Reine, unbeschwerte Freude gibt es in diesem schrecklichen Konflikt längst nicht mehr. Natürlich sind die Verwandten und Angehörigen der überlebenden Geiseln überglücklich, endlich Vater, Tochter, Ehemann oder Schwester in die Arme schließen zu können. Doch in dieses Gefühl mischt sich die Angst um die Folgen des Martyriums, mit denen die von den Hamas-Terroristen Verschleppten leben müssen. Allgegenwärtig ist zudem die Trauer um die Opfer des Massakers vom 7. Oktober 2023, über die Geiseln, die die Tunnel-Hölle in Gaza nicht überlebt haben, während die Palästinenser Zehntausende getötete Zivilisten beweinen.
Jetzt überwiegt die Erleichterung über die Rückkehr der Geiseln und die Erfolge, die Donald Trump mit seiner „friss oder stirb“-Politik gegenüber der Hamas, aber auch der Regierung von Benjamin Netanjahu erzielt hat. Es zeigt sich, was möglich ist, wenn die USA ihren nach wie vor enormen globalen Einfluss für konstruktive Ziele einsetzen. Ohne die Unterstützung Katars, der Saudis, Ägyptens und der Türkei jedoch hätte der US-Präsident diesen Coup kaum feiern können. Die Rolle der muslimischen Staaten ist ein Zeichen der Hoffnung.
Der Gaza-Konflikt ist längst noch nicht gelöst
Der Gaza-Konflikt allerdings ist noch längst nicht gelöst. Die Waffen schweigen weitgehend, die Geiseln sind frei – das ist weit mehr, als noch vor wenigen Wochen möglich schien. Nun beginnt die Phase der mühevollen Verhandlungen. Eine tiefe, über Jahrzehnte verinnerlichte Feindschaft trennt Israelis und Palästinenser. Die Hamas war es, die tanzende Frauen und Männer im Herbst 2023 aus blindem Hass und dem puren Willen, jüdisches Leben zu vernichten, wahllos missbraucht, ermordet und verschleppt hat. Das wird in Europa, auch in Deutschland, von Unterstützern der Palästinenser ausgeblendet.
Die Terrororganisation steht unter starkem Druck, sich selbst abzuwickeln. Terroristen ohne Waffen, das sind Terroristen ohne Macht. Dass die Hamas-Führung diesen Weg geht, ist kaum vorstellbar. Ein Ende des Teufelskreises ist nur denkbar, wenn den Fanatikern jedes Mitspracherecht verweigert wird – doch wer tritt an ihre Stelle?
Netanjahu kämpft um seine politische Existenz
Um seine politische Existenz kämpft indes Netanjahu. Seine Verantwortung dafür, dass die israelischen Frauen und Männer im Herbst 2023 den Hamas-Schergen schutzlos ausgeliefert waren, ist nicht aufgearbeitet. Gleiches gilt für die Frage, in welchem Umfang die israelischen Streitkräfte in diesem Krieg gegen Völkerrecht verstoßen haben. Damit nicht genug: Sollte der 75-jährige Netanjahu die nächsten Wahlen verlieren, warten Gerichtsverfahren wegen mutmaßlicher Korruption auf ihn. Ihm könnte Gefängnis drohen.
Ein weiteres Konfliktfeld, das die Verhandlungen belasten wird, ist der ganz bewusst forcierte, völkerrechtswidrige Siedlungsbau der israelischen Regierung im Westjordanland, der eine Zwei-Staaten-Lösung mit jedem Tag schwieriger macht. Die arabischen Staaten pochen jedoch völlig zu Recht darauf, dass am Ende einer umfassenden Friedenslösung ein palästinensischer Staat stehen muss.
Der Friedensplan ist eng mit der Person Donald Trump verbunden
Ob Trumps Enthusiasmus ausreicht, die Hamas, die arabischen Staaten und seine israelischen Freunde am Konferenztisch festzunageln, wenn es kompliziert und kleinteilig wird, steht in den Sternen. Immerhin ist der Friedensplan derart eng mit seiner Person verbunden, dass er sich kaum lautlos davonstehlen kann, um sich voll auf die Zerschlagung demokratischer Strukturen in seiner Heimat konzentrieren zu können.
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