Wenn der Liter Kraftstoff an den Tankstellen merklich über zwei Euro kostet, tut das den Autofahrern weh. Besonders die Pendler, die mit ihrem Wagen zur Arbeit fahren, spüren den Schmerz der vom Irankrieg ausgelösten Preissprünge. Für die Deutsche Bahn könnte sich der Kostenschock hingegen in ein Konjunkturprogramm verwandeln. Je länger Benzin und Diesel so teuer sind wie derzeit, desto attraktiver wird die Schiene. Mit dem Deutschlandticket gibt es ein günstiges Gegenangebot für 63 Euro im Monat.
„Tatsächlich führen die gestiegenen Kraftstoffpreise zu einem Wettbewerbsvorteil“, sagte der Vorstand für den Regionalverkehr, Harmen van Zijderveld, am Freitag in Berlin bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Spürbar mehr Fahrgäste sind ihm zufolge zugestiegen, als die Preise an den Tankstellen das erste Mal die Marke von zwei Euro übersprungen haben.
Bilanz der Deutschen Bahn: „Wir haben noch Platz in den Zügen“
Der Bahnmanager geht davon aus, dass demnächst noch mehr Pendler wechseln werden. Zwar seien schon heute die Züge morgens und abends stark ausgelastet, „aber wir haben auch noch Platz in den Zügen und ich gehe davon aus, dass wir sie aufnehmen wollen und auch können“. Mit dem Deutschlandticket können Fahrgäste im ganzen Land alle Busse und Bahnen des Nah- und Regionalverkehrs nutzen.
Auf der Nahdistanz sind die Züge der Deutschen Bahn nach Konzernangaben pünktlich. Im vergangenen Jahr rollten demnach neun von zehn ohne Verspätung in den Bahnhöfen ein. Anders ist die Lage im Fernverkehr, wie Bahnchefin Evelyn Palla bei der Vorlage des Geschäftsberichts einräumte. Nur sechs von zehn ICEs und ICs verkehrten im Jahresschnitt pünktlich.
Auch im laufenden Jahr wird sich daran laut Palla nichts signifikant verbessern. Die Vorstandsvorsitzende strebt für 2026 ebenfalls nur einen Pünktlichkeitswert von 60 Prozent an. Zum Vergleich: Im Jahre 2015 lagen im Fernverkehr noch 75 Prozent der Verbindungen in der Zeit. „Wir haben jedes Jahr Pünktlichkeit eingebüßt. Jetzt gilt es erst einmal, diese Talfahrt zu stoppen, indem wir massiv in die Infrastruktur investieren“, sagte Palla. Im Jahr 2029 sollen 70 Prozent der Fernzüge pünktlich sein.
Mehr Baustellen wirken sich negativ auf den Bahn-Betrieb aus
Die Verbesserung wird deshalb langsam gehen, weil jede Baustelle im Gleisnetz und in den Bahnhöfen neue Engstellen schafft und den Betriebsablauf belastet. Ende vergangener Woche hatte eine Expertengruppe Vorschläge vorgestellt, um Verspätungen zu reduzieren. Pufferminuten im Fahrplan, frei gehaltene Jokergleise in den Bahnhöfen und schnelleres Umsteigen dank Helfern an Bahnsteigen sollen die Pünktlichkeit erhöhen. Palla teilt die Analyse, dass an Knotenpunkten wie den Hauptbahnhöfen München, Frankfurt, Köln oder Hamburg der Betrieb zuverlässiger liefe, wenn Verbindungen gestrichen würden. Sollten wegen der hohen Spritpreise dauerhaft Autofahrer umsteigen, müsste die Bahn aber eher mehr denn weniger Züge auf die Schienen schicken.
Trotz der anhaltenden Negativschlagzeilen über die Bahn haben im vergangenen Jahr mehr Reisende den Zug genommen. Insgesamt zählte das Unternehmen 1,93 Milliarden Passagiere und damit 3,4 Prozent mehr als im Jahr davor. Der Wert markiert den höchsten Stand seit Ende der Corona-Pandemie. Wirtschaftlich schloss die Bahn das Jahr ein weiteres Mal mit einem Verlust ab. Bereinigt um die Sondereinnahmen aus dem Verkauf der konzerneigenen Spedition Schenker, steht ein Verlust von 2,3 Milliarden Euro. Grund dafür sind Abschreibungen im Fernverkehr. Aus dem operativen Geschäft heraus erzielte das Staatsunternehmen immerhin einen Gewinn von 300 Millionen Euro.
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