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Corona-Pandemie
14.06.2021

Es geht ums Geld: Die Zukunft der Impfzentren ist ungewiss

Patienten warten in einem Impfzentrum auf eine Impfung.
Foto: Christoph Soeder, dpa

Die Impfzentren gelten als teuer im Vergleich zu niedergelassenen Ärzten. Doch sind sie auch wirklich bald schon überflüssig?

Je mehr Fahrt die Impfkampagne aufnimmt, umso stärker rückt auch der Aspekt der Kosten wieder ins Zentrum der öffentlichen Debatte. Am kommenden Mittwoch treffen sich die Gesundheitsminister der Länder, um über die Zukunft der Impfzentren zu beraten. Schon zum Herbst könnten sie geschlossen werden, weil das Finanzierungskonzept dann ausläuft.

„Impfzentren sind sehr teuer“, sagt Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzende des Weltärztebundes. „Eine Impfung dort ist siebenmal teurer als beim Hausarzt.“ Denn während in den Hausarztpraxen die vorhandene Infrastruktur genutzt wird, fallen bei den Impfzentren zusätzlich die Kosten für Gebäude, Personal, Sicherheitsdienst und Reinigungsfirma an. Alleine in Bayern gibt es rund 100 Impfzentren. „Die monatlichen Kosten 2021 pro Impfzentrum betragen durchschnittlich rund 300.000 Euro, die Kosten unterscheiden sich allerdings nach Impfzentrum“, teilt eine Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums auf Anfrage mit. Die Kosten für die Zentren werden aktuell je zur Hälfte von den Ländern und vom Bund, zu einem kleinen Teil auch von den privaten Krankenversicherungen getragen. Die Vergütung für Impfungen durch Ärzte trägt der Bund vollständig. Laut RKI wurden bislang zwei Drittel aller Impfungen in Impfzentren verabreicht, ein Drittel in Praxen.

FDP: Regierung soll mehr Impfstoff beschaffen

„Geschaffen wurden die Impfzentren, um die Hausärzte von der Bürokratie – insbesondere der Priorisierung – zu entlasten und um eine gerechte Verteilung des nur wenig vorhandenen Impfstoffs zu gewährleisten“, sagt Ärzte-Chef Montgomery. „Wenn es erst einmal genug Impfstoff gibt und die Bürokratie wegfällt, dann werden in den meisten Regionen die niedergelassenen Haus- und Fachärzte die Impfungen hervorragend übernehmen können – so wie bei der saisonalen Grippe“. Alles stehe und falle mit ausreichenden Impfstoffmengen. So sieht das auch die FDP. Deren gesundheitspolitische Sprecherin Christine Aschenberg-Dugnus betont: „Die Bundesregierung sollte endlich dafür sorgen, dass die Ärzte mehr und zuverlässig Impfmittel erhalten können. Dann können die Impfzentren demnächst auch auslaufen.“

Bayern macht sich hingegen dafür stark, die Einrichtungen auch nach dem September, wenn die Regelung ausläuft, offen zu halten. „Ich denke, die Impfzentren sollten auf jeden Fall bis Ende des Jahres beibehalten werden“, sagt Landesgesundheitsminister Klaus Holetschek. „Der Bund sollte hier sich nicht seiner Verantwortung entziehen, sondern wie bisher mit finanzieren.“

Lauterbach: "Plädiere dafür, Impfzentren nicht aufzulösen"

Unterstützung erhält er vom SPD–Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Deutschland könne sehr schnell wieder auf die Einrichtungen angewiesen sein. „Impfzentren sind auch eine Anlaufstelle für alle, die keinen Hausarzt haben“, sagt er unserer Redaktion. Und sie seien eine sehr wichtige Säule, die erhalten werden müssten, um eventuelle Nachimpfungen im Herbst zu bewältigen. „Wir haben bis jetzt keine guten flächendeckenden Daten, wie gut die Impfstoffe, die verabreicht wurden, gegen die indische Variante wirken“, sagt Lauterbach. „Es kann also sein, dass diejenigen, die schon im Frühjahr oder im Winter geimpft worden sind - insbesondere, diejenigen, die mit AstraZeneca geimpft worden sind - im Herbst einen großen Teil ihrer Impfwirkung verloren haben werden. Dann müssen wir in der Lage sein, schnell und in großer Zahl nachzuimpfen.“ Und in dieser Situation müsse erneut streng nach Priorisierung vorgegangen werden, diese Daten seien in den Impfzentren gespeichert und deshalb schnell abrufbar. „Wir haben nicht ohne Grund so eine Struktur aufgebaut“, sagt er. „Es ist weder zutreffend noch gerecht, die Leistung der Impfzentren zu schmälern. Deshalb plädiere ich dafür, die Impfzentren nicht aufzulösen, sondern zu nutzen, um diejenigen zu erreichen, an die wir sehr schwer rankommen. Die Impfzentren werden weiter gebraucht.“

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