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Coronavirus-Epidemie
25.02.2020

So stellt sich Europa auf den Kampf gegen das Coronavirus ein

Mundschutz auf dem Vormarsch: In Mailand versuchen sich die Menschen gegen eine Ansteckung zu schützen.
Foto: dpa

Die Hoffnung, eine Ausbreitung zu verhindern, schwindet. In Rom suchen die Fachminister nach einer gemeinsamen Strategie. Inzwischen gibt es in Europa immer mehr Infizierte.

Ärzte und Helfer mit Mundschutz und Overall, leere Straßen, verwackelte Videosequenzen aus überfüllten Krankenhäusern – die Berichte, die Europa nach dem Jahreswechsel aus der chinesischen Provinz Wuhan über den sich rasant ausbreitenden Coronavirus erreichten, waren unheimlich. Aber sie schienen weit entfernt. Doch das Gefühl relativer Sicherheit ist brüchig geworden. Seitdem Bilder vom Abbruch des Karnevals in Venedig, von abgeriegelten Städten in der nördlichen Lombardei die Nachrichten dominieren, ist klar: Covid-19 – so lautet der wissenschaftliche Name für den Virus – ist nicht nur da, er wird wohl vorerst auch bleiben, ja sich weiter ausbreiten. Auch in Deutschland: Am Dienstagabend sind zwei Covid-19-Erkrankungen gemeldet worden, in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen.

Eine Aussicht, die europäische Fachpolitiker nicht nur umtreibt, sondern auch in Bewegung setzt: Am Dienstag kamen die Gesundheitsminister aus Italien, Deutschland, Österreich, Slowenien, Frankreich, Kroatien und der Schweiz mit EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides in Rom zusammen, um über die Lage zu beraten und gemeinsame Konzepte zu entwickeln. Dort hielt man fest, dass grenzüberschreitende Reisesperren keine angemessene Antwort seien. Das sagte der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn am Dienstag in Rom nach einem Krisentreffen. „Wir sind gemeinsam der Meinung, dass zu diesem Zeitpunkt, jetzt, Reisebeschränkungen oder gar das Schließen von Grenzen keine angemessene, verhältnismäßige Maßnahme wäre“, erläuterte der CDU-Politiker. Auch über größere Veranstaltungen solle nicht generell, sondern im Einzelfall entschieden werden.

Coronavirus: In Italien breitet sich der Erreger weiter aus

Der Ort für das Treffen ist gut gewählt. Denn in Italien ist die Ausbreitung des Erregers – trotz drastischer Maßnahmen – in immer mehr Regionen nachgewiesen. Die meisten Erkrankten meldet die Lombardei, gefolgt von Venetien, der Emilia-Romagna, dem Piemont und Latium. Stand Dienstag wurden für Italien 322 Angesteckte registriert, Montag waren es noch 220. Unermüdlich betonen die Mediziner, dass die Krankheit in über 80 Prozent der Fälle moderat verläuft und meist zu Hause behandelt werden kann. Allerdings sind in Italien bereits elf Menschen an der Krankheit gestorben. Wie auch das Gros der Opfer der alljährlichen Grippewellen waren sie meist in einem fortgeschrittenen Alter, einige wiesen zudem Vorerkrankungen auf.

Die Frage ist umstritten, inwieweit die kursierenden Zahlen aus den einzelnen Ländern die Wirklichkeit wiedergeben. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte der italienische Epidemiologe Pier Luigi Lopalco von der Universität Pisa, dass er davon ausgehe, dass es auch in Deutschland mehr Fälle gibt. Der Unterschied sei, dass Italien „aktiv nach Infektionen mit dem Coronavirus“ suche. Lopalco macht keinen Hehl daraus, dass er es für klüger halte, wenn auch Deutschland zu dieser Praxis übergehe. Dann sei es möglich, realistische „Hinweise auf den Grad der Ausbreitung der Epidemie“ zu gewinnen.

In Bayern bleibt die Lage angesichts des Coronavirus vergleichsweise entspannt

Die aktuelle Lage in Bayern wirkt im Vergleich zu Italien relativ entspannt: Keine neuen Infektionen meldete das Gesundheitsministerium am Dienstagabend auf Anfrage unserer Redaktion. Es bleibt bei 14 bekannten Fällen im Freistaat. Nach Gesprächen mit Vertretern der Ärzteverbände und der Bayerischen Krankenhausgesellschaft versicherte Ministerin Melanie Huml, dass die bayerischen Krankenhäuser auf mögliche Krankheitsfälle vorbereitet seien: „Bayerns Krankenhäuser stellen sich auf die Versorgung stationär behandlungsbedürftiger Patienten ein und halten im Rahmen ihrer Kapazitäten entsprechende qualifizierte Versorgungsangebote vor.“ Die CSU-Politikerin appellierte an die Bevölkerung, sich zunächst per Telefon beim Hausarzt zu melden, falls der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus bestehe. Dies gelte in erster Linie für Personen, die entsprechende Symptome haben und sich vorher in einem Risikogebiet aufgehalten haben. Wer in Italien mit einem Coronavirus-Erkrankten persönlichen Kontakt hatte, solle sich umgehend an sein Gesundheitsamt wenden, rät das Ministerium.

Weltweit sind immer mehr Staaten mit Covid-19 konfrontiert. Auf der spanischen Urlaubsinsel Teneriffa ist nach zwei bestätigten Coronavirus-Fällen ein großes Hotel mit rund 1000 Gästen unter Quarantäne gestellt worden. Darunter sollen sich deutsche Urlauber befinden. Auch aus Österreich und der Schweiz wurden am Dienstag Fälle gemeldet.

In den vom Coronavirus betroffenen Regionen Chinas ist die Situation prekär 

Nach wie vor ist die Lage in den betroffenen chinesischen Regionen mit Abstand am prekärsten. Wie die Pekinger Gesundheitskommission am Dienstag mitteilte, kamen weitere 71 Menschen ums Leben. Die Gesamtzahl der Opfer in China stieg damit auf 2663. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen kletterte um 508 auf 77 658. Seit einer neuerlichen Änderung der Zählweise hat sich der tägliche Anstieg der Infektionen in China wieder deutlich reduziert. Experten gehen allerdings von einer äußerst hohen Dunkelziffer aus.

Schlechte Nachrichten kommen auch aus dem Iran und benachbarten Staaten. In der Islamischen Republik stieg die Zahl der gemeldeten Todesopfer von 12 auf 15, wie der Sprecher des Gesundheitsministeriums am Dienstag erklärte. Danach sind inzwischen 95 Menschen positiv auf das Virus getestet.

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