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Medien
18.03.2020

Fake News über Corona: Wie Sie erkennen, was Sie glauben können

Im Internet sind derzeit unzählige Nachrichten rund um das Coronavirus zu finden, darunter auch etliche, die nicht stimmen.
Foto: Gero Breloer, dpa (Symbol)

In Zeiten der Coronakrise gibt es täglich unzählige Meldungen, darunter viele falsche. Ein Kommunikationswissenschaftler gibt Tipps für den richtigen Umgang.

Funktioniert Fußballstar Cristiano Ronaldo tatsächlich seine Hotels in Krankenhäuser um? Muss ich jetzt plötzlich Hamsterkäufe tätigen, weil der Supermarkt nur noch an zwei Tagen in der Woche geöffnet hat? Derzeit gibt es täglich eine Vielzahl neuer Nachrichten, bedingt durch das Coronavirus. Und in der Flut der Neuigkeiten schwappen auch Meldungen mit, die bewusst gefälscht sind und die Ängste und Sorgen weiter wachsen lassen. Doch was kann jeder Einzelne gegen sogenannte Fake News machen?

Fake News: Wegen Coronavirus haben Supermärkte geschlossen

Am Wochenende wurde in den Sozialen Medien ein Bild verbreitet, das angeblich einen Artikel von Focus Online zeigt. Darin hieß es, dass die großen Supermarkt-Ketten sich abgesprochen hätten, die Öffnungszeiten drastisch herunterzufahren. So seien die Läden am Montag nur noch von 8 bis 10 Uhr offen, am Dienstag komplett geschlossen. Selbst Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) äußerte sich auf Twitter dazu, bat darum, auf „diesen Quatsch nicht reinzufallen“. Gerichtet an die Erfinder, „die so einen Unsinn verbreiten“, schrieb Klöckner: „Das ist kein Spaß, ihr spielt mit der Angst der Leute. Das ist unanständig.“

Experte zu Fake News: „Die Urheber wollen gezielt Unruhe stiften“

Kommunikationswissenschaftler Jan-Hinrik Schmidt sieht genau darin einen Grund, warum solche Nachrichten entstehen. „Da steckt in manchen Fällen böse Absicht dahinter, die Urheber wollen gezielt Unruhe stiften“, sagt er. Andere wollen witzig erscheinen oder handeln zuerst in guter Absicht, sagt Schmidt. „In Krisensituationen wie jetzt bei Corona herrscht ein unglaubliches Informationsbedürfnis“, so der Experte. Um auf dem aktuellen Stand zu bleiben, seien die sozialen Medien eine wichtige Quelle. Und bei Nachrichten, die über WhatsApp ausgetauscht werden, seien viele zunächst nicht allzu misstrauisch. Schließlich handelt es sich beim Absender ja meist um einen Bekannten. Doch in Krisenzeiten, in den Informationen kursieren, die verunsichern, müsse jeder Einzelne ein Stück weit die Infos filtern. „So leistet jeder einen Beitrag, um Fehlinformationen nicht weiter zu verbreiten“, sagt Schmidt.

Gerade bei Nachrichten, bei denen nicht mehr nachvollziehbar ist, aus welcher Quelle sie stammen, müsse man vorsichtig sein. „Die sollte man nicht weiterleiten“, erklärt der Medienforscher. Schmidt sagt aber auch, dass in der rasanten Entwicklung vieles den Nerv der Leute trifft. „In den vergangenen sieben Tagen hat sich das sehr verstärkt. Vor einer Woche hätte kaum jemand geglaubt, dass Supermärkte schließen, aber jetzt halten es manche Menschen für denkbar“, erklärt Schmidt das Phänomen. Es entwickle sich die Haltung, dass die Nachricht doch stimmen könne.

Fake News: Coronavirus durch Mückenstiche übertragbar

Das hat auch die Weltgesundheitsorganisation WHO erkannt. Sie räumt auf ihrer Internetseite mit Gerüchten rund um das Coronavirus auf, und verneint, dass es durch Moskito-Stiche übertragbar sei. Für Schmidt ist das auch eine gute Vorgehensweise für jeden Einzelnen. „Wenn ich eine Nachricht bekomme, deren Inhalt mir unwahrscheinlich vorkommt, hilft eine Suche im Internet“, sagt er. Verschiedene Seiten hätten sich darauf spezialisiert, Falschmeldungen zu enttarnen, etwa mimikama.at. Hier finden sich zahlreiche Meldungen, die rund um das Coronavirus aufgetaucht sind. Hat man eine Nachricht als falsch entlarvt, ist es laut Schmidt gut, dieses „Dementi“ zu verbreiten. „Zumindest demjenigen, der einem die Falschmeldung geschickt hat, sollte man es schicken“, rät er. Bei Nachrichten, die vermeintlich „von der Regierung unterdrückt oder bewusst zurückgehalten werden“, solle man grundsätzlich skeptisch sein, sagt Schmidt. „Hier müssen wir Vertrauen in Institutionen haben, die wichtige Informationen nicht verheimlichen.“ Bei der Flut der Nachrichten sei es eine gute Möglichkeit, bestimmte Apps stummzuschalten und bewusst auf nur ein oder zwei seriöse Nachrichtenportale zurückzugreifen, empfiehlt er.

Online-Plattformen und soziale Medien gehen gegen Falschmeldungen vor

Die großen Online-Plattformen haben derweil den Fake News auch den Kampf angesagt, darunter Facebook, Twitter und Google. Sie wollen kompetente Informationen stärker in den Vordergrund bringen und wichtige Mitteilungen von Gesundheitsbehörden verbreiten, teilten sie mit. Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) forderte die Netzwerke auf, Nutzer, die Falschmeldungen teilen, zu blockieren.

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