Die Zustimmung für die AfD unter Jungwählern hat sich verringert – dies ist das Ergebnis der Trendstudie „Jugend in Deutschland 2025“ zur bevorstehenden Bundestagswahl. Die Wissenschaftler haben unter der Leitung des Jugendforschers Simon Schnetzer Daten von knapp 1700 Frauen und Männern im Alter von 18 bis 29 Jahren in den Blick genommen. „Die fünf beliebtesten Parteien sind die Grünen und die AfD mit jeweils 18 Prozent, die CDU/CSU mit 16, die Linke 13 und die SPD mit 12 Prozent“, fasst Schnetzer die Ergebnisse zusammen.
Doch ins Auge fällt, dass sowohl Union als auch AfD gegenüber 2024 immerhin 4 Prozentpunkte verloren haben. Parallel dazu feiert eine Partei einen bemerkenswerten Aufstieg in der Gunst junger Deutscher, der vor wenigen Monaten von vielen Politikwissenschaftlern ein schleichendes Siechtum prophezeit wurde: Die Linke konnte im Datenabgleich zu 2024 stolze 6 Prozentpunkte zulegen.
Bei der U18-Bundestagswahl ist die Linke sogar auf Platz 1
Ein Resultat, das dieser Tage durch verschiedene Erhebungen gestützt wird. Da ist einmal das Ergebnis der U18-Bundestagswahl, bei der der Bundesjugendring knapp 170.000 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren in 1800 Stimmlokalen die Möglichkeit gab, ihre Stimme abzugeben. Nach der Auszählung der Stimmen stand die Linkspartei mit 20,8 Prozent an der Spitze. Auf den weiteren Plätzen folgen die SPD mit 17,9, die CDU/CSU mit 15,7, die AfD mit 15,5 und die Grünen mit 12,5 Prozent. Noch hinter der Tierschutzpartei mit 3,8 Prozent rangieren FDP und das BSW mit jeweils 3,4 Prozent. Auch was die Umfragen zur Bundestagswahl am kommenden Sonntag angeht, ist die Linke im Aufwind – die Partei entfernt sich immer weiter von der 5-Prozent-Hürde: Das Meinungsforschungsinstitut Forsa sieht die Partei bei 7, die Konkurrenz Yougov gar bei 9 Prozent.
Die Macher der Studie „Jugend in Deutschland 2025“ haben sich auch angeschaut, welche Themen und Probleme jungen Wählern wichtig sind. Weit verbreitet ist danach die Enttäuschung über die gescheiterte Ampel-Koalition. In den Interviews, die mit jungen Leuten geführt wurden, zeigte sich, dass die Sorge um die soziale Sicherheit erheblich ist. Steigende Mieten und die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage des Landes zeigen Wirkung. Ebenfalls mit Sorge wird bei vielen Erstwählern das erlahmende Engagement beim Thema Klimaschutz zur Kenntnis genommen. Hinzu kommt der Eindruck, dass die Politik keine Strategien vorweisen kann, die geeignet sind, das Land in eine bessere Zukunft zu führen. Von diesem Gefühl allerdings können nach den Daten der Studie Union und AfD weniger profitieren als noch 2024.
Frauen und Männer mit deutlich unterschiedlicher Parteienpräferenz
Die Linke hat für eine erhebliche Zahl junger Wählerinnen und Wähler nicht zuletzt mit Blick auf den im Wahlkampf äußerst heftig diskutierten Umgang mit der in Teilen rechtsextremen AfD Sympathien gesammelt. Die Partei entwickelt enorme Anziehungskraft auf Jungwähler, für die die Brandmauer gegen Rechtsextreme essenziell für ihre Wahlentscheidung ist. Augenfällig, wenn auch nicht neu, ist die deutlich unterschiedliche Parteienpräferenz von Frauen und Männern. Während junge Wählerinnen in der Wahlkabine überdurchschnittlich oft ihr Kreuz bei den Grünen machen, neigen ihre männlichen Altersgenossen eher zu AfD und CDU/CSU.
Immer schwieriger wird der Stand der SPD bei jungen Wählern. SPD-Sympathisanten würden bei den Befragungen im Vergleich zu anderen Parteien „weniger leidenschaftlich“ wirken, schreiben die Autoren der Studie. Die Unterstützung für die SPD scheine für viele eher „eine Wahl des geringsten Übels“ zu sein, und selbst innerhalb der eigenen Anhängerschaft stößt die erneute Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz auf wenig Begeisterung.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren