehen haben. An diesem Sonntag war es wieder soweit. Mit Leo XIV. sprach erstmals seit Langem ein Pontifex in Castel Gandolfo das Angelus-Gebet. Hier, in der päpstlichen Sommerresidenz 30 Kilometer südöstlich von Rom, verbringt Robert Francis Prevost eine zweiwöchige Urlaubszeit. Sein Vorgänger Franziskus verzichtete auf diese Tradition. Leo wird noch bis zum 20. Juli in den Albaner Bergen verweilen, von denen man im fernen Dunst die Türme der „Ewigen Stadt“ und den Vatikan erahnen kann. Untätig ist Leo aber auch im Urlaub keineswegs.

    2016 hatte Franziskus verfügt, die päpstliche Residenz in Castel Gandolfo solle nur noch als Museum weiterexistieren

    Am Vormittag feierte der Papst die Messe in der Kirche San Tommaso da Villanova in Castel Gandolfo und rief dabei zu mehr Nächstenliebe auf. Christliche Barmherzigkeit beginne nicht mit Kriterien der Zugehörigkeit, sondern mit der Bereitschaft, sich innerlich berühren zu lassen. „Unsere geschäftige Eile anhalten, zulassen, dass das Leben des anderen, wer auch immer er sei, mit seinen Bedürfnissen und Leiden mein Herz aufbricht – das macht uns füreinander zu Nächsten“, sagte er und führte aus: Manchmal betrachte man nur diejenigen als „unsere Nächsten, die zu unserem Umkreis gehören, die genauso denken wie wir, die dieselbe Nationalität oder Religion haben“.

    Mit seinem Urlaub lässt Leo eine jahrhundertealte Tradition aufleben: Dutzende Päpste hatten seit dem 17. Jahrhundert den Sommer in Castel Gandolfo verbracht, bis Franziskus, sein Vorgänger, damit im Jahr 2013 Schluss machte. Schlicht, weil er meist auf Urlaub verzichtete. Oder sich zu diesem im Vatikangästehaus Santa Marta aufhielt. 2016 verfügte Franziskus, der am vergangenen Ostermontag gestorben ist, gar, die päpstliche Residenz in Castel Gandolfo solle nur noch als Museum weiterexistieren. Es war, als wollte er auch in diesem Fall die Überreste des päpstlichen Monarchentums tilgen.

    Auch in seinem Urlaub ist der Papst keinesfalls untätig: Vor ein paar Tagen empfing er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj – und bekräftigte dabei seine Bereitschaft, Vertreter Russlands und der Ukraine zu Verhandlungen in den Vatikan zu laden.
    Auch in seinem Urlaub ist der Papst keinesfalls untätig: Vor ein paar Tagen empfing er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj – und bekräftigte dabei seine Bereitschaft, Vertreter Russlands und der Ukraine zu Verhandlungen in den Vatikan zu laden. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

    Leo XIV., als Kardinal von Franziskus nominiert, von ihm 2023 zum Chef der wichtigen Bischofsbehörde ernannt und von ihm protegiert, liegt mit seinem Augenmerk auf sozialen Themen mit seinem Vorgänger auf einer Linie. Was päpstliche Traditionen angeht, setzt er sich allerdings klar von Franziskus ab. Das ist bereits an seinem Äußeren zu erkennen, er wählt eher traditionelle Kleidung wie den roten Schultermantel am Abend seiner Wahl vor zwei Monaten oder trägt ein goldenes Brustkreuz. Wie es heißt, werde er auch in den Apostolischen Palast im Vatikan ziehen, das päpstliche Apartment wird derzeit renoviert. Franziskus hatte sich gegen es und für das Vatikangästehaus entschieden – und so ein demonstratives Zeichen der Bescheidenheit gesetzt.

    Ganz in den Urlaubsmodus schaltet Leo in Castel Gandolfo freilich nicht. Nicht bloß das sonntägliche Angelus-Gebet sprach der 69-Jährige nun, in Castel Gandolfo empfing er auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Außerdem ist eine weitere Sonntagsmesse geplant, am 20. Juli in Albano. „Nur weil sie Urlaub haben, hören die Päpste nicht unbedingt mit der Arbeit auf“, sagte Tadeusz Rozmus, Pfarrer der Kirche San Tommaso da Villanova. „Papst Johannes Paul II. schrieb hier Enzykliken.“ Castel Gandolfo sei für die Päpste im Sommer ein viel angenehmerer Ort, da sie der Hitze Roms entfliehen könnten. Leo XIV. hat dabei für seinen Aufenthalt die Villa Barberini gewählt, nicht den päpstlichen Palast. Der soll weiter als Museum zu besuchen sein.

    Ein Blick auf den Albano-See, etwa 30 Kilometer südöstlich von Rom, wo Papst Leo XIV. eine kurze Erholungsphase in der nahe gelegenen historischen Sommerresidenz für Päpste Castel Gandolfo verbringt.
    Ein Blick auf den Albano-See, etwa 30 Kilometer südöstlich von Rom, wo Papst Leo XIV. eine kurze Erholungsphase in der nahe gelegenen historischen Sommerresidenz für Päpste Castel Gandolfo verbringt. Foto: Andrew Medichini/AP/dpa

    Die Erwartungen in Castel Gandolfo an den weltbekannten Sommergast waren und sind hoch. „Zu wissen, dass Papst Leo auf die Hoffnungen unserer Gemeinde gehört hat, die seit Jahren darauf wartet, den Papst wieder auf der Piazza zu sehen, erfüllt unsere Herzen und Seelen mit Freude“, sagte Bürgermeister Alberto De Angelis. „Es wurde Zeit, dass ein Papst zurückkehrt“, kommentierte ein Barkeeper nach der Ankunft Leos. „Die Bilder vom Angelusgebet sind in den Nachrichtensendungen weltweit zu sehen, Reiseveranstalter können behaupten, dies sei die Stadt des Papstes.“ Der Pontifex – er ist auch ein Wirtschaftsfaktor.

    Was macht der Papst eigentlich in seiner Freizeit?

    Wie Leo seine Freizeit füllen wird, ist Gegenstand von Spekulationen. Angeblich ist er ja Motorsport-Fan. Ortspfarrer Rozmus bot ihm daher scherzhaft sein Kawasaki-Motorrad für Ausflüge in die Umgebung an. „Ich sagte ihm, sie sei jederzeit bereit, und alle lachten.“ Angenommen wird, dass der Papst nicht nur spazieren gehen, sondern auch Tennis spielen wird. Dies tat er vor seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt gerne und trainierte mit seinem Sekretär Edgar Rimaycuna, einem 36 Jahre alten Priester aus Peru. In Castel Gandolfo ließ der Vatikan jedenfalls eigens einen neuen Tennisplatz bauen.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren