Helmut Kohl, Altkanzler, galt nicht als Philosoph unter den Staatsmännern. Doch er hat Sätze hinterlassen, die philosophische Oberseminare füllen könnten und die auch auf die aktuelle Debatte um Impfanreize passen wie der Saumagen nach Oggersheim. Ein solcher Kohl-Satz lautete „Entscheidend ist, was hinten rauskommt“, es war seine Variante von „Der Zweck heiligt die Mittel“.
Der Zweck ist in der Impffrage klar definiert: Wir brauchen möglichst Herdenimmunität, um sicherer zu sein vor Mutanten und einer neuen Corona-Welle im Herbst. Diese erreichen wir laut Experten erst ab einer Impfquote von 85 bis 90 Prozent. Davon sind wir, aber auch andere Nationen, noch weit entfernt. Natürlich, weil manche Menschen Impfskeptiker sind – aber auch, weil manche sich nicht kümmern, ihnen anderes gerade wichtiger ist oder sie schlicht keine Lust mehr haben auf Corona-Termine. Soll man verzweifeln über solche Leute, soll man rufen, sie dürften für Ignoranz bis Schusseligkeit nicht noch belohnt werden? Absolut, man kann laut schimpfen. Es bringt nur nichts.
Nur durch Anreize lässt sich ein Impfzwang vermeiden
Wenn wir das (sinnvolle) Versprechen aufrechterhalten wollen, keinen Impfzwang einzuführen, müssen wir uns jeden Anreiz überlegen, die Menschen zu ihrem Impfglück zu zwingen. Nudging, Anstupsen, nennt die Verhaltensökonomie Anreizsysteme, den halt oft nicht so vernünftigen Bürger zu gesellschaftlich vernünftigem Handeln zu bewegen. Wenn nun also das kostenlose goldene Nasenpiercing wie in Indien, freier Eintritt in Draculas Schloss wie in Rumänien, Lotterien oder Geldgutscheine zum Impfen locken – immer her mit den Anreizen!
Die Kosten dafür sind Peanuts verglichen mit sonstigen Corona-Ausgaben. Früher gab es auch in Deutschland kostenlos Alkohol nahe Wahllokalen, um Leute an die Urne zu locken. Von mir aus lasst sie nun notfalls high werden, wenn nur eins hochgeht: die Impfquote.