Bayerns Kliniken schlagen angesichts der seit Monaten andauernden Unklarheit um die Zukunft vieler Krankenhausstandorte Alarm und warnen vor einer schlechter werdenden Versorgung, insbesondere in ländlichen Regionen. Die noch zu Zeiten der Ampelkoalition beschlossene Krankenhausreform zwingt alle Kliniken, von Grund auf ihre Leistungsangebote unter zumeist deutlich strengeren Vorgaben neu aufzustellen. Dabei gebe es jedoch viele Unsicherheiten und keinerlei Bestandsgarantien, sagte der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, Roland Engehausen, unserer Redaktion.
Bayerns Kliniken sorgen sich um Brustkrebsbehandlung auf dem Land
„Die Krankenhäuser beantragen jetzt alle Versorgungsaufträge neu, aber hängen völlig in der Luft, wie die Gesetze zur Krankenhausreform genau aussehen“, kritisiert Engehausen. Grund sei der anhaltende Streit zwischen Bund und Ländern, aber auch innerhalb der Regierungskoalition, über dringend erforderliche Nachbesserungen der noch unter dem früheren Gesundheitsminister Karl Lauterbach beschlossenen Reform.
„Bei spezialisierten Bereichen, die auch für Notfälle relevant sind, wie Kardiologie und Gefäßchirurgie, aber auch bei Operationen in der Krebsbehandlung haben wir Sorgen“, warnt Engehausen. „Dort wissen wir nicht, ob die Reform am Ende die nötige Mischung aus Spezialisierung und Versorgung in der Fläche gewährleisten wird“, sagt der Geschäftsführer des Krankenhausträgerverbands.
„Spezialisierung ist grundsätzlich richtig, aber wir dürfen nicht riskieren, dass ganze Regionen leer ausgehen“, mahnt er. „Wenn beispielsweise mehrere Brustkrebszentren in einer Region durch Abrechnungsverbote wegfallen, bringt es Patientinnen nichts, wenn die nächste spezialisierte Klinik über hundert Kilometer oder mehr entfernt ist.“ Hier müssten andere nahe Kliniken gestärkt werden. „Doch dieses Problem ist im jetzigen Gesetz ungelöst.“ So drohen in der Krebs-Chirurgie wegen starrer Qualitätsvorgaben Abrechnungsverbote, falls die Zahl der Eingriffe vor Ort im Bundesvergleich nicht hoch genug sei.
Verschwinden kleine Kliniken auf dem Land ganz von der Bildfläche?
Schon jetzt habe sich das komplizierte Gesetz zudem als völlig praxisuntauglich erwiesen, um kleinere Kliniken in neue übergreifende Versorgungszentren umzuwandeln, kritisiert Engehausen. Die neuen Einrichtungen sollen künftig sowohl ein fachärztlich ambulantes, als auch ein reduziertes stationäres Angebot leisten. „Gelingt eine Umwandlung in solche Zentren nicht und Kliniken verschwinden in ihrer bisherigen Form einfach, droht die medizinische Versorgung auf dem Land deutlich schlechter zu werden“, warnt Engehausen. Denn Hausarztpraxen würden wegen Terminschwierigkeiten bei ambulanten Fachärzten Patienten häufiger zur weiteren Abklärung ins nahe Krankenhaus überweisen.
Negative Folgen selbst für große Unikliniken befürchtet
Doch selbst Unikliniken und andere sogenannte Maximalversorger, wie in München oder Berlin, bekämen Probleme durch Mängel der Reform, warnt Bayerns Krankenhausgesellschaft. So dürften etwa Teilstandorte künftig nicht weiter als zwei Kilometer auseinanderliegen, selbst wenn sie als Einheit geführt werden. „Es wäre völlig absurd, wenn man funktionierende Krankenhäuser abreißen müsste“, sagt Engehausen.
Er forderte die Koalition auf, endlich das vom Bundeskabinett im Herbst mit einigen Nachbesserungen auf den Weg gebrachte „Krankenhausreformanpassungsgesetz“ zu verabschieden. Der Entwurf hängt seit Monaten wegen Streit zwischen Union und SPD im Bundestag fest. „Die Kliniken brauchen jetzt endlich ein praktikables Gesetz, damit sie ohne die jetzigen Unsicherheiten diese sehr weitreichende Reform in Ruhe umsetzen können“, betont Engehausen.
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