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Alle Geiseln frei: Trump hat es geschafft

Nahost-Konflikt

Ein historischer Tag dank Donald Trump

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    US-Präsident Donald Trump bei seiner Ankunft am Flughafen in Tel Aviv. Beim Aussteigen aus der Air Force One reckt er die Faust in die Luft und zeigt der Welt: Wir haben es geschafft.
    US-Präsident Donald Trump bei seiner Ankunft am Flughafen in Tel Aviv. Beim Aussteigen aus der Air Force One reckt er die Faust in die Luft und zeigt der Welt: Wir haben es geschafft. Foto: AFP

    Historisch. Das ist das Wort, das immer wieder fällt im israelischen Fernsehen am Montagmorgen, während der Live-Berichterstattung zur Rückkehr der letzten 20 Geiseln. Das ist kein falsches Pathos, keine Zuspitzung zur Stärkung der Headlines. Es entspricht dem, was zahllose Israelis an diesem Morgen empfinden dürften, während sie voller Anspannung vor dem Fernseher verfolgen, wie die Geiseln, deren Gesichter ihnen so vertraut geworden sind, zum ersten Mal seit zwei Jahren auf israelische Soldaten treffen. Denn am Montag kehren alle von der Hamas festgehaltenen und noch lebenden Geiseln nach Israel zurück. Nach 738 Tagen Gefangenschaft.

    Alon Ohel, 24, der begabte Klavierspieler, der vorhatte, Musik zu studieren. Omri Miran, 48, Vater zweier Töchter, die Jüngere noch ein Baby bei seiner Entführung, nun ein Kleinkind mit geflochtenen Zöpfen, das sich an seinen Vater nicht erinnern kann. Es gibt wohl kaum einen Menschen in Israel, der sie nicht kennt, die Geschichten der letzten Geiseln. Und der den Tag ihrer Rückkehr nicht herbeigesehnt hat, als kenne er sie persönlich, Alon, Omri und all die anderen, deren Gesichter im ganzen Land von Hauswänden und Bushaltestellen, von Autofenstern und T-Shirts lächeln.

    Die Hamas übergibt die Geiseln in zwei Gruppen an das Rote Kreuz

    Die Hamas übergibt die letzten überlebenden Geiseln am Montagvormittag in zwei Gruppen an Teams des Roten Kreuzes, zuerst sieben, dann die übrigen 13. Vor Beginn der Freilassung der ersten Geiseln im Gazastreifen machten sich einige ihrer Angehörigen auf den Weg zum israelischen Militärlager Reim. Dorthin werden die Geiseln an diesem historischen Morgen vom Roten Kreuz gebracht. Bei vergangenen Freilassungen hatte die Hamas die Geiseln vor jubelnden Anhängern auf Bühnen präsentiert, einige von ihnen gar gezwungen, Lobesworte für ihre Peiniger in ein Mikrofon zu sprechen. Dieses Mal verzichtete die Hamas auf derartige Propagandashows – so sieht es der Plan von US-Präsident Donald Trump vor, auf den Israel und die Hamas sich vergangene Woche geeinigt hatten.

    Präsident Donald Trump reicht dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu in der Knesset die Hand.
    Präsident Donald Trump reicht dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu in der Knesset die Hand. Foto: Kenny Holston, dpa

    Zu diesem Plan gehört auch die Freilassung palästinensischer Gefangener und Häftlinge. Auf TV-Bildern ist zu sehen, wie erste Busse mit Freigelassenen das Ofer-Gefängnis im Westjordanland bei Jerusalem verlassen. Die Menschen werden nach Ramallah im Westjordanland gebracht. Insgesamt soll Israel nach der Vereinbarung über eine Waffenruhe mit der Hamas rund 1700 im Gazastreifen festgenommene Palästinenser und rund 250 zu teils lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilte Häftlinge freilassen.

    Die früheren Geiseln können auf eigenen Beinen stehen

    Am Montag aber stehen die befreiten Geiseln der Hamas im Fokus. Die ersten Bilder der Menschen, die in Gaza in einen Wagen des Roten Kreuzes stiegen, lösen in Israel Erleichterung aus: Die früheren Geiseln können auf eigenen Beinen stehen. Nach allem, was über ihre Gefangenschaft bekannt ist – Verletzungen, die unbehandelt blieben, systematisches Aushungern, wochenlange Fixierung durch schwere Eisenketten und monatelange Gefangenschaft in dunklen Tunneln –, gilt allein das schon als gute Nachricht.

    Fahrzeugen des Roten Kreuzes mit freigelassenen Geiseln auf dem Weg zur israelischen Grenze.
    Fahrzeugen des Roten Kreuzes mit freigelassenen Geiseln auf dem Weg zur israelischen Grenze. Foto: Jehad Alshrafi, dpa

    Zurück in Israel bringen Soldaten der israelischen Armee die Befreiten zunächst in eine Aufnahmestation nahe der Grenze, wo sie nahe Angehörige treffen können und eine erste Untersuchung durchlaufen. Omris Frau, Lishay Miran-Lavi, die zwei Jahre lang unermüdlich für die Rückkehr ihres Partners gekämpft hatte, postet am Montagmittag ein Foto von sich und Omri. „Papa Omri ist daheim“, schreibt sie dazu.

    Die Welt blickt an diesem Tag auf einen Mann: Donald Trump

    Die Welt schaut am Montag allerdings nicht nur auf die Menschen, die von der Hamas freigelassen werden, sie schaut auch auf den Mann, dem das größtenteils zu verdanken ist: Donald Trump. Ausgerechnet der US-Präsident, auf den die Welt so gespalten blickt, hat geschafft, was kaum jemand für möglich hielt.

    Der Erfolg ist stark auf die Person Trump zugeschrieben. Zwar erwähnt er die Leistung anderer Vermittlerländer - doch ertönt in Sprechchören auf Israels Straßen vor allem ein Name: „Thank you, Trump.“ Bei seiner Ankunft auf dem Flughafen bei Tel Aviv liegt ein roter Teppich ausgerollt. Trump reckt beim Aussteigen eine Faust in die Luft. Die Übereinkunft „könnte die größte Sache sein, in die ich jemals involviert war“, sagt Trump davor einem Reporter der US-Nachrichtenseite „Axios“.

    Minutenlanger Applaus für Trump in der Knesset

    Als Trump dann an diesem historischen Tag in der Knesset, dem israelischen Parlament, ans Rednerpult tritt, brandet minutenlanger Applaus auf, die Menschen stehen auf, jubeln. Bevor Trump seine Rede hält, spricht aber zuerst der israelische Ministerpräsident. „Es ist ein Moment unvorstellbarer Freude“, sagt Benjamin Netanjahu. „Sie haben etwas erreicht, von dem niemand dachte, dass es möglich ist. Die nächsten Jahre werden hoffentlich Jahre des Friedens sein.“

    Omri Miran (rechts) war bis Montag in der Gewalt der Hamas. Nun ist der Mann wieder in Freiheit.
    Omri Miran (rechts) war bis Montag in der Gewalt der Hamas. Nun ist der Mann wieder in Freiheit. Foto: IDF, dpa

    Netanjahu äußert vor der Knesset auch die Hoffnung, mit Trumps Hilfe könne Israel Annäherungsabkommen mit weiteren arabischen und muslimischen Staaten abschließen. „Die Kinder Abrahams werden zusammenarbeiten, um eine bessere Zukunft zu schaffen“, sagt Netanjahu. „Ich glaube, dass dies unter Präsident Trumps Führung viel schneller passieren wird, als die Leute denken.“ Israel werde immer wachsam, aber gleichzeitig voller Hoffnung sein. „Es ist an der Zeit, diese Hoffnung umzusetzen und den Kreis des Friedens zu vergrößern.“

    Trump: „Das Ende des Zeitalters des Terrors“

    Als der amerikanische Präsident dann schließlich das Wort ergreift, hallen „Trump, Trump“-Rufe durch die Knesset. Es sei ein Tag der Freude und der Hoffnung, sagt Trump dann. „Heute schweigen die Waffen. Das ist nicht nur das Ende eines Krieges, sondern das Ende des Zeitalters des Terrors. Es ist der Beginn eines neuen Nahen Ostens.“ In den kommenden Generationen werde dieser Tag der Tag sein, an dem sich alles verändert habe. „Viele Leute sagten, dass das nicht möglich sei und dass wir nur unsere Zeit verschwenden würden. Sie lagen falsch.“

    Bei Trumps gefeierter Ansprache im israelischen Parlament kommt es dann zu einem kleinen Zwischenfall. Zwei Abgeordnete einer linksorientierten Oppositionspartei werden plötzlich unter großem Geschrei von Sicherheitskräften aus dem Saal entfernt. Die israelische Nachrichtenseite „ynet“ berichtete, sie hätten Schilder in die Höhe gehalten, auf denen die Anerkennung eines unabhängigen palästinensischen Staates gefordert worden sei. Der gelösten Stimmung dieses Tages tut der Zwischenfall keinen Abbruch.

    Trump ruft Iran zu einer außenpolitischen Kurswende auf

    Trump richtet sich dann noch mit einem Appell an die Palästinenser im Gazastreifen und ruft die Menschen dazu auf, sich nach dem Krieg um ihre eigene Stabilität, Sicherheit, Würde und wirtschaftliche Entwicklung zu kümmern. „Die Entscheidung für die Palästinenser könnte nicht klarer sein: Das ist ihre Chance, sich für immer von ihrem Pfad von Terror und Gewalt abzuwenden“, sagt Trump. „Anstatt zu versuchen, Israel zu zerstören, ist es jetzt an der Zeit, sich auf den Aufbau des eigenen Volkes zu konzentrieren.“

    An den Iran gerichtet, sagt Trump in der Knesset, dass er sich eine grundlegende außenpolitische Kurswende wünsche. Nichts wäre besser für die Region, als wenn der Iran sich von Terroristen lossage, nicht mehr seine Nachbarn bedrohe und das Existenzrecht Israels anerkenne. „Wir sind bereit, wenn Ihr es seid, und es wird die beste Entscheidung sein, die der Iran je getroffen hat.“ Die „Hand von Freundschaft und Kooperation“ sei ausgestreckt, sagt Trump an die Adresse Teherans.

