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Neuer Münchner Tatort „Zugzwang“: Alles dreht sich um die Dame

Tatort-Kolumne

Neuer Münchner Tatort: „Zugzwang“ ist ein Miträtsel-Krimi

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    Daniel Wirsching ist einer von fünf „Tatort“-Kritikerinnen und -Kritikern unserer Redaktion.
    Daniel Wirsching ist einer von fünf „Tatort“-Kritikerinnen und -Kritikern unserer Redaktion. Foto: AZ

    Irgendwann bekommt jeder „Tatort“-Rechtsmediziner die große Bühne und tritt zumindest für eine Folge aus dem Schatten des „Tatort“-Über-Rechtsmediziners Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne. In „Zugzwang“, dem neuen Münchner „Tatort“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD), wird Dr. Matthias Steinbrecher (Robert Joseph Bartl), den man als famosen Schach-Experten kennenlernt, zu einer zentralen Figur auf dem Schachbrett des Lebens mit all seinen Winkelzügen. Weitere Figuren in diesem Spiel um Leben und Tod sind, unter anderem: Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) selbst. Und ein etwas zu sehr als Karikatur gezeichneter Schach-Zampano aus Armenien namens Kamran Hasanov (Husam Chadat), der sich wie ein König geriert.

    Vor allem ist da Natalie Laurent (Roxane Duran), Schach-Weltmeisterin bei den Frauen, die nun die Männer-Schach-Welt durcheinanderwirbelt, einmal mithilfe eines durchsichtigen Oberteils. Ansonsten ist sie recht undurchsichtig. Was gleichsam für die Umstände des Todes ihrer „Sekundantin“ gilt. Die stirbt nach einem Sturz neben dem Pool des Luxus-Hotels, in dem sich die internationale Schach-Elite zu einem „Kandidatenturnier“ trifft. Bei ihr findet sich eine Schachfigur, ein Turm. Als Unglücksbote wird er nicht allein bleiben.

    Tatort „Zugzwang“: ein Miträtsel-Krimi mit vielen Personen und vielen falschen Fährten

    Wie in Stanley Kubricks „Shining“ fahren die Münchner Kommissare zum Tatort, der zwar nicht im Overlook-Hotel in Colorado, mindestens ebenso malerisch allerdings im Wettersteingebirge liegt: Gedreht wurde im „Luxury Spa Retreat & Cultural Hideaway“ Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen. Es beginnt ein klassischer „Whodunit“, ein Miträtsel-Krimi mit vielen Personen und vielen falschen Fährten, der im letzten Drittel um Action-Elemente ergänzt wird, auf die man hätte verzichten können. Denn man muss schon sagen: Das ruhigere Format ist für die weißhaarig gewordenen „Tatort“-Herren inzwischen genau das Richtige. Sie können darin mit ihren Frotzeleien glänzen. Zuletzt konnten sie das nicht, weil man sie – welch seltsame Idee! – irgendwo umeinanderrennen ließ oder in Welten jagte (Gaming, Nato-Manöver), mit denen sie fremdelten. Dieser „Tatort“ von Robert Löhr (Buch) und Nina Vukovic (Regie) beglückt dagegen mit Dialogen wie diesem: „Die Leibwächter von Hasanov – weißt du, an wen die mich erinnern? An uns früher.“ (Batic) – „Weil der eine so gut aussieht und der andere so schlecht Deutsch spricht, oder was?“ (Leitmayr) – „So schlecht ist dein Deutsch doch gar nicht.“ (Batic). Ja, manchmal schauen sich der Ivo und der Franz fast verliebt an.

    Alles dreht sich um die Dame: die Ermittler Ivo Batic (Miroslav Nemec, links) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) mit der geheimnisvollen Natalie Laurent (Roxane Duran).
    Alles dreht sich um die Dame: die Ermittler Ivo Batic (Miroslav Nemec, links) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) mit der geheimnisvollen Natalie Laurent (Roxane Duran). Foto: Linda Gschwentner/BR/Bavaria Fiction GmbH/dpa

    In den vergangenen Jahrzehnten sind die beiden zu einer Einheit verschmolzen, klar, dass sie Partnerlook tragen. Schwarze Mäntel zu weißen Haaren, das passt hervorragend zum Schach-Thema dieses „Tatort“, zum Schwarz und Weiß der Spielfiguren, das auch durch Kameraführung und Lichtgestaltung in jeder Szene inszeniert wird. Das Schöne an „Zugzwang“, einem der letzten „Tatort“-Krimis mit Batic und Leitmayr, ist, dass es mal wieder um den Fall geht – nicht um die Befindlichkeiten der Ermittlerinnen und Ermittler. Fernsehsofa-Detektive müssen sich konzentrieren und sollten über die eine oder andere Logik-Lücke und abenteuerliche Unglaubwürdigkeit milde hinwegsehen.

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