Das Interesse an der Bundeswehr wächst. Daten des Verteidigungsministeriums weisen aus, dass im laufenden Jahr bereits 28 Prozent mehr militärisches Personal eingestellt wurde als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bis zum 21. Juli habe es rund 13.750 Einstellungen gegeben, heißt es weiter. Der Trend sei den weiteren Angaben zufolge nicht nur bei den Zeitsoldaten positiv, sondern auch beim freiwilligen Wehrdienst. Dort sei ein Plus von rund 15 Prozent zu verzeichnen gewesen. Damit leisten derzeit 11.350 junge Leute freiwillig Dienst an der Waffe. Die Streitkräfte verfügen derzeit über rund 183.100 Männer und Frauen – mithin etwa 2000 mehr als vor Jahresfrist.
André Wüstner sieht zumindest den Abwehrtrend abgebremst
Vor dem Hintergrund der laufenden Debatte zur Wiedereinführung der Wehrpflicht und dem von Boris Pistorius postulierten Ziel bis 2029 „kriegstüchtig“ zu sein, wertet man das im Verteidigungsministerium als „sehr erfreuliche Entwicklung“, als Ergebnis „vielfältiger personalwerblicher Kampagnen“ der Bundeswehr und als Reaktion auf die sicherheitspolitische Lage die Rede.
Ist das ein Durchbruch, um die Personalnot der Truppe zu lindern? Der Chef des Bundeswehrverbandes, André Wüstner, sagte im Gespräch mit unserer Redaktion: „Durch erste Weichenstellungen von Boris Pistorius scheint zumindest ein allgemeiner Abwärtstrend mit Blick auf den gesamten Personalkörper gebremst worden zu sein. Dennoch warne ich vor zu großem Optimismus, weil die Einstellungszahlen erfahrungsgemäß von Monat zu Monat stark schwanken und erst zum Jahresbeginn 2026 eine umfassende Bewertung des Jahres 2025 vorliegen wird.“ Er jedenfalls könne eine notwendige Trendwende für einen schnellen Anstieg von derzeit 171.500 auf 260.000 Zeit- und Berufssoldaten in den nächsten Jahren noch nicht erkennen. Gleiches gelte für das Ziel, bis 2029 auf rund 33.000 freiwillig Wehrdienstleistende zu kommen, um auf dieser Basis über insgesamt mindestens 100.000 Reservisten zu verfügen.
Besonders Berufs- und Zeitsoldaten sind wichtig für die Schlagkraft der Truppe
Viel wichtiger noch als die Gewinnung von Soldaten mit sehr kurzer Dienstzeit und insbesondere von Reservisten sei die „Steigerung des Kernbestandes, der sogenannten Profis“ auf 260.000, betonte Wüstner. Diese Gruppe sei entscheidend, wenn es um die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr geht. „Wenn wir der Überalterung in der Bundeswehr entgegenwirken und den Aufwuchs der Bundeswehr schaffen wollen, braucht es noch eine Vielzahl von attraktivitätssteigernden Maßnahmen.“ Dazu würden nicht zuletzt gesetzliche Anpassungen im Dienst- und Laufbahnrecht, aber auch bei der Besoldung notwendig sein. Versierte IT-Spezialisten für hochkomplexe Waffensysteme beispielsweise müssten entsprechend gut verdienen.
Wüstner ist allerdings skeptisch, dass die ehrgeizigen Ziele des Ministeriums tatsächlich ohne Pflichtelemente bei der Wehrpflicht erreichbar sein werden. Das Thema Wehrdienst birgt einiges an Streitpotenzial in der schwarz-roten Koalition. So favorisieren Sicherheitspolitiker in der Union - wie etwa Norbert Röttgen - Pflichtelemente bis hin zur klassischen Wehrpflicht. Ein Kurs, der in der SPD größtenteils auf Ablehnung stößt. Auch Pistorius setzt bis auf Weiteres auf Freiwilligkeit.
Boris Pistorius will sein Wehrdienstmodell Ende August im Kabinett vorstellen
Der SPD-Politiker will am 27. August sein Wehrdienstmodell im Bundeskabinett vorstellen. Ende 2025 soll das Gesetz Bundestag und Bundesrat passieren, danach könnten schon Anfang 2026 die Bundeswehr-Fragebögen für einen freiwilligen Dienst in den Briefkästen der 18-Jährigen liegen. Das Ziel: Weitere Rekruten für die Armee.
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