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Umgang mit der AfD: Bayerns Wirtschaft stellt sich gegen Ostermann

Debatte

Bayerische Wirtschaft will nichts mit der AfD zu tun haben

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    Sie brachte die Debatte ins Rollen: Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Wirtschaftsverbands „Die Familienunternehmer".
    Sie brachte die Debatte ins Rollen: Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Wirtschaftsverbands „Die Familienunternehmer". Foto: Kay Nietfeld, dpa

    Den Aufstieg der AfD sehen viele Unternehmer und Wirtschaftsverbände mit Sorge, denn: Viele Positionen der zumindest teilweise rechtsradikalen Partei sind geschäftsschädigend. Stimmungsmache gegen Menschen mit Migrationshintergrund schreckt Fachkräfte aus dem Ausland ab. Nationalistisches Denken gefährdet den Umsatz exportorientierter Firmen. Und die Begeisterung für Autokraten verträgt sich schlecht mit einer freien Marktwirtschaft. Dementsprechend groß ist die Nervosität in den Chefetagen angesichts der Umfragewerte für die AfD. Dass sich nun ausgerechnet der Verband der Familienunternehmer – oder genauer gesagt dessen Chefin – für Gespräche mit der rechten Partei offen zeigt, macht die Aufregung noch größer.

    Bröckelt die Brandmauer? In der AfD frohlockt man bereits

    Ausgelöst hat die Debatte Marie-Christine Ostermann. Die Präsidentin des Familienunternehmerverbands erklärte das bisherige „Kontaktverbot“ zu AfD-Leuten für erledigt. Anstatt sie auszugrenzen oder sich über sie zu empören, wolle man die rechten Populisten künftig im direkten Austausch inhaltlich stellen. Ist das ein Tabubruch oder trägt Ostermann nur den politischen Kräfteverhältnissen Rechnung? In der AfD frohlockt man schon über das vermeintliche Bröckeln der Brandmauer. Doch in der Wirtschaft formiert sich massiver Widerstand gegen einen solchen Kurswechsel.

    Brossardt: „AfD beschädigt den Standort Bayern“

    „Die Partei ist Gegner unseres international ausgerichteten Wirtschaftsmodells, auf dem unser Wohlstand beruht. Wir machen als Verband immer wieder klar, was mit der AfD wirtschaftspolitisch droht: ein Rückfall in nationalstaatliches Denken sowie Propaganda gegen die EU und den Euro“, warnte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, auf Nachfrage unserer Redaktion. Für ihn steht fest: „Das Wirken der AfD beschädigt den Standort Bayern und Deutschland. Polarisierung, rechte Gesinnung und die insgesamt verfehlte politische Schwerpunktsetzung schrecken ausländische Investoren und Fachkräfte ab.“

    Die Deutsche Bank zog bereits erste Konsequenzen: Die Familienunternehmer dürfen künftig keine Räumlichkeiten des Geldinstituts mehr nutzen. Hintergrund: Der Verband hatte zu seinem „Parlamentarischen Abend“ im Oktober erstmals auch Vertreter der AfD eingeladen. Die Veranstaltung fand in einer Niederlassung der Bank nahe dem Brandenburger Tor statt. Man habe „keine Kenntnis von der Gästeliste und auch keinen Einfluss darauf“ gehabt, stellte ein Konzernsprecher klar.

    Mittelstandsunion geht auf Distanz zu Ostermann

    Auch auf politischer Ebene löste Ostermann Irritationen aus. Die Grünen-Bundestagsabgeordneten Konstantin von Notz und Andreas Audretsch nahmen die Familienunternehmer in die Pflicht: „Die rund 6500 Unternehmen, die im Verband organisiert sind, sollten sich sehr ernsthaft überlegen, ob Frau Ostermann als Vorsitzende des Verbandes tatsächlich in ihrem Namen einer solchen gefährlichen Relativierung und Entwicklung das Wort redet“, sagten die beiden Fraktionsvizes. Aber auch in der CDU rumort es. „Die AfD ist kein Partner für den Mittelstand“, ging die Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, Gitta Connemann, auf Distanz.

    Zugleich warnte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, davor, die AfD wie jede andere Partei zu behandeln. Dies drohe erheblichen Schaden für die deutsche Wirtschaft im Ausland wie im Inland anzurichten. Die Hoffnung in den Reihen der AfD, die Familienunternehmer könnten etwas ins Rollen bringen, dürfte sich also vorerst nicht erfüllen. Für den bayerischen Wirtschaftslobbyisten Brossardt jedenfalls steht fest: „Wir setzen uns mit niemandem an den Tisch, der rechte Parolen propagiert und vom Verfassungsschutz beobachtet wird.“

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