Die AfD spricht nicht nur mit Erfolg junge Wählerinnen und Wähler an, sie kann bei ihren Anhängern in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen auch auf eine hohe Identifikation mit der Partei bauen: Das ist die Quintessenz einer aktuellen Untersuchung auf Basis der Wahlen im Jahr 2024, die die Universität Trier mit Blick auf die ostdeutschen Bundesländer vorgelegt hat. Bei den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg im vergangenen Jahr lag die AfD bei den Jungwählern vorne.
Politik, Wissenschaft und Medien denken fast schon automatisch mit, ob diese oder jene politische Entscheidung der zumindest in Teilen rechtsextremen Partei in die Karten spielt. Analysen, die sich mit den Wahlerfolgen und steigenden Umfragewerten der AfD beschäftigen, haben Konjunktur. Doch mit Blick auf das Superwahljahr 2026 wächst bei den etablierten Parteien die Nervosität. Aus guten Gründen: Umfragen sehen die AfD in Sachsen-Anhalt – dort wird am 6. September gewählt – bei 40 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern (Wahltermin 20. September) liegt die Rechtsaußenpartei derzeit knapp unter der 40-Prozent-Marke. Es könnte also in diesen beiden Ländern kompliziert werden, Mehrheiten jenseits der AfD zu organisieren.
Das Gefühl der Zugehörigkeit zur AfD ist gerade bei Jungwählern relativ stabil
Die Analyse der Wissenschaftler Ann-Sophie Heinze und Timon Scheuer wird die Unruhe in den Parteizentralen kaum dämpfen. Denn die Ergebnisse zeigen, dass sich die Bindung vieler Jungwähler an die AfD gefestigt hat. Von einem vorübergehenden Phänomen, hervorgerufen von unzufriedenen jungen Männern und Frauen, die bei der Partei aus Protest ihr Kreuzchen machen, kann keine Rede sein. Im Gegenteil, die Studie belegt, dass gerade junge AfD-Wähler in ihrer Entscheidung für die Partei stabiler sind als Altersgenossen, die nicht extrem rechts wählen - das Gefühl von Zugehörigkeit überwiegt danach den Einfluss von Themen und Kandidaten.
„Unsere Befragungen ergaben, dass vor allem die hohe Parteiidentifikation mit der AfD und nativistische Einstellungen eine Rolle spielen“, erklärt die Politikwissenschaftlerin Heinze. „Nativistisch“ leitet sich von dem Begriff „Nativismus“ ab, der wiederum für die Vorstellung steht, dass in einem Staat weitgehend Mitglieder der einheimischen Bevölkerung – sprich der „Nation“ – leben sollten. In diesem Weltbild ist angelegt, dass Migration eine Gefahr für den homogenen Nationalstaat darstellt. Die AfD sieht sich berufen, diese „Bedrohung“ abzuwehren – nicht zuletzt dafür wird sie insbesondere im Osten gewählt. Das Autorenduo der Analyse ist davon überzeugt, dass der Trend nach rechts auf „tiefgreifende Veränderungen im Parteienwettbewerb“ hinweise, die über den Osten hinausgehen und zunehmend in den „alten“ Bundesländern angekommen sind.
Studie belegt: Gäbe es keine AfD, würden viele junge Frauen und Männer gar nicht wählen
Union, SPD oder Grüne geben sich entschlossen, junge Deutsche zurückzugewinnen. Doch das könnte schwieriger werden als lange Zeit angenommen. Denn Timon Scheuer liest aus den Zahlen der Studie heraus, dass viele ostdeutsche Jungwähler die Wahlkabine oder den Briefwahlumschlag links liegen lassen würden, wenn es die AfD nicht gäbe. Doch es gibt sie und sie gilt bei vielen jungen Leuten längst als normale Partei.
Ann-Sophie Heinze ist überzeugt, dass die Fokussierung der Union auf das Thema Migration zur Mobilisierung für die AfD beitragen könnte. „Das Werben um junge Wählerinnen und Wähler muss langfristig sein und darf nicht nur auf Social Media begrenzt werden“, sagt Timon Scheuer. Vielmehr müssten sich politische Akteure die Frage stellen, „wie junge Wähler effektiv eingebunden werden können – insbesondere durch gezieltere Kommunikationsstrategien und jugendorientierte Kampagnen“.
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