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Alexander Schweitzer: Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz ist die letzte Patrone der SPD

Rheinland-Pfalz

Alexander Schweitzer ist die letzte Patrone der SPD

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    Dem Thema Sicherheit müsse bei der Finanzierung des ÖPNV viel Raum eingeräumt werden, sagte Ministerpräsident Schweitzer.
    Dem Thema Sicherheit müsse bei der Finanzierung des ÖPNV viel Raum eingeräumt werden, sagte Ministerpräsident Schweitzer. Foto: Michael Kappeler, dpa

    Der Mann, der in zwei Wochen die SPD retten muss, findet das verheerende Ergebnis der Sozialdemokraten in Baden-Württemberg gar nicht so verheerend – zumindest mit Blick auf seine eigene Wahl. Es sei zwar „ein bitterer Abend“ gewesen, sagte Alexander Schweitzer im Deutschlandfunk. Erklärte allerdings auch, für wen: „Für die Kolleginnen und Kollegen in Baden-Württemberg.“ Ihn selbst mache das Ergebnis „überhaupt nicht nervös“.

    Es ist nicht so, dass es gar keine besorgten Reaktionen aus der SPD-Spitze gab, als die Partei am Sonntag ihr bisher schlechtestes Ergebnis auf Landesebene eingefahren hatte. 5,5 Prozent: Nur knapp schafften es die Genossen überhaupt wieder in den Landtag. Auch Parteichef Lars Klingbeil sprach in Berlin von einem „bitteren Abend“, bezog sich dabei aber wohl auf die gesamte Partei. Angesichts der Dramatik des Ergebnisses wirkten die Reaktionen trotzdem ein wenig untertrieben.

    In der SPD gibt man sich mit Blick auf die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz siegesgewiss

    Die Zurückhaltung dürfte zwei Gründe haben. Der erste: Dass man im Ländle abgestraft werden würde, damit hatte man im Willy-Brandt-Haus gerechnet. Schon im Vorfeld bemühten sich führende Sozialdemokraten in Berlin, die Erwartungen an die Baden-Württemberg-Wahl niedrig zu halten: Historisch sei es kein Stammland der SPD, dazu kämen starke Grüne und die Zuspitzung auf Hagel versus Özdemir schade auch. Vielleicht hatte man nicht mit einer Fünf vor dem Komma gerechnet, eher mit einer Sieben oder gar einer Acht, aber klar war immer: Die wichtige Wahl für die SPD wird nicht Baden-Württemberg, sondern Rheinland-Pfalz, wo man seit 35 Jahren regiert.

    Damit wäre man beim zweiten Grund für die relative Gelassenheit. Die Wiederwahl in Rheinland-Pfalz will man durch Selbstkritik und Personaldebatten nicht zusätzlich in Gefahr bringen. Sollte die Wahl aber schiefgehen, wird es Diskussionen um das Spitzenpersonal geben. Nicht auszuschließen ist auch, dass vor allem der linke Flügel die Koalition mit der Union infrage stellt oder sie zumindest für das Ergebnis verantwortlich macht.

    Amtsbonus erarbeitet: Seit 2024 regiert Alexander Schweitzer in Rheinland-Pfalz

    Auftritt: Alexander Schweitzer. Der Mann, der beweisen muss, dass die SPD noch gewinnen kann – der die Parteiführung und vielleicht sogar die Koalition retten muss. Bei der SPD gab man sich da zuletzt siegesgewiss. Er sei sich sicher, dass „der Alex“ das packt, sagte kürzlich ein führender Sozialdemokrat. Schweitzer sei ein „sehr, sehr starker Spitzkandidat“, im Land „beliebt“ und vor allem „bekannt“. Zumindest letzteres kann man von seinem Herausforderer Gordon Schnieder von der CDU nicht unbedingt behaupten.

    Schweitzer, mit über zwei Metern der größte amtierende Ministerpräsident, steht seit 2024 an der Spitze der Landesregierung. Auf die Frage nach seiner Herkunft hat er eine Antwort, die Schweitzer gern gibt und die zugegebenermaßen cool klingt: Er ist auf dem Rhein aufgewachsen, auf einem Frachter. Sein Vater war Binnenschiffer. Also auch Arbeiterkind – ein biografisches Detail, das in einer SPD, die noch immer nach sich selbst sucht, nicht ganz unwichtig ist.

    Zunächst im Schatten seiner Vorgängerin Malu Dreyer hat er sich mit Talkshow-Auftritten und einer Tour durch das Bundesland Bekanntheit erarbeitet – und damit einen Amtsbonus. Die Ampel-Koalition führt er, wie schon seine Vorgängerin, weitgehend geräuschlos. Das räumen auch seine Herausforderer ein.

    Dass Schweitzer angesichts der Wahl in Baden-Württemberg „überhaupt nicht nervös“ ist, könnte auch daran liegen, dass dieser Mann selten nervös wirkt. Nach zwei Jahren im Amt strahlt er eine landesväterliche Ruhe aus.

    Das alles macht sich bezahlt: Bei einer Direktwahl käme Schweitzer laut Infratest Dimap auf 34 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer Gordon Schnieder nur auf 17.

    Ausgerechnet die Landtagswahl in Baden-Württemberg dürfte der SPD Hoffnung machen

    In der Union jedenfalls hat man selbst bei zeitweise etwa zehn Prozentpunkten Vorsprung einen Wahlsieg Schweitzers – zumindest hinter den Kulissen – nie ausgeschlossen. Zu oft gelang den Genossen in Rheinland-Pfalz bei Wahlen ein fulminantes Comeback. Auch diesmal könnte es wieder so kommen. Zuletzt lagen sie in Umfragen nur noch einen Prozentpunkt hinter der CDU.

    Ironischerweise ist es ausgerechnet das Ergebnis in Baden-Württemberg, das Schweitzer Hoffnung machen dürfte. Dort lief das Rennen am Ende auf einen Zweikampf zwischen Özdemir und Hagel hinaus. Die SPD wurde dabei zerrieben. Eine ähnliche Ausgangslage gibt es auch in Rheinland-Pfalz – nur mit für die SPD günstigeren Vorzeichen: Hier liefern sich die Genossen das Rennen um Platz 1 mit der CDU.

    Ähnlich wie Özdemir im Südwesten ist Schweitzer der bekanntere und erfahrenere Kandidat. Das Rezept, mit dem die SPD in Baden-Württemberg an den Rand der Bedeutungslosigkeit gedrängt wurde, könnte ihr in Rheinland-Pfalz am Ende sogar die Staatskanzlei retten – und damit womöglich auch die Koalition im Bund.

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