    Gipfeltreffen in Ägypten mit rund 20 Staats- und Regierungschefs

    Auch in Deutschland blickt man am Montag bewegt auf das, was da in Nahost passiert. Für den Zentralrat der Juden ist die Rückkehr der von der islamistischen Hamas festgehaltenen Geiseln nach Israel ein „Grund zur Freude“. Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland verspüre Erleichterung, sagt Zentralratspräsident Josef Schuster. „Insbesondere freuen wir uns über die vier deutschen Staatsbürger, die nach Hause zurückkehren können.“ Um die toten Geiseln - unter denen „allem Anschein nach auch drei deutsche Staatsbürger“ seien - trauere man. Zugleich warnt Schuster: „Bei aller Freude bedeutet dieser Tag sicherlich keine Rückkehr in die Normalität. Israel ist durch die Feinde in seiner Nachbarschaft weiterhin akut bedroht.“ Der Freilassung der Geiseln müssten daher die weiteren Phasen des Friedensplans von US-Präsident Donald Trump folgen. Die Hamas müsse entwaffnet und entmachtet werden.

    Die Menschen in Israel feierten die Freilassung der Geiseln.
    Die Menschen in Israel feierten die Freilassung der Geiseln. Foto: Francisco Seco, dpa

    Während Trump in Israel spricht, läuft in Ägypten zeitgleich das Gipfeltreffen zum Gaza-Krieg an, mit einer feierlichen Zeremonie zum Abkommen zwischen der Hamas und Israel. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi empfängt in Scharm El-Scheich unter anderem den Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und viele weitere, insgesamt rund 20, Staats- und Regierungschefs. Auch Trump stößt am Nachmittag dazu - Netanjahu indes fliegt nicht zu dem Gipfel in Ägypten, eigenen Angaben zufolge aus Zeitgründen. Vertreter der Hamas sind ebenfalls nicht vor Ort.

    Die freigelassenen Geiseln werden in verschiedene Krankenhäuser gebracht

    Während auf politischer Bühne den ganzen Tag über der Erfolg gefeiert wird, werden die Befreiten von der Aufnahmestation per Helikopter zu verschiedenen Krankenhäusern im Zentrum des Landes geflogen, wo sie voraussichtlich die kommenden Tage, vielleicht auch Wochen bleiben werden, abhängig von ihrer physischen Verfassung. Länger als die körperliche Erholung dürfte jedoch das Heilen der inneren Wunden dauern – sofern das überhaupt möglich ist. Experten gehen davon aus, dass, trotz der psychologischen Betreuung, die der Staat jedem Rückkehrer anbietet, einige seelische Narben wohl für immer bleiben werden.

    Vermutlich gilt das auch für die Gesellschaft als Ganzes. Israel ist ein kleines Land mit großen Familien und Freundeskreisen, fast jeder ist auf die eine oder andere Weise mit einer der Geiselfamilien verbunden. Ihr Leid war zwei Jahre lang allgegenwärtig – und damit auch der Horror vom 7. Oktober, dem blutigsten Tag in der Geschichte des Jüdischen Staates.

    Frühere Geisel: „Erst jetzt kann ich mein Leben von Neuem beginnen“

    Sei es in Gesprächen mit Überlebenden des Terror-Angriffs, mit früheren Geiseln, ihren Angehörigen oder selbst Unbeteiligten – immer wieder fiel in Israel in den letzten zwei Jahren der gleiche Satz: Erst, wenn die letzten Geiseln zurück sind, können wir überhaupt damit beginnen, das Trauma zu heilen.

    Die frühere Geisel Emily Damari fasst in Worte, was wohl viele Menschen in Israel empfinden. Am Montagmittag, kurz nach der Freilassung der letzten Geiseln, spricht der israelische Fernsehsender Kanal Zwölf am Telefon mit ihr. „Erst jetzt“, sagt Damari, die Stimme heiser vom Jubeln, „kann ich mein Leben von Neuem beginnen.“

    28 Menschen, die noch Geiseln der Hamas waren, sind tot

    Andere Leben indes sind vorbei, 28 Menschen, die noch Geiseln der Hamas waren, sind tot. Die Geiselfamilien erfahren am Montag, dass an diesem Tag nur vier der toten Geiseln an Israel übergeben werden. Eigentlich sieht das Abkommen zwischen Israel und der Hamas vor, dass an diesem Tag alle Leichen übergeben werden. Und so liegen an diesem Tag Leid und Freud dicht beieinander. Die einen warten in Trauer auf die Leichname ihrer Angehörigen. Die anderen schließen ihre Liebsten lebend in die Arme. (mit dpa)

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