Neue Enthüllungen über private Geldgeber in seinem Freundeskreis könnten Bundespräsident Christian Wulff weiter in Bedrängnis bringen. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, wurden Zeitungsanzeigen, mit denen im Herbst 2007 während des niedersächsischen Landtagswahlkampfs für das Christian-Wulff-Buch "Besser die Wahrheit" geworben wurde, nicht wie üblich vom Verlag, sondern von Wullfs Unternehmerfreund Carsten Maschmeyer bezahlt. Nach "Bild"-Informationen beglich Maschmeyer die Rechnung für die Werbung zu dem Interview-Buch in Höhe von 42.731,71 Euro aus seinem Privatvermögen. Die Anzeigen erschienen zwischen dem 13. und 27. Oktober 2007 in vier verschiedenen Zeitungen.
In dem Buch gibt Wulff Auskunft über sein privates und politisches Leben. Die CDU kaufte seinerzeit einige tausend Exemplare und verschenkte sie als Wahlwerbung für den damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff, wie "Bild" weiter berichtet. Maschmeyer beglich den Betrag demnach am 19. Februar 2008 - 23 Tage, nachdem Wulff erneut zum Regierungschef gewählt worden war.
Der Bundespräsident steht wegen eines Privatkredits zum Kauf eines Hauses in Höhe von 500.000 Euro in der Kritik, den er 2008 als Ministerpräsident von Niedersachsen bekommen hatte. Wulff hatte gesagt, Kreditgeberin sei die Ehefrau des Unternehmers Egon Geerkens gewesen.
Maschmeyer: Nicht mit Christian Wulff gesprochen
Maschmeyer teilte "Bild" mit, er habe die Anzeigen "privat bezahlt", sie jedoch "nicht steuerlich geltend gemacht". Mit dem damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Bundespräsidenten habe er darüber "nicht gesprochen". Wulff ließ über seinen Rechtsanwalt Gernot Lehr erklären, ihm sei von den Zahlungen seines Freundes Maschmeyer nichts bekannt gewesen.
Medienberichte hatten den Manager in der Vergangenheit wiederholt in den Blickpunkt gerückt. Demnach soll er früher anonym Geld für Wahlkämpfe des früheren Bundeskanzlers und niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder (SPD) gespendet haben. Sein früheres Finanzberater-Unternehmen AWD wird außerdem mit unlauteren Geschäftsmethoden in Verbindung gebracht.
Mehrheit der Deutschen gegen Rücktritt des Bundespräsidenten Wulff
Trotz der immer neuen Details beim Umgang Wulffs mit privaten Geldgebern lehnen mehr als zwei Drittel der Deutschen laut einer Umfrage einen Rücktritt des Bundespräsidenten bislang ab. Nach dem am Montagabend vom WDR veröffentlichten Deutschlandtrend Extra sprechen sich 70 Prozent der Bundesbürger dafür aus, dass Wulff im Amt bleiben sollte. Nur 26 Prozent sind der Meinung, Wulff sollte wegen eines umstrittenen Pivatkredits und enger Beziehungen zu Unternehmern vom Amt des Bundespräsidenten zurücktreten.
Wulff büßt Glaubwürdigkeit ein
Eine knappe Mehrheit von 51 Prozent hält Wulff für glaubwürdig - 23 Punkte weniger im Vergleich zum Juli 2010, als der frühere Ministerpräsident Niedersachsens ins Schloss Bellevue einzog. 44 Prozent der Bundesbürger halten Wulff für nicht glaubwürdig, das ist ein Anstieg von 29 Punkten. Ehrlichkeit bescheinigen dem Bundespräsidenten 41 Prozent der Deutschen, während 47 Prozent ihn nicht für ehrlich halten. AZ, afp