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Kirche
10.06.2021

Papst Franziskus stärkt Kardinal Marx den Rücken

Papst Franziskus schrieb an Kardinal Marx: "Ich stimme Dir zu, dass wir es mit einer Katastrophe zu tun haben."
Foto: Alessandra Tarantino, dpa

Franziskus lehnt den Rücktritt des Münchner Erzbischofs Reinhard Kardinal Marx überraschend ab. Beginnt jetzt eine Epoche der Reformen?

Papst Franziskus hat Kardinal Reinhard Marx aufgefordert, weiterhin im Amt zu bleiben. „Das ist meine Antwort, lieber Bruder. Mach weiter, so wie Du es vorschlägst, aber als Erzbischof von München und Freising“, schrieb der Papst am Donnerstag in einem persönlichen Brief an Marx, den der Vatikan umgehend veröffentlichte. Erst vor einer Woche hatte Marx bekannt gegeben, er habe dem Papst seinen Rücktritt angeboten.

Die rasche Antwort aus Rom hat in Deutschland überrascht. „Das ist im Vatikan nicht üblich“, sagte der langjährige deutsche Chefredakteur von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord, auf Anfrage. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Franziskus den Rücktritt annehmen werde. Die Reaktion des Papstes sei „eine Überzeugungsentscheidung“.

Nach Papst-Entscheidung: Marx will jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen

„Ich bin bewegt über die Ausführlichkeit und den sehr brüderlichen Ton seines Briefes und spüre, wie sehr der Heilige Vater mein Anliegen versteht und aufgenommen hat“, erklärte Kardinal Reinhard Marx am Nachmittag in München. „Im Gehorsam akzeptiere ich seine Entscheidung, so wie ich es ihm versprochen habe.“ Er empfinde die Entscheidung des Papstes als große Herausforderung. „Einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen kann nicht der Weg für mich und auch nicht für das Erzbistum sein.“

Kardinal Reinhard Marx am vergangenen Freitag. Im Innenhof seines Amtssitzes in München erklärte er seine Gründe für das Rücktrittsgesuch an den Papst.
Foto: Peter Kneffel, dpa

In seinem drei Seiten umfassenden Brief auf Spanisch dankte Papst Franziskus dem Münchner Erzbischof für seinen „christlichen Mut“. „Ich stimme Dir zu, dass wir es mit einer Katastrophe zu tun haben: der traurigen Geschichte des sexuellen Missbrauchs und der Weise, wie die Kirche damit bis vor kurzem umgegangen ist“, schreibt Franziskus. Hier helfe eine „Vogel-Strauß-Politik“ nicht weiter. „Wir müssen für die Geschichte Verantwortung übernehmen, sowohl als Einzelner als auch in Gemeinschaft.“ Nötig sei eine Reform, die bei jedem selbst beginnen müsse und darin bestehe, sich dieser Krise auszusetzen, die Realität anzunehmen, wohin auch immer das führen werde.

Vatikan-Kenner Pater Bernd Hagenkord: Reaktion des Papstes ist „eine Überzeugungsentscheidung“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, äußerte sich „erleichtert“ darüber, dass Kardinal Marx weiter im Amt ist. „Ich freue mich auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit.“ Beim nächsten Ständigen Rat am 21. Juni sei der Ort, wo die Bischöfe über die aktuelle Gesamtlage der Kirche in Deutschland sprechen werden.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und Landesbischof in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, sagte auf Anfrage: „Ich kann nicht verhehlen, dass mich die Entscheidung des Papstes erleichtert. Wir brauchen die Stimme von Kardinal Marx – für die Ökumene, für die Reformprozesse der Kirche und auch als Stimme öffentlicher Theologie.“

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, urteilte: „Ein starker Brief, eine klare Haltung. Deutlicher kann ein Papst nicht sagen, dass er seine reformfähigen und reformwilligen Mitbrüder dringend braucht.“ Franziskus habe damit den Druck auf andere Bischöfe erhöht, sich klarer für Reformen auszusprechen.

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ sieht die Antwort aus Rom als „brüderliche Rückenstärkung“. Der Brief sei ein Zeichen, „dass es mehr noch als eines personellen Wechsels eines strukturellen, mentalen und spirituellen Wechsels bedarf“, sagte ihr Sprecher Christian Weisner. Aus der Sicht der Missbrauchsopfer, vertreten vom Verein „Eckiger Tisch“, will Papst Franziskus mit der Ablehnung des Rücktrittsgesuchs von Kardinal Marx auch sich selbst schützen.

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10.06.2021

Vielleicht für die Kommentatoren überraschend - für mich nicht.

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